AK Umfrage zeigt: Umstrukturierungen von Betrieben gehen zu Lasten der Beschäftigten (1)

AK Umfrage unter 465 BetriebsrätInnen auf www.arbeiterkammer.at ; Sieben von zehn Arbeitnehmervertretern sagen, Umstrukturierungen vernichten Arbeitsplätze

Wien (OTS) - Fusionen, Übernahmen, Outsourcing, Ausgliederungen, Verlagerungen in Billiglohnländer - nach Jahren der Zurückhaltung setzen immer mehr Unternehmen auf Umstrukturierungen als Patentrezept für höhere Gewinne. Ein Ende dieses Umstrukturierungs-Booms ist nicht in Sicht. Die Auswirkungen auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind massiv, zeigt eine AK Umfrage unter 465 Belegschaftsvertretern heimischer Unternehmen. In acht von zehn der Unternehmen berichten die Betriebsräte von Umstrukturierungen wie der Schließung von Abteilungen oder dem Wegfall von Arbeitsprozessen. In sieben von zehn Unternehmen wurden Hilfstätigkeiten wie Reinigung oder Gebäudeverwaltung ausgelagert, in fast jedem zweiten Unternehmen wurden Tätigkeiten in eigene GmbHs verlagert. Jedes dritte Unternehmen ist von Verschmelzungen betroffen. In jedem fünften Unternehmen werden Tätigkeiten ins Ausland verlagert. Die Folgen sind für die befragten BetriebsrätInnen klar: Acht von zehn sagen, nach einer Umstrukturierung erhöht sich der Arbeitsdruck, sieben von zehn sagen, dass Arbeitsplätze verloren gehen und sechs von zehn sehen die Arbeitsplätze unsicherer. "Trotzdem werden solche Umstrukturierungen bei österreichischen Managern offenbar immer beliebter", sagt AK Direktor Werner Muhm, "der Grund dafür liegt auf der Hand: Erfolge, zumindest solche auf dem Papier, können schnell vorgewiesen werden. Jedes Outsourcing senkt die Beschäftigtenzahl über Nacht. Jede Übernahme bläht den Umsatz auf, freilich ohne natürliches Wachstum." Nicht zuletzt die neue Gruppenbesteuerung der Regierung werde, so Muhm, diese Managementtrends noch verstärken, da es immer öfter nur um möglichst große steuerliche Vorteile gehe.

Europaweit sind durch Umstrukturierungen mehr als fünfmal so viele Arbeitsplätze betroffen wie bei Insolvenzen. Beschäftigte werden in Tochtergesellschaften mit schlechteren Kollektivverträgen ausgegliedert. Betriebliche Funktionen wie Reinigung, Gebäudeverwaltung, Buchhaltung oder IT an externe Anbieter vergeben, mit der Gefahr, dass der Job nach der arbeitsrechtlichen Schutzfrist verloren geht. Betriebe und Unternehmen werden zusammengelegt, um Synergieeffekte vor allem im Personalbereich zu nützen. Und letztlich werden Arbeitsplätze in Billiglohnländer verlagert: Alleine Auslagerungen in die nunmehrigen neuen EU Mitglieder in Mittel- und Osteuropa haben in Österreich in den letzten Jahren 15.000 bis 20.000 Arbeitsplätze gekostet.

Hauptmotive für Umstrukturierung: Personalabbau und Flucht aus dem KV

Manager begründen Umstrukturierungen mit "Kosteneinsparungen", "Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit" oder dem "Abbau von Doppelgleisigkeiten". Arbeitnehmervertreter sehen mehrheitlich völlig andere Motive für Umstrukturierungen: Sie glauben die Hauptgründe seien "Einsparungen beim Personal", "die Flucht aus dem Kollektivvertrag" und "die Schwächung des Betriebsrates". So sagen auch mehr als 80 Prozent der Belegschaftsvertreter, dass sich nach Umstrukturierungen der Arbeitsdruck erhöht. Knapp 70 Prozent geben an, dass Arbeitsplätze abgebaut werden und sechs von zehn sagen, dass Arbeitsplätze nach Umstrukturierungen unsicherer werden.

Belegschaft wird informiert, aber nicht eingebunden

In mehr als drei Viertel aller Fälle waren Betriebsräte über das geplante Umstrukturierungsvorhaben informiert und die Ziele wurden ihm in mehr als zwei Drittel der Fälle bekannt gegeben. Nur jeder zweite Betriebsrat meint aber, die Information sei "rechtzeitig" gekommen. In knapp zwei Drittel aller Fälle fand dann die Ausarbeitung der Umstrukturierungsaktivitäten hinter verschlossenen Türen statt, nur jeder vierte Betriebsrat war in Projektteams eingebunden. Im Klartext: BetriebsrätInnen werden in Umstrukturierungsvorhaben zwar informiert, aber ansonsten links liegen gelassen.

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