"profil": Verheugen: Bei EU-Texten "dreht sich einem der Magen um"

"Erstaunen" über Österreich/Kritik an "sehr technokratischer" EU-Politik

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" reagiert der Vizepräsident der EU-Kommission, Günter Verheugen, auf den Vorwurf, er habe kritiklos Beitrittsverhandlungen mit der Türkei empfohlen. "Die Linie, die ich bis heute vertrete, steht seit Jahren fest und hat sich nicht geändert". In der Empfehlung an den Rat, Verhandlungen mit Ankara aufzunehmen, habe er eigenhändig den Satz "Die Verhandlungen werden als Prozess mit einem offenen Ende geführt" eingefügt. "Wenn ich jetzt in Österreich kritisiert werde, dass ich es endlich auch begriffen habe, dann darf ich darüber schon etwas erstaunt sein."

Dass ihn SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer als "Erweiterungs-Ayatollah" verhöhnt hat, will der frühere SPD-Politiker nicht kommentieren. "Zur Ausdrucksweise des SPÖ-Vorsitzenden äußere ich mich nicht."

Verheugen gibt zu, dass europäische Politik oft "sehr technokratisch" ablaufe. "Das fängt schon bei der Ausdrucksweise an. Wenn man die Texte liest, die in Brüssel beschlossen werden, dann dreht sich einem der Magen um".
Der für Industrie zuständige EU-Kommissar kritisiert, dass europäische Unternehmen oft Marktchancen nicht erkennen. So sei der Walkman-Nachfolger I-Pod bereits 1989 von einem deutschen Forschungsinstitut entwickelt worden. Verheugen:"Die haben zehn Jahre vergeblich ein Unternehmen in Europa zur Vermarktung dieser Erfindung gesucht. Am Ende ging das für einen Apfel und ein Ei an Apple."

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