Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Rindfleischessen ist ungesund. Ein Satz, den viele Ärzte bestätigen werden. Mehr Gemüse, weniger Fleisch: Das sind Ratschläge, die sich gerade in Österreich viele (auch ich) dringend auf den Speiseplan schreiben sollten.

Jedoch kein Fleisch zu essen, weil in Vorarlberg eine alte Kuh tot umgefallen ist, ist einfach eine Wohlstandsverrücktheit: Wenn es schon gar nichts mehr gibt, wovor wir uns fürchten können, dann fürchten wir uns halt vor verrückten Kühen. Wer wirklich auf seine Sicherheit bedacht ist, sollte, statt auf Rindfleisch zu verzichten, lieber mit einem Stahlhelm durch die Straßen gehen: Denn einen herabfallenden Blumentopf auf den Kopf zu bekommen, ist wahrscheinlicher, als Opfer der geheimnisvollen BSE-Krankheit zu werden. Gar nicht zu reden von den Verhaltensweisen, die Aids verursachen können, oder vom Zigarettenrauchen oder vom Autofahren mit nur zehn Meter Abstand zum Vordermann bei hoher Geschwindigkeit.

Aber wir fürchten uns halt umso lieber, je geheimnisvoller eine Bedrohung wirkt. Und widmen ganze Titelseiten und Nachrichtensendungen dem Herzversagen einer alten Kuh, die die gleiche Krankheit hatte wie Tausende andere Rindviecher in Europa.

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Seltsame Nachrichten kommen aus Deutschland: Beamte wollen seit einiger Zeit nicht mehr befördert werden. Das war noch nie da und ist das Gegenteil von hierzulande üblichen Verhaltensweisen. Rot-Grün sei Dank: Die beiden Parteien haben ein Gesetz beschlossen, nach dem solche Beförderungen - etwa von der nächsten Regierung - noch zwei Jahre später rückgängig gemacht werden können. Eine ziemlich nachahmenswerte Idee.

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Ansonsten kann man ja derzeit keine deutsche Zeitung aufschlagen, die nicht von Leichenreden auf Rot-Grün überquellen würde. So intensiv ist im deutschen Sprachraum noch nie eine Regierungsmehrheit schon vor dem klinischen Tod abgeschrieben worden. Gerhard Schröder und Franz Müntefering gelten auch für frühere Fahnenträger der Sozialdemokratie wie "Spiegel" oder "Zeit" nur noch als Pausenclowns. Da kann die SPD nicht einmal durch die seltsame Idee gerettet werden, den Spitzensteuersatz unmittelbar nach seiner Senkung schon wieder anzuheben.

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