"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Uni-Skandal" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 29.06.2005

Wien (OTS) - Hoffnungslos überfüllte Hörsäle, nur gelegentlich in Vorlesungen auftauchende Professoren, lange Wartezeiten auf einen Platz in Seminaren, Massenabfertigung statt individueller Betreuung:
Der ganz alltägliche Wahnsinn an unseren Universitäten. Eigenartigerweise haben sich die Studenten und ihre Vertreter zwar maßlos über die Einführung der Studiengebühren aufgeregt, der eigentliche Skandal bekümmert sie aber offenbar wenig. Hauptsache billig, die Qualität ist egal. Dementsprechend lang wird in Österreich studiert, entsprechend hoch ist die Zahl der Studienabbrecher.
Wenn laut Europäischem Gerichtshof ab Herbst Studenten aus allen EU-Ländern in Österreich ungehinderter Hochschulzugang gewährt werden muss, bricht das System aber endgültig zusammen. Zugangsbeschränkungen für alle sind unerlässlich.
Für die Universitäten bedeutet das den Zwang, künftig nur noch so viele Studenten aufzunehmen wie sie auch tatsächlich vernünftig ausbilden können. Die Studenten ihrerseits sollten endlich auf ihr Recht pochen, für ihre Studiengebühren auch eine ordentliche Gegenleistung zu bekommen.
Professoren, die nur abkassieren, sich aber kaum blicken lassen, gehören ebenso weg wie Alibi-Studenten, die nur auf Kosten ihrer Eltern ein paar schöne Jahre genießen wollen. Passiert das, dann hat der Europäische Gerichtshof für die Qualität unserer Universitäten mehr getan, als Bildungsministerium und Hochschülerschaft zusammen in den letzten Jahren.

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