Csörgits zu Rauch-Kallat: Frauen nicht länger vertrösten

Beim Runden Tisch müssen Maßnahmen ausgehandelt werden

Wien (ÖGB) - "Ich erwarte mir, dass beim Runden Tisch zur Frauenbeschäftigung nicht nur Vorschläge gesammelt, sondern auch verbindliche Maßnahmen beschlossen werden." Das stellte ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits heute zum "Runden Tisch zu Frauenbeschäftigung" fest, zu dem Frauenministerin Maria Rauch-Kallat für Mittwoch eingeladen hat. Rückendeckung für ihre Forderungen, die sie am Mittwoch der Frauenministerin vorlegen wollen, holten sich die ÖGB-Frauen unter der Bevölkerung. "13.713 Frauen und Männer haben unsere Forderungen, die wir im Rahmen unserer Einkommenskampagne präsentiert haben, unterstützt. Sie alle finden, es ist Zeit für eine aktive Gleichstellungspolitik", so Csörgits heute im Rahmen einer Pressekonferenz.++++

"Ganzer Lohn statt halber Sachen. Machen wir die Schere zu!", lautet das Motto der Einkommenskampagne, die die ÖGB-Frauen am Internationalen Frauentag, dem 8. März, starteten. Die ÖGB-Frauen wollten mit der Kampagne Druck machen auf Frauenministerin Rauch-Kallat und Arbeitsminister Bartenstein, damit sich bei der Gleichstellung der Frauen endlich was bewege. Und dass sei angesichts der bedrückenden Arbeitsmarktsituation der Frauen wichtiger denn je. "Die Arbeitslosigkeit der Frauen ist seit 2004 massiv angestiegen. Dazu kommt, dass immer mehr Frauen nur Teilzeit beschäftigt sind. Manche Frauen wollen das, vielen bleibt aber nichts anderes übrig, weil die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht passen", stellte Csörgits klar. Im Jahr 2004 betrug die Teilzeitquote bei den unselbstständig beschäftigten Frauen bereits 42,5 Prozent.

FCG-Frauenvorsitzende Christine Gubitzer forderte im Rahmen der Pressekonferenz den längst fälligen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. Beim Rat von Barcelona im Jahr 2002 hätten die EU-Mitgliedsstaaten beschlossen, bis 2010 für mindestens 33 Prozent aller unter 3-Jährigen ein Kinderbetreuungsangebot zu schaffen. Derzeit liege Österreich bei einem Betreuungsangebot für gerade elf Prozent. "Wir fordern, dass Österreich das Barcelona-Ziel umsetzt", sagte Gubitzer. Neben der Quantität müsse aber auch die Qualität in der Kinderbetreuung sichergestellt werden. "Wir sind für alle Formen der Kinderbetreuung offen, auch für das Modell der Tageseltern", so Gubitzer. Nötig seien aber bundeseinheitliche Standards für die Ausbildung der Tageseltern und für die Qualität der Betreuung.

"Der Ausstieg in die Babypause ist von der Regierung gut vorbereitet, der Wiedereinstieg ist es nicht", kritisierte FSG-Frauenvorsitzende Erika Nussgraber-Schnabl. Die ÖGB-Frauen verlangen einen Rechtsanspruch auf Bildungskarenz im Anschluss an die Elternkarenz, auch die dreijährige Betriebszugehörigkeit, die derzeit eine Voraussetzung für die Bildungskarenz ist, müsse verkürzt werden, so Nussgraber- Schnabl. Für alle ArbeitnehmerInnen solle es zudem eine Woche Bildungsfreistellung pro Jahr geben. "Wenn Wirtschaft und Regierung lebensbegleitendes Lernen einfordern, müssen sie auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen", so die FSG-Frauenvorsitzende. Zusätzlich fordern die Gewerkschafterinnen eine Infokampagne für ArbeitnehmerInnen in Karenz. Ziel der Kampagne soll zum einen die Aufklärung über die unterschiedliche Dauer von kündigungsgeschützter Karenz und Kindergeldbezug sein. "Nach einer Erhebung der AK weiß die Hälfte der Eltern nicht, dass die Karenz kürzer dauert als der Kindergeldbezug. Dieser Irrtum kann den Arbeitsplatz kosten", warnte Nussgraber-Schnabl. Zum anderen sollten die Eltern informiert werden, welche Möglichkeiten es gibt, Weiterbildungsmaßnahmen bereits während der Karenz zu beginnen.

ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Csörgits urgierte mehr Mittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik und die Schaffung von ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds nach dem Beispiel des WAFF in allen Bundesländern. Auch über die Qualität der Arbeitsplätze müsse diskutiert werden. "Es kann nicht sein, dass die Unternehmen alle Risiken auf die Beschäftigten auslagern. Freie DienstnehmerInnen und Neue Selbstständige müssen in den vollen Schutz des Sozial- und Arbeitsrechts einbezogen werden", sagte Csörgits. Weiters fordern die ÖGB-Frauen eine Reform des Kindergeldes, die Einführung eines Vaterschutzmonats und eine bundesweite Kampagne zur Förderung von Mädchen in nicht-traditionellen Berufen. (mf)

ÖGB, 27. Juni
2005
Nr. 413

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