WirtschaftsBlatt Kommentar vom 14.6.2005: BA-CA: Wer A sagt … fällt selbst hinein - von Herbert Geyer

Wien (OTS) - Ein Politiker des für seine sachpolitische Kompetenz berüchtigten BZÖ brachte es in der Vorwoche auf den Punkt: Wiens Bürgermeister Michael Häupl müsse, so forderte er, den Deal zwischen UniCredit und HVB verhindern. Nun hält der ehemalige Zentralsparkassen-Eigentümer AVZ (auf den Häupl auch keinen direkten Einfluss hat) nur vier Prozent an der HVB, konnte also ganz und gar nichts verhindern.
Den sonst Privatisierungen durchaus zugeneigten BZÖlern ins Stammbuch: Wenn man einmal verkauft hat, kann man über sein ehemaliges Eigentum nicht mehr verfügen. Wer vor fünf Jahren zum Verkauf der Bank Austria an die HVB A gesagt hat, muss jetzt schlucken, was kommt.
Nicht alles natürlich. Das Barangebot an die BA-CA-Aktionäre - 70,04 Euro - ist bei einem aktuellen Kurs von deutlich über 80 nicht wirklich ernst zu nehmen. Das Angebot, 19,92 UniCredit-Aktien für eine BA-CA-Aktie zu akzeptieren, liegt zwar über dem aktuellen Kurs (zumal auch die Italiener gestern ganz schön zugelegt haben), bildet aber die Chancen, die der neue rund um die BA-CA geplante Osteuropa-Konzern bietet, nur höchst unvollkommen ab. Wer BA-CA-Aktien hat, ist zweifellos gut beraten, zunächst zuzuwarten. Billiger wird das Papier in den kommenden Monaten wohl kaum.
Wer bereits einmal seine Bank Austria-Aktien gegen Papiere eines starken internationalen Partners eingetauscht hat und bald danach ein böses Erwachen erleben musste, wird ohnehin zur Vorsicht neigen. Und bisherige italienische Engagements in Österreich - Stichwort Telecom Italia, Parmalat - waren auch nicht gerade als vertrauensbildende Massnahmen zu werten. Es besteht also durchaus die Chance, die BA-CA am Wiener Kurszettel zu halten.
Aber genug der Unkenrufe. Die Fusion der Ost-Töchter von BA-CA und UniCredit in einen Konzern mit Sitz in Wien bedeutet natürlich eine Aufwertung des Standortes und sollte auch den Kunden der BA-CA -besonders jenen, die enge Ost-Verbindungen benötigen - Vorteile bringen. Und dass BA-CA-Chef Erich Hampel diesen Teilkonzern leiten wird, ist nicht nur ein persönlicher Vertrauensbeweis für Hampel, sondern hebt auch das Ansehen österreichischer Manager generell. Wenn Aktien dieses Konzerns auch weiterhin an der Wiener Börse gehandelt werden, sollte auch der Finanzplatz Wien davon profitieren. Also alles Gute der BA-CA für diesen neuen Lebensabschnitt. Und ein langes Leben.

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