Psychotherapie: Kassenchaos in der psychotherapeutischen Versorgung

ÖBVP fordert Verhandlungen für einen bundesweiten Gesamtvertrag

Wien (OTS) - Mit großem Interesse erwartet der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) die in Kürze zu erwartende Studie des Instituts für Höhere Studien zur Versorgungssituation in Österreich.

"Nur 12 Prozent der Personen mit Bedarf an Psychotherapie können diese Leistung auch tatsächlich in Anspruch nehmen", kritisiert Dr. Margret Aull, Präsidentin des Bundesverbandes für Psychotherapie. Bereits seit 13 Jahren verweigern die Krankenkassen eine flächendeckende und bedarfsgerechte Psychotherapie. Eine Psychotherapie-Sitzung kostet durchschnittlich 70.00 Euro. Davon werden - seit 1992 gleich bleibend - der/dem PatientIn 21,80 Euro erstattet. Daneben gibt es österreichweit 30 Vereine, über die Psychotherapie als Sachleistung angeboten wird. Derzeit nehmen in Österreich rund 46.000 Personen Psychotherapie in Anspruch und leisten damit Selbstbehalte von rund 47,5 Millionen Euro. "Das Versorgungschaos führt dazu, dass gerade PatientInnen, die große psychische Probleme haben, es nicht schaffen, einen Kassentherapieplatz zu finden", merkt Dr. Aull an und berichtet von einem Beispiel aus der Praxis:

"Der 13-jährige Max hat einen schweren Autounfall nur knapp überlebt, seine zwei Geschwister sind bei dem Unfall ums Leben gekommen. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus fallen der Umgebung Veränderungen bei Max auf: Er zieht sich zurück, hat Angst aus dem Haus zu gehen, kann nicht schlafen, weint viel und will seine Freunde nicht mehr treffen. Plötzlich hat er schlechte Noten in der Schule und ist überzeugt, dass bald wieder etwas Schreckliches passieren wird. Manchmal ist Max auch aggressiv und attackiert sogar seine Mutter, an die er sich andererseits aber auch verzweifelt klammert.

Frau X. kann sich als Alleinerzieherin die hohen Selbstbehalte nicht leisten. Es beginnt die mühsame Suche nach einer/einem PsychotherapeutIn mit Sachleistungsvertrag. Bereits im Mai sind die von der NÖGKK an Versorgungs-gesellschaften verteilten Stundenkontingente vergeben. Vor 2006 gibt es im ganzen Bezirk wahrscheinlich keinen freien Psychotherapieplatz. Derzeit überlegen Tante und Großmutter von Max, ob sie die Psychotherapie für das Kind gemeinsam finanzieren können."

Bereits im April 2004 wurde in einer Studie des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesen (ÖBIG) eine krasse Unterversorgung festgestellt. Der ÖBVP fordert den Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger auf, diese unhaltbaren Zustände endlich durch einen Gesamtvertrag zu beenden.

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Dr. Eva Mückstein
Vizepräsidentin des ÖBVP
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