WirtschaftsBlatt Kommentar vom 24.6.2005: Porsche fährt mal wieder vorne weg - von Arne Johannsen

Wien (OTS) - Kein Kunststück - dieses Urteil über die jüngste Aktion von Porsche ist schnell gefällt. Der deutsche Automobilhersteller bietet seinen Beschäftigten im Stammwerk in Zuffenhausen bei Stuttgart eine Stellengarantie bis 2010. Im Gegenzug stimmt der Betriebsrat einer weiteren Flexibilisierung der Arbeitszeit und Erhöhung der Produktivität zu. Die deutschen Medien und Kanzler Gerhard Schröder jubeln, endlich ein Lebenszeichen vom "Modell Deutschland".
Auf den ersten Blick ist die Aktion keine besondere Heldentat:
Porsche verdient hervorragend, der Gewinn vor Steuern beträgt rund 15 Prozent vom Umsatz. Das Werk Zuffenhausen ist auf absehbare Zeit voll ausgelastet, Auftragsschwankungen können über das ausgelagerte Boxster-Werk in Finnland abgefedert werden. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking kann sich eine solche Zusage also leisten. Das Risiko ist gering, der PR-Effekt gross.
Auf den zweiten Blick verdient das Porsche-Modell aber Aufmerksamkeit. Denn da managt einer auf der Überholspur, die Zukunft im Blick. Mehr Flexibilität beim Einsatz von Arbeitskräften ist auch in Österreich das grosse Thema der Wirtschaft. Kein Auftritt des Industrie-Präsidenten Veit Sorger, kein Unternehmer-Treffen, bei dem nicht Forderungen in diese Richtung gestellt werden. Doch Fordern ist eines, konsensfähige Vorschläge anzubieten etwas anderes. Und da fährt der Porsche-Chef vielen anderen Managern weit voraus.
Sicher, Wiedeking kann auf eine volle Kasse zurückgreifen, er steht nicht mit dem Rücken zur Wand. Und er hat andere Probleme als viele österreichische Betriebe. Die leiden eher daran, die Zahl ihrer Beschäftigten nicht der jeweils aktuellen Auftragslage anpassen zu können: Wer einmal eingestellt ist, kann auch bei Auftragsflaute nur sehr schwer (und teuer) abgebaut werden. Eine Jobgarantie ist da genau das Falsche.
Trotzdem ist der Porsche-Vorstoss wegweisend. Wiedeking investiert in das Vertrauen seiner Mitarbeiter - was in der Regel ein gutes Investment ist. Analysten schätzen, dass die ausgehandelte Flexibilisierung zudem jährlich Einsparungen im zweistelligen Millionen-Bereich bringt. Doch um diese zu lukrieren, muss man den Beschäftigten halt auch eine Gegenleistung bieten - zum Beispiel eine Jobgarantie.
Sogar die Börse, die sonst eher Massenkündigungen belohnt, hat auf die Porsche-Vereinbarung positiv reagiert: Die Porsche-Aktie ist gestiegen - wenn das kein Kunststück ist …

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/306
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB0001