DER STANDARD-Kommentar: ""Brüna" war Deutsche" von Otto Ranftl

Ausgabe vom 23. Juni 2005

Wien (OTS) - Die Aufregung hält sich bisher in Grenzen. Irgendwann hat er ja kommen müssen, Österreichs zweiter BSE-Fall, da ist das Überraschungsmoment gering geblieben. Und, Respekt, diesmal ist das Krisenmanagement in Ordnung.

Beim letzten Mal, im November 2001, war das alles patschert abgelaufen. Die handelnden Personen schienen getrieben vom Gedanken, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Es gab ein tagelanges Gewürge, keine professionelle Informationsarbeit. Ein positiver BSE-Test und seine Folgen lassen sich aber nicht verheimlichen. Schon gar nicht, wenn, wie damals, ein Schlachthof gesperrt wird; wenn in einer strukturschwachen Gegend ein Leitbetrieb in Mitleidenschaft gezogen wird.

Die Hoppalas wurden verarbeitet, jetzt wurde schnell informiert, und die Minister waren gut auf ihre öffentlichen Auftritte vorbereitet:
Kernbotschaften verbreiten, sich nicht in Details verzetteln, beruhigen, Sicherheit geben.

Erst einmal scheint das gelungen zu sein, zumal sich ja wieder eine kleine Ausflucht bietet: Irgendwie war die "Brüna", die kranke Kuh, ja eine Deutsche. Im Kleinen Walsertal schaut man einfach nach Deutschland, gegen den Wind aus Bayern kann man schwer ankommen. Vom ersten Verdacht zur bestätigten Untersuchung hat es zwar ziemlich lange gedauert, aber auch das ist eine deutsche Angelegenheit. Und 2001 war das verseuchte Fleisch ja auch kein österreichisches, es wurde nur betrügerisch als solches ausgegeben.

Die kleine österreichische Welt ist also wieder heil, das schöne Bild irgendwie zurechtgeflickt? Ganz so ist es leider nicht: Erst muss sich herausstellen, dass die beruhigenden Worte der Minister Bestand haben. Es wird ein nächster Fall auftauchen, und wir werden uns nicht mehr so leicht herausreden können - auf dem Weg, die Wirklichkeit zu erkennen, sind wir aber ein Stück vorangekommen.

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