Niederwieser zu Sprachförderaktion: "Gut gemeint ist noch nicht gut genug!"

Förderaktion des Bundes deckt gerade zehn Prozent der Kosten für Frühförderung

Wien (SK) "Wir sind uns alle einig, dass die frühe Sprachförderung ein entscheidender Schlüssel zum schulischen Erfolg ist. Jeder Euro, der da investiert wird, lohnt sich mehr als überall sonst, und selbst eine Eliteuni verblasst in ihrer Bedeutung gegenüber einer guten Frühförderung!" - so der SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser zu den am Freitag geäußerten
Plänen von Bildungsministerin Gehrer. Allerdings hält Niederwieser das Ausmaß der Frühförderung nicht für ausreichend. "Gut gemeint ist noch nicht gut genug", so Niederwieser am Sonntag gegenüber dem Pressedienst der SPÖ. ****

Wie Niederwieser dazu ausführt, "verkennen wir nicht die kompetenzrechtlichen Schwierigkeiten". Gerade der Übergang vom Kindergarten in die Schule "ist ja kompetenzrechtlich ein Irrsinn" -so der SP-Bildungssprecher. Den Kindergarten betreibt die Gemeinde, für die Ausbildung der Kindergärtner/innen ist der Bund zuständig und für die fachliche und personelle Aufsicht das Land, für die Kindergartengesetze der Landtag und für die Regelungen über die Schuleinschreibung der Nationalrat.

"Ob die 80 Euro als Anreiz des Bundes aber wirklich ausreichen, um die sprachliche Frühförderung in Gang zu bringen, muss man bezweifeln. Diese sprachliche Frühförderung muss individuell oder in sehr kleinen Gruppen erfolgen, fünf Kinder sind da das Maximum. Bei rund 100 Stunden für ein Jahr (das sind nicht mehr als zwei Stunden in der Woche) zahlt das Bildungsministerium also 66 Cent pro Stunde. Rechnet man Gruppen von bis zu fünf Kindern und 40 Euro Kosten je Stunde, dann gehen sich gerade einmal 10 Stunden aus. Wie auch immer - dieser großzügige Scheck von 80 Euro deckt im besten Fall 10 Prozent der Kosten, den Löwenanteil von über 90 Prozent haben Eltern, Gemeinden und Länder zu begleichen! Ein wirklicher Impuls für ein echtes Anliegen sieht anders aus!", bemängelt Niederwieser.

Wie viel der Regierung diese Frühförderung wirklicht Wert ist, zeigt ein Vergleich: Bei der Besteuerung der großen Unternehmen verzichten ÖVP und FPÖ auf über eine Milliarde Euro im Jahr, bei der neuen Eliteuniversität will die Regierung "frisches Geld" von rund 70 Millionen aufbringen, und für die rund 8.000 Fünfjährigen, die eine sprachliche Frühförderung brauchen, gibt es 640.000 Euro.

Niederwieser verweist auch darauf, dass sich das SPÖ-Kompetenzteam Bildung bereits in zwei Tagungen, zuletzt am vergangenen Montag, mit der Frühförderung beschäftigt hat: "Unser Konzept ist da wesentlich besser als jenes der Frau Ministerin Gehrer. Wir setzen bei der Aus-und Weiterbildung der Kindergärtner/innen an, bauen die Sprachtests bereit in die Untersuchungen für den Mutter-Kind-Pass ein und bieten Sprachtherapie ab dem Zeitpunkt, da es notwendig ist. In unserem Konzept übertragen wir die Förderung im Kindergarten ausschliesslich den Gemeinden, finanzieren dafür aber über ein Vorschuljahr die Kosten ab dem 5. Lebensjahr zur Gänze. Dieses Konzept entspricht weitgehend auch den Vorschlägen der Zukunftskommission."

Interessant in diesem Zusammenhang sei, dass das nun von Ministerin Gehrer in die Wege geleitete Modell dem inzwischen überholten Vorschlag der Zukunftskommission entspricht, von dem diese sich aufgrund der einjährigen Fachdiskussion verabschiedet hat. "Vielleicht hat die Ministerin noch nicht Zeit gehabt, den neuen Bericht zu lesen...?", so Niederwieser.

Der SPÖ-Bildungssprecher nahm auch kurz zu den heutigen "vagen Ankündigungen" des VP-Bildungssprechers Amon Stellung, wo dieser "neue Erziehungsmittel" für Lehrer fordert. "Amon soll sich klarer ausdrücken, was er meint, dann kann man weiterreden", so Niederwiesers Kommentar. (Schluss) ah

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