"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ruhe vor dem Sturm" (Von ANITA HEUBACHER)

Ausgabe vom 27. Juni 2005

Innsbruck (OTS) - Damit hatten wohl nicht einmal eingefleischte Herwig-van-Staa-Fans gerechnet: 95 Prozent bei der Obmann-Wahl. Damit schlägt der VP-Parteichef alle Rekorde. Wendelin Weingartner fuhr 1996 bei seiner zweiten Obmann-Wahl 85 Prozent ein, Ferdinand Eberle schaffte 2000 beim ersten Antritt 92 Prozent. Auch SP-Vorsitzender Hannes Gschwent-ner kann mit van Staa nicht mithalten: Er erreichte letztes Jahr 82 Prozent. Bei all diesen Obmann-Wahlen gab es keinen Gegenkandidaten.
Hätte die VP vor einem Jahr zur Obmann-Wahl gerufen, wäre das Ergebnis wohl niedriger ausgefallen. Die zum Teil aufbrausende Art des Landeshauptmannes sorgte für Verstimmung bei den Parteifreunden. Dazu kam die Fusion der Tourismusverbände, die van Staa durchpeitschte - auch gegen den Willen einiger ganz Großer. Jetzt lässt der Landeshauptmann beim Liegestütz-Drücken die Muskeln spielen. Das halten zwar einige für nicht-staatsmännisch, bei der Mehrheit kommt der sportliche und ausgeglichenere van Staa aber offenbar gut an.

Noch etwas hat van Staa in die Hände gespielt: die Parteiregie. Sie sorgte dafür, dass es am Parteitag keine Statuten-Diskussion gab, obwohl eine solche vom Bauernbund eingefordert worden war. Im Vorfeld des Parteitages machte man reinen Tisch: Der Arbeitnehmerflügel bekommt - früher oder später - das Landtagsmandat von Jürgen Bodenseer. Selbst er muss in seinem Bund die Scharfmacher kalmiert haben.

Selbst nach dem Wahlerfolg lässt sich van Staa zu keiner eindeutigen Position in der Causa Bodenseer hinreißen: Der Parteichef erklärt, dass er keine Anlass-Statutenänderung will. Ein schwaches Argument für einen starken Chef, denn dass der Landtagsabgeordnete Jürgen Bodenseer Wirtschaftskammerpräsident wird, war keine Überraschung. Der "Anlassfall" war mehr als ein Jahr lang bekannt.

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