- 21.06.2005, 12:09:16
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Rheuma-Bus in Oberösterreich "Aktion 2005 - Kampf gegen Rheuma"
Linz (OTS) - Mehr als 2 Millionen Österreicher leiden an
rheumatischen Erkrankungen. 320.000 Menschen haben akut oder
dauerhaft starke Schmerzen. Nur etwa 120.000 von ihnen dürften
ausreichen betreut sein.
Für Oberösterreich bedeutet das, dass von etwa 340.000 Patienten
mit rheumatischen Krankheiten 54.000 Personen an schweren Schmerzen
leiden. 34.000 PatientInnen könnte durch eine optimale Behandlung
unnötiges Leiden erspart werden. In vielen Fällen ist die mangelnde
Information der Betroffenen Ursache für die "Nicht-Behandlung".
Um diesen Defiziten abzuhelfen, tourt in den kommenden Tagen der
"Rheuma-Bus" durch Oberösterreich. Unter der Leitung der
Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie beraten
oberösterreichische Experten anonym und unbürokratisch Patienten und
Angehörige. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass dadurch
viele Hilfesuchende jene Informationen erhalten, die es ihnen
ermöglichen, eine optimale Betreuung zu bekommen.
Bewusstseinsbildung
"Wir müssen in der Bevölkerung mehr Bewusstseinsbildung in Sachen
der Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates betreiben. Wer
Beschwerden hat, bei dem stimmt eben etwas nicht. Wir müssen die
Ursachen erkennen und dagegen Strategien entwickeln. Leider passiert
das oft noch immer zu spät. So muss es in Oberösterreich zum Beispiel
rund 6.000 Patienten mit chronischer Polyarthritis ("Gelenksrheuma")
geben. Wir kennen aber nur die Hälfte von ihnen. Was wir benötigen,
sind aber auch mehr Forschungsgelder auf diesem Gebiet", erklärte am
Dienstag bei einer Pressekonferenz im Rheuma-Bus in Linz der Leiter
der Sonderkrankenanstalt Bad Schallerbach (PVA), Prim. Dr. Franz
Mayrhofer.
Der Bus wird am 22. Juni in Wels und am 29. Juni in Linz (jeweils
10.00 bis 17.00 Uhr) Halt machen. Mayrhofer sowie Dr. Ulrike Stuby,
Oberärztin an der Abteilung für Innere Medizin II am Linzer AKH, Dr.
Maximilian Hinterreiter, Leiter der Rheumaambulanz am Klinikum Wels,
und weitere KollegenInnen werden Ratsuchenden die wichtigsten
Informationen über jene Erkrankungen geben, die am häufigsten zu
chronischen Schmerzen und zu Invalidität führen.
Lebensstil und zielgerichtete Therapie
Dr. Ulrike Stuby: "Erkrankungen wie chronische Polyarthritis,
Arthrosen (Abnützungserscheinungen, Anm.) oder auch die Osteoporose
sind echte Volkskrankheiten. Ein bis zwei Prozent der Menschen leiden
an chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Bewegungs- und
Stützapparates, speziell der Gelenke. Doch 60 Prozent aller Menschen
erkranken in ihrem Leben an Arthrosen. Dieser Anteil wird noch mehr
zunehmen. Wichtig wäre, dass hier durch eine Umstellung des
Lebensstils in Richtung mehr Bewegung weitere Schäden verhindert
werden."
Neben Maßnahmen wie Physiotherapie und gezieltes Bewegungstraining
gilt es aber auch, durch eine adäquate analgetische Behandlung die
Beschwerden zu lindern. Die Expertin: "Schmerzen gehören behandelt.
Hier können ein Schmerztagebuch und das 'Schmerzlineal', mit dem
einfach die Stärke und der Verlauf der Schmerzen vom Patienten
dokumentiert werden, wichtige Anhaltspunkte für den behandelnden Arzt
liefern." In den Beratungsgesprächen im Rheuma-Bus soll die
Ausgangssituation geklärt werden. Zusätzlich werden die besten
Möglichkeiten für Abhilfe über die Hausärzte besprochen.
Prim. Mayrhofer: "Der Schmerz ist bei den rheumatischen
Erkrankungen das Leitsymptom. Er hat einen gravierenden Einfluss auf
die Lebensqualität. Wir müssen klären, welche Strukturen des Körpers
geschädigt sind und gemeinsam mit dem Betroffenen Strategien gegen
die verursachenden Faktoren entwickeln. Bei Arthrosen kann man durch
Training des Stütz- und Halteapparates Schädigungen zumindest
hinauszögern. Zur Erhaltung der Lebensqualität gehört aber auch die
Schmerztherapie."
Optimale Behandlung
In den vergangenen Jahren hat es bedeutende Fortschritte in der
Behandlung vieler rheumatischer Erkrankungen gegeben. Dr. Maximilian
Hinterreiter (Rheumaambulanz am Krankenhaus Wels): "Bei der
chronischen Polyarthritis kann man mit einer ausreichenden
antientzündlichen Behandlung mit Kortison und nichtsteroidalen
Antirheumatika einen akuten Schub in den Griff bekommen. Dann folgt
mittel- bis langfristig eine Behandlung mit so genannten
Basistherapeutika oder Arzneimitteln aus der Biotechnologie." Durch
die Beherrschung der chronischen Entzündung in den Gelenken würden
auch die Symptome reduziert bzw. beseitigt und Folgeschäden
verhindert oder hinausgezögert.
Der Einsatz potenter Medikamente mit dem Ziel Gelenkszerstörung zu
vermeiden sollte in Zukunft auch Folgekosten von Gelenkserkrankungen
reduzieren helfen.
Beim entzündlichen Gelenksrheuma sind die Behandlungsaussichten in
den letzten Jahren deutlich besser geworden. Bei den viel häufigeren
Arthrosen, also den schmerzhaften Abnützungserscheinungen des
Bewegungs- und Stützapparates (Knie, Hüftgelenke etc.), haben wir
noch nicht so gute Möglichkeiten zum Eingreifen in den eigentlichen
Krankheitsprozess. Doch eine individuell abgestimmte
Bewegungstherapie, Lebensstilmodifikation (Gewichtsreduktion),
Verfahren der physikalischen Medizin, eine gute Schmerztherapie und
lokale Injektionen in das Gelenk ermöglichen den Betroffenen oft eine
gute Lebensqualität, so Dr. Hinterreiter.
Wichtig aber ist, dass jene Menschen, die an solchen Problemen
leiden, frühzeitig zum Hausarzt gehen und - so notwendig - von diesem
zum Spezialisten überwiesen werden. Der "Rheuma-Bus" soll hier
helfen, stumm ertragenes Leid zu verhindern. Dr. Ulrike Stuby:
"Informierte Patienten, die sich aktiv mit ihrer Krankheit
beschäftigen und gemeinsam mit ihrem Arzt nach Lösungen suchen, sind
einfach besser dran."
Dies gilt natürlich auch für die Schmerztherapie. Selbstmedikation
oder eine Behandlung, die bei rheumatischen Erkrankungen nur die
Beschwerden zudeckt, sind fehl am Platz. Mayrhofer: "Es geht nicht um
eine Schmerztherapie per se, sondern um ein gesamtes
Behandlungskonzept."
Die Palette an Möglichkeiten, um Leiden zu lindern, ist lang:
- So genannte Nichtsteroidale Antirheumatika gegen leichte
Schmerzen. Diese Wirkstoffgruppe dient bei Rheumaschmerzen vor allem
dazu, die Entzündung zu nehmen und lindert zugleich den Schmerz.
- Opioide gegen stärkere und stärkste Schmerzen. Die modernen
Medikamente in Form von lang wirksamen Tabletten oder ganz modern
Pflastern, die über 3 Tage lang für Linderung sorgen, sind effektiv
und haben kaum Nebenwirkungen. Opioide haben vor allem die Aufgabe,
den Schmerz zu nehmen. Die dadurch erzielte Schmerzfreiheit führt zu
weniger "verkrampften" Bewegungen und erleichtert Gymnastik,
physikalische Medizin und Bewegungstherapie.
- Invasive Methoden wie Schmerzpumpen, lokale Betäubung, elektrische
Nervenstimulation, Injektionen in jene Bereiche, wo der Schmerz
entsteht, Akupunktur etc.
- Ein weiterer Vorteil des Rheuma - Bus-Service: Die Betroffenen
können sich auch über zusätzliche Maßnahmen wie Verhaltenstherapie,
Stressbewältigung, Krankengymnastik, Massagen und Lebensstil-Medizin
beraten lassen.
Der Tipp der Experten: "Schauen Sie vorbei, wenn der Rheuma-Bus in
Ihrer Umgebung hält. Informationen können frei machen - sogar
schmerzfrei!"
Der Rheumabus hält am 22. Juni in Wels (Kaiser-Josef-Platz Nr. 9)
und am 29. Juni in Linz (am Hauptplatz ) täglich von 10 - 17 Uhr.
Unter der Hotline 0800 190 193 können alle OberösterreicherInnen
kostenlos das Schmerzlineal und Schmerztagebuch anfordern.
Rückfragehinweis:
Prim. Dr. Franz Mayrhofer, SKA-RZ Bad Schallerbach der PVA
4701 Bad Schallerbach, Schönauerstrasse 45
Tel 07249 443 655
mailto:franz.mayrhofer@pva.sozvers.at
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