Grillitsch gegen industrielle Revolution in Landwirtschaft

Europa braucht ökosoziales Landwirtschaftsmodell

Wien (AIZ) - "Nach dem gescheiterten EU-Gipfel müssen wir jetzt
das gesellschaftlich akzeptierte europäische Agrarmodell gegen die Angriffe der Vereinigten Linken Europas verteidigen. Diese versuchen unter dem Deckmäntelchen der Modernisierung, das angloamerikanische Landwirtschaftsmodell durch die Hintertüre in ganz Europa einzuführen. Diesen Versuch lehnen wir entschieden ab, denn wir brauchen keine industrielle Revolution in der Landwirtschaft, sondern ein ökosoziales Landwirtschaftsmodell", sagte Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer Österreich, Rudolf Schwarzböck.

"Der Gipfel ist hauptsächlich an der starren Haltung des britischen Regierungschefs Tony Blair gescheitert, der einen massiven Anschlag auf die Ausgleichszahlungen für die Landwirtschaft geplant hat. Blair versucht offenbar, in Europa den Sündenbock für die fehlgeschlagene britische Agrarpolitik der vergangenen Jahre zu finden. Diese hat zu agroindustriellen Großstrukturen und durch die BSE-Krise mit über 180.000 Fällen auch zur größten Konsumentenverunsicherung der vergangenen Jahre geführt - ganz zu schweigen von den Kosten, die mit geschätzten EUR 92 Mrd. höher sind als die Mittel für die Ländliche Entwicklung in der EU-25 für die nächsten sieben Jahre", so Grillitsch.

Große Akzeptanz für Österreichs nachhaltige Agrarpolitik

Österreich ist stattdessen den Weg einer ökosozialen, nachhaltigen und klein strukturierten Landwirtschaft gegangen - mit Erfolg, wie die große Akzeptanz des Umweltprogramms ÖPUL und der Bergbauernförderung in der Gesellschaft beweist. "Österreich wendet rund zwei Drittel der Agrarausgaben für die Ländliche Entwicklung auf, in Großbritannien sind es nur 5%. Die durchschnittliche Betriebsgröße hierzulande beträgt 17 ha, in Großbritannien sind es 70 ha. Das Verhältnis der Rinder pro Stall beträgt 21 zu 91. Der SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer träumt offenbar dennoch von britischen Verhältnissen in Österreich, wenn er als Stiefelknecht Blairs ebenfalls einem schrankenlosen Liberalismus das Wort redet. Er setzt damit rund 500.000 Arbeitsplätze in Österreich aufs Spiel, die direkt und indirekt von der Landwirtschaft abhängen", sagte der Bauernbund-Präsident.

Wer eine solche Politik verfolge, nehme auch bewusst den Abschied von den hohen österreichischen Produktions- und Qualitätsstandards in Kauf. "Die Menschen in Österreich haben ein klares Anforderungsprofil an ihre Bauern. Sie verlassen sich darauf, sichere Lebensmittel aus Österreich einkaufen zu können, auf die hohen Standards im Bereich des Tier- und Umweltschutzes, aber auch darauf, dass sie in Österreich in einer gepflegten Landschaft Urlaub machen können. Die Einhaltung dieser Standards kostet Geld. Wer dieses Geld streicht, muss sich bewusst sein, dass die Bauern, die mit der GAP-Reform ihre Hausaufgaben erfüllt haben, die Anforderungen der Gesellschaft einfach nicht mehr erfüllen können", warnte Grillitsch. "Dann können wir schon beginnen, uns mit Lebensmitteln anzufreunden, die ohne Rücksicht auf Umwelt- und Tierschutz oder soziale Standards produziert werden. Wer das will, soll es auch so klar sagen", sagte der Bauernbund-Präsident.

Agrarpolitik hat Integrationsfunktion

Grillitsch betonte, dass die Agrarpolitik als einziger Politikbereich, der in der alleinigen Zuständigkeit Brüssels liegt, auch eine Integrationsfunktion innehabe. "Die Herren Blair und Gusenbauer wollen nun offenbar dieses wichtige Bindeglied eines gemeinsamen Europa mutwillig zerschlagen. Es ist interessant, dass sich die Sozialisten von der Solidarität innerhalb Europas verabschieden. Dabei waren es gerade die Briten, die während der BSE-Krise massiv von der europäischen Solidarität profitiert haben", kritisierte Grillitsch.

Agrarministereinigung positiv, aber Finanzierung sichern

Die Einigung der EU-Agrarminister über die Verordnung zur Ländlichen Entwicklung beurteilte Grillitsch grundsätzlich positiv. "Besonders wichtig ist, dass die von der Kommission geplante Mindestdotierung wegverhandelt werden konnte. Damit hat Österreich nun mehr Spielraum für nationale Schwerpunktsetzungen", meinte der Bauernbund-Präsident. Ein weiterer für Österreich wichtiger Punkt in der Einigung betreffe die Frage der historischen Bezüge, die bei der Berechnung der künftigen Mittelzuteilung berücksichtigt werden sollen. "Außerdem konnte Österreich in der Frage der Gebietsabgrenzung die Neuabgrenzung verhindern, durch welche 142 von 198 Gemeinden aus dem Förderregime für benachteiligte Gebiete hinausgefallen wären. Sehr erfreulich für die Landwirte ist auch die Verlängerung der Vertragsdauer des Umweltprogramms von fünf auf sieben Jahre. Leider steht der Finanzrahmen aber immer noch nicht fest. Erst wenn dieser endgültig außer Streit gestellt ist, können wir unsere erfolgreichen Programme auch tatsächlich fortführen und damit den Bäuerinnen und Bauern Planungssicherheit bieten", betonte Grillitsch.
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