Tumpel verlangt Ausbildungsoffensive für Gesundheit und Pflege

Anforderungen steigen - Pflegeausbildung soll zunächst mit Matura abgeschlossen und mittelfristig an Fachhochschulen angeboten werden

Wien (OTS) - "Wir brauchen eine Offensive in der Ausbildung für
den Gesundheits- und Pflegebereich", forderte AK Präsident Herbert Tumpel heute bei der Veranstaltung "Höherqualifizierung im Gesundheits- und Pflegewesen" in der AK Wien: In einem ersten Schritt soll die Ausbildung in den Krankenpflegeschulen umgewandelt werden in eine Ausbildung mit Matura, in einem zweiten Schritt soll die Pflegeausbildung generell ein Fachhochschulstudium werden. "Die Anforderungen an die qualifizierten Fachkräfte im Gesundheitswesen steigen, da muss das Bildungswesen mitziehen, und nach der Krankenpflegeausbildung muss das Weiterlernen im Hoch-schulbereich auf einfachem Weg möglich sein", sagt Tumpel. Der AK Präsident stützt sich mit seinen Forderungen auf eine Studie, die die Bildungswissenschafterin Elke Gruber bei der Veranstaltung präsentiert: Sie empfiehlt als Ergebnis ihrer Untersuchungen die Einrichtungen von Fachhochschul-Studiengängen für die qualifizierte Pflegeausbildung innerhalb der nächsten zehn Jahre, "um das Berufsfeld nachhaltig zu professionalisieren und es europakonform auszurichten".

"Für medizinischtechnische Dienste kann jetzt die Ausbildung an Fachhochschulen angeboten werden, aber das kann nur der erste Schritt sein", sagt Tumpel. "Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Gesundheitsbereich wächst, gleichzeitig steigen im Beruf selbst die Anforderungen durch Fortschritte und Neuerungen in der Medizin." Diese Entwicklung überholt den Ist-Zustand in der Pflegeausbildung:
Für die Ausbildung im Gesundheits- und Pflegebereich interessieren sich mehr junge Menschen, als aufgenommen werden. Die Ausbildung ist nicht ins reguläre Bildungswesen eingegliedert - sie beginnt mit 17 Jahren und endet nicht einmal mit der Matura, obwohl sie in vielen europäischen Ländern sogar erst nach der Matura beginnt. Und die hohen Belastungen im Pflegebereich führen zu einer geringen Verweildauer im Beruf: Für Höherqualifizierung der Beschäftigten gibt es zu wenig zeitlich und finanziell bewältigbare Angebote.

Zur Lösung fordert Tumpel eine durchlässige Ausbildung im Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich. Es sollen Ausbildungswege geschaffen werden, die nach der Mittelstufe der Schulen mit 15 Jahren begonnen werden können, etwa Fachschulen für Sozialberu-fe, auf die Ausbildungen für den so genannten gehobenen Pflegedienst (die derzeitigen Diplomkrankenschwestern und Pfleger) aufbauen, die mit der Matura enden. Langfristig soll die Matura Voraussetzung für die gehobene Pflegeausbildung an Fachhochschulen sein. Gleichzeitig sollen an den Fachhochschulen berufsbegleitende Ausbildungen geschaffen werden, die mit besonderen beruflichen Qualifikationen, also auch ohne Matura besucht werden können.

Für die Einrichtung von Fachhochschulstudiengängen zur Pflegeausbildung plädiert auch die Bildungswissenschafterin Elke Gruber: Das wäre "europakonform", und an den Fachhochschulen wäre es auch möglich, sich ohne Matura berufsbegleitend weiterzubilden. Auf Grundlage ihrer Studie empfliehlt Gruber auch den Ausbau etwa der Studienangebote für Pflegewissenschaft oder Pflegepädagogik an den Universitäten. Diese Angebote wären wichtig für die Ausbildung von Lehrkräften an den Fachhochschulen und die Weiterentwicklung der Fächer durch Forschung und Lehre. Insgesamt, so Gruber, hinke Österreich bei der Ausbildung im Gesundheits- und Pflegebereich der internationalen Entwicklung hinterher. Eine Aufwertung der Ausbildung sei auch wichtig für die internationale Anerkennung österreichischer Abschlüsse.

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