Multiples Myelom: "Nobelpreis-Medikament" verlängert Überlebenszeit

Weltweit rund 75.000 Erkrankungen pro Jahr - Völlig neues Wirkprinzip - Krebszellen ersticken an ihrem eigenen Müll Wien (OTS) - Rund 75.000 Fälle pro Jahr weltweit, in Österreich muss die Diagnose auf ein Multiples Myelom rund 400 Mal jährlich gestellt werden. - Obwohl die Krankheit mit bösartig wachsenden Plasmazellen im Blut "nur" ein Prozent der gesamten Krebserkrankungen ausmacht, gehen zwei Prozent der Krebs-Sterblichkeit darauf zurück. Bisher unheilbar, erhöht ein neues Wirkstoffprinzip, das auf die Forschung der Chemie-Nobelpreisträger des Jahres 2004 zurück geht, die Überlebenszeit: Bortezomib (Janssen-Cilag*) rückt mit erfolgreichen klinischen Studien in der Rangliste der verwendeten Medikamente immer weiter nach vorn.

Den eigentlichen Medizin-Nobelpreis - zumindest was den Nutzen ihrer Arbeiten für die Menschheit angeht - erhielten im Herbst 2004 die beiden israelischen Forscher Aaron Ciechanover und Avram Hershko sowie der US-Experte Irwin Rose von der University of California. Sie entdeckten Ubiquitin. Das ist jenes Protein, das in Zellen Proteine für den geplanten Abbau markiert. Das "Fähnchen" Ubiquitin lässt den Eiweißstoff zu einem der pro Zelle rund 30.000 26S-Proteosom-Komplexe wandern, wo das Protein vernichtet wird.

Umgekehrt: Würden einander nicht Proteinsynthese und Abbau in Zellen einigermaßen die Waage halten, könnte der Stoffwechsel nicht funktionieren. - Und gerade das ist das Prinzip, das die Pharmaforschung des US-Mutterkonzerns Johnson & Johnson bei dem neuen Wirkstoff Bortezomib bis zur Anwendung als Medikament brachte. Es handelt sich um einen reversiblen Hemmstoff des Proteasom-Komplexes, der aus verschiedenen Enzymen besteht.

Das Ergebnis: Gelangt die Substanz in bösartige Zellen, blockiert sie den Abbau der Ubiquitin-markierten Proteine in den Proteasom-Komplexen. Das löst eine ganze Kaskade von Ereignissen in den Zellen aus. Sie schalten auf Apoptose ("Pogrammierter Zelltod") um und sterben.

Weil es sich bei der neuen Substanz um ein völlig neues Wirkprinzip handelt, wurde das Medikament in den USA von der Arzneimittelagentur FDA im Rahmen eines beschleunigten Zulassungsverfahrens registriert: Für die Behandlung des bisher unheilbaren Multiplen Myeoloms, wenn eine andere Therapie bereits fehlgeschlagen ist. In der EU ist das Medikament für die Therapie des Multiplen Myeloms zugelassen, wenn Patienten auf eine vorangegangene Therapie nicht mehr ansprechen bzw. einen Rückfall erleiden.

Die bisher wichtigste klinische Studie mit Bortezomib - APEX -verglich bei 669 Patienten die Wirkung des Medikaments mit jener von hoch dosiertem Cortison (Dexamethason). Bei den Probanden handelte es sich um Kranke, bei denen bereits zumindest eine Therapie fehlgeschlagen war.

Die Ergebnisse:

- Bortezomib führte zu einer um 43 Prozent geringeren Sterblichkeit (15 Prozent/Cortison: 25 Prozent). Das war statistisch signifikant.

- 38 Prozent (Dexamethason: 18 Prozent) sprachen auf die Behandlung mit dem neuen Medikament an. Auch dieser Unterschied war statistisch signifikant.

- Bei jenen Patienten, die auf die neue Therapie ansprachen, erhöhte sich die Zeitdauer bis zum Fortschreiten der Erkrankung von 5,6 auf acht Monate.

Bortezomib stellt damit - ebenso wie alle anderen Therapien -keine heilende Behandlung bei einem Multiplen Myelom dar, doch es erhöht sowohl die Überlebenszeit als auch die Lebensqualität der Betroffenen deutlich. Das Medikament wird derzeit auch für die Anwendung bei mehreren weiteren Krebserkrankungen in Studien an Patienten geprüft. Weil es sich um ein völlig anderes Behandlungsprinzip handelt, kann das Arzneimittel auch mit bereits vorhandenen kombiniert werden.

Multiples Myelom - Harte Daten und Faktoren

Die Krankheit: Das Multiple Myelom beruht auf der bösatigen vermehrten Produktion von Plasmazellen im Knochenmark. Die Plasmazellen sind jene Immunzellen, welche die Antikörper produzieren, und stellen damit einen wichtigen Bestandteil des Immunsystems dar.

Bösartige Plasmazellen vermehren sich krankhaft und überwuchern das blutbildende System. Sie produzieren defekte M-Antikörper (Paraprotein). Gleichzeitig kommt es zu einer verminderten Bildung von roten und weißen Blutkörperchen. Schließlich können an zahlreichen Orten des Körpers Myelom-Tumoren entstehen.

Hoher Anteil an der Krebssterblichkeit: Weltweit erkranken jährlich rund 75.000 Menschen an der Erkrankung. In der EU wird die Diagnose "Multiples Myelom" bei jährlich etwa 19.000 Menschen gestellt. And er Erkrankung sterben jährlich etwa 14.000 Menschen in der Europäischen Union.

In Österreich kommt es jährlich zu etwa 400 neuen Diagnosen. Derzeit dürften in Österreich rund 4.000 Menschen leben, die an einem Multiplen Myelom erkrankt sind.

Nach dem Non-Hodgkin-Lymphom handelt es sich beim Multiplen Myelom um die zweit häufigste Form von Blutkrebs und macht etwa einen Anteil von 15 Prozent aus.

Obwohl Myelom-Erkrankungen nur ein Prozent aller Krebsleiden darstellen, trägt die Erkrankung mit zwei Prozent aller Krebstoten überproportional zur Krebsmortalität bei.

Alterskurve: Das Multiple Myelom tritt mit zunehmendem Alter häufiger auf. Im Durchschnitt wird die Erkrankung im Alter zwischen 60 und 65 Jahren diagnostiziert. Zwei Prozent der Betroffenen sind zum Zeitpunkt der Diagnose weniger als 40 Jahre alt. Die Häufigkeit des Neuauftretens beträgt 7 Fälle je 100.000 Menschen und Jahr in der Altersgruppe der 50-Jährigen und 20 Fälle in der Altersgruppe der 70-Jährigen (je 100.000 und Jahr).

Schlechte Lebenserwartung: Nur 30 Prozent der Myelom-Patienten überleben länger als fünf Jahre. Das ist eine der niedrigsten Überlebensraten von Krebsleiden.

Unerkannt: Oft dauert es lange, bis die Krankheit diagnostiziert wird. Das liegt an den am Beginn sehr unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Infektionen, Nierenproblemen, Anämie etc.

Diagnose: Das Auftauchen von M-Protein (fehlerhaft gebildete Antikörper), Röntgenuntersuchungen (Tumoren) bzw. Knochenmarkpunktionen sind die wichtigsten Diagnoseverfahren.

Therapie: Hoch dosiertes Cortison (Dexamethason), Thalidomid ("Contergan") und jetzt Bortezomib sind die wichtigsten Behandlungsmethoden. Sie können die Krankheit zeitweise zum Verschwinden bringen und die Zeitspanne bis zum Fortschreiten des Leidens erhöhen. Ein wesentlicher Schritt ist jetzt mit dem "Nobelpreis-Medikament" gelungen.

*Die Erforschung von Velcade wurde durch das Biotech Unternehmen Millenium in den USA durchgeführt, welches in Kooperation mit Janssen-Cilag, der europäischen Pharmatochter von Johnson & Johnson das Produkt in Europa vermarktet.

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