AM PULS DER GESCHICHTE Neues Buch im Hohen Haus vorgestellt

Wien (PK) - Nationalratspräsident Andreas Khol stellte heute Nachmittag den Band "Der Botschafter" von Ludwig Steiner vor, in
dem der langjährige VP-Politiker seine Memoiren zu Papier
brachte. An der Präsentation nahm ebenso zahlreiches wie prominentes Publikum teil, darunter der ehemalige Nationalratspräsident Leopold Gratz, die ehemalige Zweite Präsidentin des Nationalrates Marga Hubinek, der Präsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates Peter Schieder, der ehemalige Vizekanzler Alois Mock und der ehemalige Präsident des Rechnungshofes Franz Fiedler.

Nach der Würdigung des Autors durch Präsident Khol (siehe dazu
PK, Nr. 511) sprach Verleger Michael Ebner zum Publikum. Dieser zeigte sich erfreut, das Buch im Bedenkjahr 2005 herausbringen zu können. Es skizziere viele Ereignisse der österreichischen Geschichte und erweise sich als historische Fundgrube. Steiners
Buch sei aber nicht nur ein historischer Beitrag zum genannten Bedenkjahr, es bringe auch die besondere Verbundenheit zwischen Südtirol und Österreich zum Ausdruck, genieße Steiner doch bei den Südtirolern eine hohe Wertschätzung, da er stets für Südtirol eine wichtige Rolle gespielt habe.

Steiner sagte, sein Buch erhebe nicht den Anspruch, eine wissenschaftliche Abhandlung zu sein, vielmehr wollte er die Ereignisse nur so dargestellt wissen, wie er sie erlebt und in Erinnerung behalten habe. Der Autor ging auf einige Eckpunkte der historischen Entwicklung ein, vor allem auf die Zeit des Nationalsozialismus, auf die Verhandlungen um den Staatsvertrag sowie auf den Ost-West-Konflikt und kündigte sodann einen zweiten Band an, der die Jahre 1972 bis 2005 zum Thema haben werde.

EIN LEBEN FÜR ÖSTERREICH

In "Der Botschafter" hält Ludwig Steiner 50 Jahre Zeitgeschehen
in Buchform fest. Kein wichtiges Ereignis jener Jahre, bei dem Steiner nicht auch dabei gewesen wäre. Nach einführenden Kapiteln über seine Jugendzeit und seine familiäre Herkunft setzt sich Steiner zunächst ausführlich mit dem Zweiten Weltkrieg auseinander, den er als Leutnant der Deutschen Wehrmacht erlebte. Seine christlichsoziale Weltanschauung führte Steiner in den Widerstand gegen das NS-Regime, und so unterstützte er den späteren Außenminister Karl Gruber bei der Befreiung Innsbrucks
im Mai 1945. Steiner steht damit auch an der Wiege der Zweiten Republik, denn Gruber wird zunächst Landeshauptmann von Tirol,
dem Steiner als Sekretär zur Seite steht.

Nach seinem Jurastudium tritt Steiner in den Diplomatischen
Dienst und wird alsbald erneut Grubers Sekretär, diesmal im Außenministerium. Nach Grubers Rückzug aus der Regierung wechselt Steiner ins Kanzleramt, wo er Bundeskanzler Raab als Sekretär zur Verfügung steht. In dieser Kapazität gehört Steiner der Delegation an, die 1955 in Moskau über Österreichs Staatsvertrag verhandelt. Im Buch nimmt dieses Thema auch dementsprechend prominenten Raum ein.

1958 wird Steiner Gesandter in Sofia, drei Jahre später tritt er als Staatssekretär in die Regierung Gorbach ein, der er 1961 bis 1964 angehört. Auch aus dieser Zeit weiß Steiner viel zu berichten. Der Band endet mit Steiners Jahren als Botschafter in Griechenland. Auch hier fand sich Steiner wieder im Zentrum bedeutsamer Ereignisse, wurde dort doch 1967 durch den faschistischen Obristenputsch die Demokratie abgeschafft. Steiner berichtet ausführlich über diese Ereignisse und weist auch auf
die zahlreiche Hilfe hin, die Österreich den Opfern der Diktatur leistete. 1972 - in jenem Jahr wurde Steiner 50 Jahre alt -
kehrte der Botschafter nach Wien zurück, um hier bedeutsame Aufgaben im Außenministerium zu übernehmen. 1979 sollte er Abgeordneter zum Nationalrat werden, zudem gehörte er bis 1991
der Parlamentarischen Versammlung des Europarates an und war bis 1996 Präsident der Politischen Akademie der ÖVP, die den vorliegenden Band auch ediert hat. Auch unter der aktuellen Regierung hat Steiner zahlreiche wichtige Ämter inne, so ist er Vorsitzender des Komitees des Österreichischen Versöhnungsfonds.

Der Band endet mit dem Jahre 1972, doch im Vorwort kündigt
Steiner an, einen zweiten Teil mit dem Rest seiner
Lebensgeschichte folgen lassen zu wollen. Steiner versteht es, Geschichte spannend und lebendig zu erzählen und den Leser am Erlebten teilhaben zu lassen. Kleine Anekdoten lockern ernste
Themen auf, Steiner erklärt dem Leser wichtige Zusammenhänge ohne erhobenen Zeigefinger und präsentiert so bedeutungsvolle Entwicklungslinien der heimischen Geschichte in einem entspannten Rahmen.

Ein derart wertvolles Buch hätte sich freilich auch ein adäquates Lektorat verdient, sind doch manche Fehler einigermaßen störend. So war etwa Leopold Figl 1953 nicht Landeshauptmann von Niederösterreich, war Theodor Körner erst 1951 und nicht schon 1949 Bundespräsident und fand die so genannte Olah-Krise 1964 und nicht 1966 statt. An diesen und anderen Stellen wäre ein wenig
mehr Behutsamkeit erfreulich gewesen, doch der literarischen Qualität des Buches tut dies keinen Abbruch.

Steiners Werk ist ein wertvoller Beitrag zur Zeitgeschichte, der
in keinem bibliophilen Haushalt fehlen sollte. Das Buch wurde im Südtiroler Athesia-Verlag ediert, umfasst 411 Seiten und ist im
gut sortierten Buchhandel um 31 Euro 90 zu beziehen. (Schluss)

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