Pierre Besnainou neuer Präsident des Europäischen Jüdischen Kongress (EJC)

Wien (OTS) - Am 26. Juni 2005 fand in Paris die Generalversammlung des EJC statt. 84 (der 88 möglichen) Delegierten aus 42 jüdischen Gemeinden Europas waren nach Paris gekommen, um die brennendsten Probleme des europäischen Judentums zu besprechen:

  • Wie bekämpft man den zunehmenden Antisemitismus?
  • Wie überzeugt man die Regierungen Europas, eine ausgewogenere Haltung im Nahost-Konflikt und gegenüber Israel einzunehmen?
  • Wie löst man die großen Herausforderungen der jüdischen Gemeinden im 21.Jahrhundert (Assimilation, Mitgliederschwund usw.)?

Auch aktuelle Themen wurden besprochen, wie die Wahlen im Iran, aber auch die Vorkommnisse in Russland, wo die Staatsanwaltschaft Untersuchungen gegen den Kongress der Jüdischen Religiösen Organisationen und Gemeinden von Russland - (Keroor) eingeleitet hat, "ob die Veröffentlichung des Shulchan Aruch, ein 500 Jahre alter Kodex jüdischer Gesetze, die orthodoxen Christen beleidige". Diese skandalöse Aktion des Staatsanwalts basiert auf einem Brief von 5.000 russischen Persönlichkeiten, darunter 20 Duma-Abgeordneten.

Ein wesentlicher Teil der Generalversammlung war die Diskussion über neue Statuten und vor allem die Neuwahl des Präsidenten. Nach teilweise sehr heftigen Debatten wurde der amtierenden Präsident (Cobi Benatoff, Italien) durch Pierre Besnainou (Frankreich) ersetzt.

Besnainou ist in Tunesien geboren, 50 Jahre alt, ein "Selfmademan", der vor einigen Jahren sein Unternehmen verkauft hat und sich seither ausschließlich mit Wohltätigkeit und Förderung der jüdischen Gemeinden in Frankreich beschäftigt, der seine sephardischen Wurzeln voller Stolz verteidigt und dessen Engagement für den Staat Israel von der dortigen Führung stets geschätzt wird. Besnainou, ein enger Freund des österreichischen IKG-Präsidenten Dr. Ariel Muzicant, wurde mit 48:36 Stimmen gewählt.

Moshe Kantor (Schweiz/Russland) wurde als Chairman of the Board of Governors bestätigt. Die Generalversammlung hat ebenfalls die Exekutive, das zweitwichtigste Organ des Europäischen Jüdischen Kongresses gewählt. In diesem Gremium sind die Gemeinden von Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Russland und Ukraine ständig vertreten. Acht weitere Gemeinden werden nach dem Rotationsprinzip alle vier Jahre in die Exekutive entsandt. Die jüdische Gemeinde Österreichs (IKG) wurde diesmal vom Rotationsprinzip ausgenommen und zum zweiten Mal in Folge in die Exekutive gewählt.

Alles in allem ein - aus österreichischer Sicht - sehr erfolgreiches Wochenende.

Das europäische Judentum umfasst ca. 2,5 - 3 Millionen Menschen, die in 42 jüdischen Gemeinden organisiert sind. Die politische Vertretung des europäischen Judentums ist der EJC, European Jewish Congress. Der ECJC, der European Council of Jewish Communities (Präsident Jonathan Joseph) organisiert europaweit die jüdischen Gemeinden in kulturellen und sozialen Fragen sowie in allen Bereichen von jüdischer Kultur, Unterricht und Bildung (derzeitiger Präsident:
Jonathan Joseph, UK). Die religiösen Bereiche des europäischen Judentums werden durch die Conference of European Rabbis geregelt (Vorsitz: President Grand Rabbi Joseph Sitruk), und dieser Konferenz gehört auch der österreichische Oberrabbiner, Prof. Paul Chaim Eisenberg, an.

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Tel.: (01) 53 104-0

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