Sparkassen kritisieren EU-Grünbuch für Finanzdienstleistungen

Sparkassenverbands-Präsident Hochegger: "Viel Licht, aber auch viel Schatten" - Generalsekretär Ikrath: "Integration im Privatkundengeschäft darf kein Selbstzweck sein"

Wien (OTS) - "Das neue Grünbuch zur Finanzdienstleistungspolitik der EU in den Jahren 2005-2010 bringt zwar viel Licht, aber auch viel Schatten, was sich nicht nur auf die Kreditwirtschaft, sondern auch auf die Konsumenten auswirken könnte", erklärte Alois Hochegger, Präsident des Sparkassenverbandes, bei einer Pressekonferenz. Im Grünbuch hat Binnenmarktkommissar McCreevy die zukünftigen Maßnahmen zur Integration der Finanzdienstleistungsmärkte in Europa vorgestellt.

Das positive Credo lautet: Keine neue Regulierungswelle, sondern Umsetzung der bestehenden Regelungen und Ausbau der europäischen Zusammenarbeit. Begleitet wird dieser neue strategische Ansatz durch das Prinzip der "better regulation". In allen Phasen des Regulierungsprozesses soll künftig vorweg eine umfassende Kosten/Nutzenanalyse mit nachvollziehbaren Kriterien (impact assessment) erstellt, die Marktteilnehmer umfassend konsultiert und die wirtschaftlichen Folgen abgeschätzt werden. Weiters will die Kommission Maßnahmen ändern oder sogar aufheben, wenn sie nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Begrüßenswert hingegen sei auch die Absicht der Kommission, die Qualität der Beratung und des Kunden/Verkäuferverhältnisses zu verbessern.

"Mit diesem Richtungsschwenk trägt die Kommission unserer Kritik Rechnung, dass ein Mehr an Regulierung zwar ein Mehr an Kosten aber nicht unbedingt ein Mehr an Nutzen für die Menschen bringt. Wir hoffen, dass nun die ausufernde Regulierungsflut gestoppt werden kann" so Hochegger.

Im Grünbuch kündigt McCreevy neben dem Regulierungsverzicht allerdings auch neue Initiativen an, die sich auf den Retail-Bereich, die Domäne der Sparkassen, konzentrieren. So wird der grenzübergreifende Zugang zu Finanzdienstleistungen für Privatkunden und zur Vermögensverwaltung einer genauen Analyse unterzogen.

Konsumenten sollen europaweit nach den besten Sparplänen, Versicherungs- und Pensionsprodukten suchen können und dies auf Basis klarer Informationen, die einen Vergleich der Produkte gestatten. Neben den Verbraucherkrediten sieht die Kommission auch bei Hypothekarkrediten noch Handlungsbedarf.

Die Sparkassen unterstützen die Kommission in ihren Bemühungen, Bankprodukte verbraucherfreundlich zu gestalten und Hindernisse zu beseitigen, die den grenzüberschreitenden Vertrieb beeinträchtigen. "Es kann aber nicht sein, dass die Kommission den begrüßenswerten Ansatz der "better regulation" ausgerechnet für laufende Vorhaben nicht heranziehen will. Auch eine lapidare Aufzählung von Vor- und Nachteilen als Teil des Richtlinientextes wie bei der Verbraucherkreditrichtlinie kann wohl kaum als ernsthaftes impact-assessment bezeichnet werden. Hier müsste man der Kommission eigentlich sagen: Danke, setzen, nicht genügend!", stellte Michael Ikrath, Generalsekretär des Sparkassenverbandes, fest.

Die Harmonisierung des Retail-Bereiches dürfe keinesfalls in eine McDonaldisierung von Finanzprodukten ausarten, die nur Standardprodukte verordnet, die vom Kunden nicht nachgefragt werden. "Für den Kunden zählt nach wie vor und auch in Zukunft die Nähe zu seiner Sparkasse, die Vertrauensbeziehung zu seinem Kundenbetreuer und die individuelle Beratung vor Ort. Diese unmittelbare Kundennähe in den Regionen ist eine entscheidende Stärke im europäischen Finanzsystem. Sie wird von unseren Kunden verlangt und darf nicht in Gefahr gebracht werden", warnte Ikrath.

Europa, so Ikrath, benötige einen integrierten Markt für Finanzdienstleistungen, der auf einer vielfältigen, breit gefächerten Bankenstruktur aufgebaut ist. "Das regt die Leistungsfähigkeit der Marktteilnehmer an und bringt durch eine große Produktpalette unterschiedlicher Anbieter einen unleugbaren Nutzen für den Konsumenten. Nur eine differenzierte Bankenlandschaft fördert die Wettbewerbsfähigkeit der Institute, die nicht mit einem einzigen europäischen Bankenmodell möglich sein kann. Gemeinsamkeit aus der Vielfältigkeit, das ist das Europa, das wir uns vorstellen", schloß Ikrath.

Das endgültige Programm für die Finanzdienstleistungspolitik der EU bis 2010, das sogenannte Weißbuch, wird nach einer Konsultationsphase voraussichtlich im November 2005 vorgestellt. Ein separates Gründbuch zu Hypothekarkrediten wird noch im Sommer 2005 erscheinen.

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