Konflikt zwischen Ärzten und Privatkrankenanstalten noch nicht überwunden

Mitgliederbefragung brachte eindeutiges Ergebnis: Deutliche Mehrheit der Ärzte will Forderungen der Privatspitäler nicht akzeptieren

Wien (OTS) - Der Konflikt rund um die Verhandlungen zwischen den Privatkrankenanstalten und der Wiener Ärztekammer über die Hausrücklässe ist noch nicht überwunden. In einer Mitgliederbefragung hat sich die überwältigende Mehrheit der betroffenen Ärztinnen und Ärzte dagegen ausgesprochen, die Forderungen der privaten Krankenanstalten bezüglich eines erhöhten Hausrücklasses zu akzeptieren. Scheitern die Verhandlungen, könnte es im schlimmsten Fall zu Engpässen bei der medizinischen Betreuung der Patienten in Wiener Privatkrankenanstalten durch Belegärzte kommen.****

Zur Vorgeschichte: Hausrücklässe sind jene Beiträge, die Ärzte von ihrem Honorar für die Infrastruktur eines Krankenhauses an den Spitalserhalter abführen müssen. Im Falle der Wiener Privatkrankenanstalten waren dies bislang 6 Prozent. In den nun anstehenden Verhandlungen hat der Verband der Privatkrankenanstalten Österreichs, der für die Wiener Häuser die Gespräche führt, ursprünglich eine Erhöhung der Hausrücklässe auf das Doppelte, also auf 12 Prozent, gefordert, und ist dann nach langwierigen Gesprächen auf 10 Prozent heruntergegangen, was noch immer eine Erhöhung um zwei Drittel bedeutete. Die Wiener Ärztekammer hat daraufhin die Gespräche wegen "unüberwindbarer Meinungsdifferenzen" abgebrochen.

In der nun von der Ärztekammer angestrengten Mitgliederbefragung haben sich lediglich 1,3 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte für die Annahme der Forderungen der Privatkrankenanstalten nach einem 10-prozentigen Hausrücklass ausgesprochen. Für den Beibehalt von 6 Prozent Hausrücklass stimmten 38 Prozent der Kolleginnen und Kollegen. Die überwiegende Mehrheit von 60 Prozent will weitere Verhandlungen seitens der Ärztekammer mit dem Ziel, einen Hausrücklass zwischen 6 und 10 Prozent zu erreichen. Insgesamt haben sich ungefähr 500 Kolleginnen und Kollegen an der Umfrage beteiligt.

Für den Wiener Ärztekammerpräsidenten Walter Dorner ist dies ein klarer Auftrag, weiterzuverhandeln und keinesfalls die angebotenen 10 Prozent zu akzeptieren. "Die Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen sieht nicht ein, wieso die in den Privatspitälern belegenden Ärztinnen und Ärzte mit ihrem Honorar für den Hotelcharakter eines Hauses bezahlen sollen."

Der Ärztekammerpräsident verweist darauf, dass es gerade die Belegärzte seien, die den privaten Häusern ihre Kunden bringen würden: "Entscheidend aus Sicht des Patienten ist es, seinen Arzt des Vertrauens ins Spital mitnehmen zu können." Die bessere Ausstattung der Zimmer sei für die meisten ein angenehmer Nebenaspekt, aber eben nicht der Hauptgrund für den Abschluss einer privaten Krankenversicherung, betonte Dorner.

Die Ärztekammer werde jedenfalls "gestärkt mit den Umfrageergebnissen der Basis" in die kommenden Verhandlungsrunden gehen. Man wolle eine Zuspitzung des Konflikts im Sinne einer kontinuierlichen Patientenbetreuung vermeiden, werde aber auch nicht jede ungerechtfertigte Forderung seitens des Verbands der Privatkrankenanstalten Österreichs akzeptieren, so Dorner abschließend. (hpp)

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