"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Das große Fressen" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 13. Juni 2005

Innsbruck (OTS) - Mit dem Zusammenschluss der italienischen UniCredito und der deutschen HypoVereinsbank geht das große Fressen in Europas Bankenlandschaft weiter. Es entsteht eines der zehn größten Geldhäuser Europas. Aber man kann bereits jetzt davon ausgehen, dass auch die neue Großbank langfristig noch nicht groß genug sein wird - und deshalb weitere Institute übernehmen oder selbst von einem noch Größeren geschluckt wird. Dabei war bereits die jetzige HypoVereinsbank Resultat vieler vorangeganerer Fusionen, etwa von Bayerischer Vereinsbank und Hypo-Bank. Und die hineinfusionierte BA-CA kam u.a. aus Zentralsparkasse, Länderbank und Creditanstalt zustande.

Aber gerade die vom Tiroler Dieter Rampl geführte HVB bewies, wie erfolglos schiere Größe sein kann. In den letzten drei Jahren mussten die Münchner insgesamt 6 Milliarden Euro Verlust ausweisen. Geldbringer für die Deutschen war einzig die BA-CA, vor allem dank ihres lukrativen Ostgeschäfts. Nicht nur in München, sondern auch in Wien heißt es jetzt fleißig Italienisch büffeln. Allen Beteuerungen zum Trotz, dass sich durch den Megadeal ja nicht allzu viel ändern werde, werden die Italiener nicht nur das Kommando übernehmen, sondern auch einige harte Schnitte setzen. Das wird viele Arbeitsplätze kosten, nicht nur in Osteuopa, wo beide Institute vertreten sind.

Dass Wien dann künftig noch so eigenständig regieren kann wie bisher, ist stark zu bezweifeln. Wenn die BA-CA tatsächlich einen italienischen General bekommt, dann ist klar, dass sie am Mailänder Gängelband baumeln wird.

Die ÖVP hat sich bei Privatisierungen - Theater um Telekom-Verkauf oder VA Tech - oft genug nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Den größten Flop hat aber zweifellos die (Wiener) SPÖ bei der BA-CA hingelegt. In keinem anderen Land wurde jemals die größte Bank ähnlich aus den Händen gegeben.

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