Halbzeit der Eiszeit

Wien (OTS) - Die zukünftige U2-Station Schottenring, für die derzeit geschützt durch einen Eismantel die Stationsröhren in 15 Metern Tiefe direkt unter dem Donaukanal errichtet werden, gehört zu den technisch anspruchsvollsten U-Bahn-Bau-Projekten, die bisher in Wien in Angriff genommen wurden.
Mittlerweile sind die Bauarbeiten an den beiden etwa 75 Meter langen Tunnels, so weit fortgeschritten, dass die Wiener Linien Wiens erste Unterwasserstation im Rahmen einer Tunnelwanderung präsentieren konnten.

Tunnelvortrieb im Schutz eines Eismantels

Mit den Anfang März begonnen Bauarbeiten an der U2-Verlängerung vom Schottenring in den 2. Wiener Gemeindebezirk haben die Wiener Linien einen Teilabschnitt neuen U2 in Angriff genommen, der die Tunnelbauer ganz besonders fordert.

Um die Stationsröhren direkt unter dem fließenden Wasser des Donaukanals errichten zu können, musste vor dem Tunnelvortrieb das Erdreich unter dem Flussbett vereist werden, damit die Ausbruchsarbeiten ohne Wassereintritte in standfestem Bodenmaterial erfolgen konnten.

Die Vereisung erfolgte in zwei Phasen. Zunächst wurde nach dem Prinzip des "Schockgefrierens" über ein Rohrsystem flüssiger Stickstoff, der eine Temperatur von Minus 196 Grad Celsius hat, eingebracht. Mit diesem Schockgefrieren wurde eine rund drei Meter starke Eiskappe über der Tunnelfirste geschaffen.

In einer fast zeitgleich begonnenen zweiten Phase erfolgt dann die dauerhafte Vereisung rund um den Ausbruchsquerschnitt. Dabei fungiert Sole (eine spezielle Salzlösung) als Kälteträger. Die Sole wird in einem geschlossenen Kreislauf über ein Gefrieraggregat - vergleichbar mit einem riesigen Kühlschrank - mit einer Temperatur von Minus 35 Grad Celsius durch isolierte Rohre gepumpt.

Auf diese Weise entstand je ein Eisring um die Ausbruchsquerschnitte der Stationsröhren. Sobald diese Frostkörper eine Stärke von zwei Metern erreicht hatten, konnte mit den Vortriebsarbeiten begonnen werden. Der Boden hatte am Ausbruchsrand eine Temperatur von bis zu Minus 14 Grad Celsius.

Die Stationsröhren selbst wurden nach der bewährten "Neuen Österreichischen Tunnelbaumethode (NÖT)" errichtet. Bei dieser Baumethode wird der Boden mit einem speziellen Tunnelbagger der für den Abbau des gefrorenen Bodens mit einer speziellen Fräse ausgestattet war, Schritt für Schritt abgebaut und jeder vorgetriebene Meter sofort mit Spritzbeton, stählernen Gitterträgern und Baustahlgitter gesichert. Diese äußere Tunnelschale ist rund 35 Zentimeter dick. Sie wird zusätzlich mit einer 40 Zentimeter starken Innenschale aus wasserdichtem Beton ausgestattet.

Bis die Außenschale tragfähig ist, fungiert der Frostkörper als statisch tragender Bauteil. Danach dient er als Dichtkörper bis die wasserdichte Innenschale hergestellt ist.

Tunnelröhren in Rekordzeit fertig

Durch den Eismantel vor Wassereinbrüchen geschützt, gelang es der Vortriebsmannschaft die beiden Tunnel in Rekordzeit zu graben. Nach rund fünf Wochen war die erste Röhre fertig, etwa ein Monat später erfolgte der Durchschlag der zweite Röhre.
Mittlerweile sind die Außenschalen der beiden ca. 75 Meter langen Stationsröhren so weit fertiggestellt, dass man unterirdisch zu Fuß von einem Ufer des Donaukanals zum anderen wandern kann.

Die Vereisung kann nun allmählich zurückgefahren werden, sie bleibt aber solange aufrecht, bis beide Röhren mit der Innenschale aus wasserdichtem Beton ausgekleidet sind. Voraussichtlich Ende Oktober geht die "Eiszeit" unter dem Donaukanal dann endgültig zu Ende.

U2-Ausbau voll im Zeitplan

Der Bauabschnitt U2/1-Schottenring ist der erste Abschnitt der neuen U2, die in der ersten Betriebsphase bis zum Stadion fahren wird. Ab 10. Mai 2008 - rechtzeitig zur Fußball-EM - werden die Silberpfeile vom Karlsplatz über die U2-Stammstrecke unter dem Donaukanal zur Taborstraße und zum Praterstern mit Anschluss an die U1 brausen. Über die Messe, wo die U2 von der Tieflage in die Hochlage auftaucht, geht es dann zur Station Trabrennstraße und zum Ernst-Happel-Stadion.

Noch heuer wird der Spatenstich für die weitere Verlängerung der U2 über die Donau in den 22. Bezirk zur Aspernstraße erfogen. Gegen Ende 2009 kann dieser Streckenteil mit Anschluss an den neuen ÖBB-Bahnhof Stadlau und das SMZ Ost fertig sein. (Schluss) wstw

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