Seeber: Garaus für giftige Gummienten

EP-Umweltausschuss fordert höchstmöglichen Schutz der Kinder

Brüssel, 14. Juni 2005 (ÖVP-PD) Die Zeit für krebserregende Weichmacher in Kinderspielzeug ist abgelaufen. Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments hat heute in Brüssel für ein Verbot gefährlicher Weichmacher in Kinderspielzeug und Babyartikeln gestimmt, wenn diese eine Konzentration von mehr als 0,05 Prozent erreichen. Darüber hinaus hat der Ausschuss bei drei Phthalaten in Spielzeugen und Babyartikeln, die für Kinder über drei Jahren bestimmt wären, für eine besondere Kennzeichnungspflicht gestimmt, wenn diese Artikel von Kindern unter drei Jahren in den Mund genommen werden können. "Die giftige Gummiente wandert endgültig in den Mistkübel. Übrig bleiben Spielzeuge mit extrem niedrigen Grenzwerten für Phthalate, die obendrein dann auch keine Duftstoffe mehr enthalten dürfen. Der Umweltausschuss setzt damit einen Schutzstandard auf höchstmöglichem Niveau", fasst der Tiroler ÖVP-Europaparlamentarier Dr. Richard Seeber zusammen. ****

Der Umweltausschuss befasste sich heute in seiner zweiten Lesung mit dieser Frage. In seinem gemeinsamen Standpunkt hatte der Rat die Forderungen des Europaparlaments nur teilweise übernommen. Ausgangspunkt der Richtlinie ist die Tatsache, dass die Verwendung bestimmter Phthalate in Spielzeug und Babyartikeln, die aus weichmacherhaltigem Material bestehen oder Bestandteile aus weichmacherhaltigem Material enthalten, Gefahren im Hinblick auf die Gesundheit von Kindern aufweisen könnte. "Der Rat will wie das Parlament die Phthalate DEHP, DBP und BBP in allen Spielzeugen und Babyartikeln verbieten, da sie auf Grund von Bewertungen als krebserregend, erbgutverändernd bzw. fortpflanzungsgefährdend eingestuft werden", so Seeber. Bei den Phthalaten DINP, DIDP und DNOP hatte der Rat jedoch das Verbot nur auf Spielzeug und Babyartikel beschränkt, die für Kinder unter drei Jahren bestimmt sind und in den Mund genommen werden können. "Für Spielzeug für Kinder über drei Jahren hätte das nicht gegolten. Wenn aber die Möglichkeit besteht, dass Kinder unter drei Jahren dieses Spielzeug auch in den Mund nehmen können, sind sichtbare Warnhinweise notwendig", sagte Seeber.

Der Ausschuss hat daher beschlossen, dass auf der Spielzeugverpackung sowie auf dem Spielzeug selbst ein Warnhinweis in gut leserlicher und unverwischbarer Form erscheinen muss, der mit Text und Bild vor den gesundheitsschädlichen Phthalaten warnt. Der Grenzwert für die Beimischung aller sechs Phthalat-Typen wurde auf 0,05 Prozent festgelegt. Der Rat hatte hier einen Grenzwert von nur 0,1 Prozent verlangt. Ebenfalls verschärft wurde der Richtlinienvorschlag durch den Umweltausschuss in Bezug auf beigefügte Duftstoffe. "Kleinkinder neigen dazu, mit Duftkomponenten versehene Spielzeuge, die aus weichmacherhaltigem Material hergestellt sind, in den Mund zu nehmen. Daher wollen wir die Beifügung dieser Duftstoffe generell ebenfalls verbieten, um ein erhöhtes Gefährdungspotential auszuschließen."

"Mit diesem Beschluss alleine ist es natürlich nicht getan. Jetzt ist die Wissenschaft gefordert, gemeinsam mit der Kommission Leitlinien auszuarbeiten, unter welchen Bedingungen ein Spielzeug oder ein Babyartikel als 'in den Mund zu nehmen' zu qualifizieren wäre", betonte Seeber. Notwendig sei auch ein erhöhter Forschungsaufwand für die statt der Weichmacher verwendbaren Ersatzstoffe. Hier geht es um Fragen nach der Brüchigkeit dieser Stoffe sowie nach einer möglichen Giftigkeit. "Mit dem heutigen Beschluss verschärft der Umweltausschuss jedenfalls seine Position. Ein Vermittlungsverfahren mit dem Rat ist daher nicht auszuschließen. Und dieses kann vom Zeitablauf her durchaus eine weitere Herausforderung für die österreichische EU-Präsidentschaft werden", sagte Seeber abschließend.

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