WirtschaftsBlatt Kommentar vom 17.6.2005: Das seltsame Spiel um Spielberg - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Jetzt, im zweiten Anlauf, scheint er sich doch zu erbarmen: Dietrich Mateschitz, der glamouröse Boss von Red Bull, hat gestern offiziell bekundet, bei der geplanten Verwertung des Formel-1-Rings in Spielberg doch im Rennen zu bleiben. Als Neo-Chef eines gar nicht einmal so erfolglosen Formel-1-Rennstalls denke er primär daran, das Gelände als Prüf-, Test- und Incentive-Strecke zu nutzen.
Voraussetzung sei, dass mehrere Partner, darunter Erwin Wustinger von Pankl Racing oder Gilbert Frizberg von den Hereschwerken, an Bord sein müssen; dass die Behörden diesmal nicht auf stur schalten, sondern brav spuren; dass die Anrainer nicht aufmucken, sondern Ja und Amen sagen; und dass natürlich grosszügige Subventionen fliessen:
Mateschitz, der Frank Stronach immer ähnlicher wird, erwartet sich seitens der öffentlichen Hand bei Investitionen in der Höhe von 100 bis 150 Millionen Euro mindestens 15 Prozent. Obendrein stellt das Land zwei Millionen Euro für Planung zur Verfügung.
Der irre Job, alle potenziellen Troubles rasch aus der Welt
zu schaffen, damit der hofierte Über-drüber-Unternehmer nicht erneut vergrault wird, kommt letztlich der steirischen Landesmutter zu:
Waltraud Klasnic, die sich bei der gestrigen Pressekonferenz beinahe hemmungslos glücklich zeigte, wird sich dabei wohl mächtig ins Zeug legen. Mateschitz hat ihr nämlich, gerade rechtzeitig vor den steirischen Wahlen, einen riesigen Gefallen gemacht, indem er sich anschickt, das unlösbar scheinende Problem Spielberg endgültig zu beseitigen.
Bleibt eigentlich nur die Frage offen, ob die Menschen, die in der betroffenen Region Aichfeld leben, wo es ausser Wald und Wiesen kaum etwas anderes gibt, damit restlos glücklich werden. Es mag zwar erfreulich sein, dass es dort irgendwann auch wieder Auto- und Motorradrennen geben wird - an Lärm und Abgase ist man ohnedies längst gewöhnt. Und es mag auch schön sein, dass man die Formel 1, langfristig betrachtet, wieder zurückholen will - da wäre dort zumindest an einem Wochenende pro Jahr wieder etwas los.
Fazit: Schön, dass Mateschitz beim zweiten Versuch zu einer tollen Teststrecke kommen könnte; und schön, dass sich Waltraud Klasnic eines unangenehmen Problems entledigen dürfte. Gar nicht schön sieht es indes für die Bevölkerung aus in der Not leidenden Region, wo übrigens demnächst die Abfangjäger stationiert werden. Der vermeintliche Retter Didi Mateschitz wird ihnen letztlich wenig bringen - und schon gar keine Arbeitsplätze.

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