Morak: Musik der Sprache erforschen - Ernst-Jandl-Preis 2005 für Lyrik verliehen

Drews: "Unauffällige Radikalität" Dohnhausers - Entschlossenheit zur eigenen Sprache

Wien/Neuberg ad Mürz (OTS) - "In der Steiermark hat die Literatur, die Dichtung eine Heimat gefunden. Ich freue mich, dass wir heuer zum dritten Mal die Ernst-Jandl-Lyrik-Tage begehen. Wir wollen uns der Sprache widmen, zuhören, zurücklehnen und die Musik der Sprache erforschen. Michael Dohnhauser war von Beginn an dabei. Ich danke ihm für seine Arbeit, der Jury für ihre Wahl und gratuliere Dohnhauser sehr herzlich zu dieser Auszeichnung", so Staatssekretär Franz Morak gestern Abend anlässlich der Verleihung des Ernst-Jandl-Preises für Lyrik 2005 an Michael Dohnhauser in Anwesenheit von Landeshauptmann Waltraud Klasnic.

"Der Lyrikpreis war von Anfang an als Einladung an junge Dichterinnen und Dichter gedacht, aber auch an jeden Einzelnen und jede Einzelne. Eine so zarte wie harte Hand führt uns zu uns selbst: Es ist die Sprache. In ihrer feinsten Form, in der Lyrik, gibt sie dem Ich und der Vorstellungskraft jedes Einzelnen Zeit und Raum", so Morak in seiner Rede. Der Staatssekretär erinnerte daran, dass Ernst Jandl, der vor fünf Jahren verstorben ist, mit Neuberg und der Steiermark eng verbunden war. Dies war auch einer der Gründe dafür, die Ernst-Jandl-Lyrik-Tage in Neuberg abzuhalten. Thomas Kling, der erste Jandl-Preisträger, ist im April des heurigen Jahres gestorben. Beide, so Morak, "leben nicht nur in ihren eigenen Schriften weiter, sondern auch als Vorbild, Maßstab und wohl auch Reibebaum für alle, die sich neben und nach ihnen einer radikalen Poesie verschrieben haben".

Jörg Drews, neben Friederike Mayrröcker, Alfred Kollaritsch, Klaus Reichert und Heinz Schafroth Mitglied der Jury, würdigte in seiner Laudatio Dohnhausers "unauffällige Radikalität". Dohnhauser ist "ein Benenner, er schaut an, schafft ein Bild. Sein ausgenüchtertes Erzählen will pures Benennen übersteigen in Richtung Poesie, Richtung Magie", so Drews. Im Unterschied zu Jandl, der auf die Ästhetik der Wortspiele hinarbeitete, ist "Dohnhausers Werk auf Diskretion, Andeutung und vorsichtige Benennung ausgerichtet". Was ihn aber mit Jandl verbinde, sei die "Entschlossenheit, seine Sprache zu sprechen", so Drews.

Michael Dohnhauser las aus seinem Gedichtband "Ich habe lange nicht doch nur an Dich gedacht", der eine Sammlung der Gedichte der letzten 15 Jahre darstellt und anlässlich der Preisverleihung im Juni 2005 erschienen ist (Urs Engeler Editor) und interpretierte ein Gedicht von Ernst Jandl "Die Hummel". Im Anschluss daran stand die Uraufführung vom "Solo für Posaune, Klavier, Electonics und Jandl" von Christian Muthspiel am Programm.

Während der Ernst-Jandl-Lyrik-Tage fanden Lesungen zahlreicher Dichterinnen und Dichter aus dem deutschen Sprachraum sowie Südosteuropa statt. Wolfram Berger präsentierte sein Programm "Jandln - Jazz me if you can" mit Wolfgang Puschnik und Jon Sass. Zur Eröffnung Freitag Abend rezitierten Andrea Jonasson und Joachim Bißmeier Gedichte von Ernst Jandl.

Der Ernst-Jandl-Preis für Lyrik wird seit 2001 alle zwei Jahre für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der deutschsprachigen Lyrik vergeben und ist mit 14.600 Euro dotiert. Preisträger 2001 war Thomas Kling, 2003 Felix Philipp Ingold.

Weitere Informationen unter www.art.austria.gv.at.

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