Schlechtwetter auf dem Sipri-Radar

"Presse"-Meinung vom 8.6.2005/von Burkhard Bischof

Wien (OTS) - Es wird wieder aufgerüstet wie in Zeiten des Kalten Krieges. Im Fernen Osten könnte der Rüstungswettlauf aber erst richtig losgehen.

Was wurde nach dem Ende des Kalten Krieges doch gejubelt über die "Friedensdividende". Da wurde gegrübelt und gerechnet, wie man die eingesparten Gelder aus den Verteidigungsbudgets für den Aufbau einer friedlicheren, gerechteren, sozialeren Welt einsetzen könnte. In Europa wurden seit 1989 fast überall die Militärausgaben tatsächlich sukzessive gesenkt - aber wo sonst noch?

Mittlerweile erreichen die weltweiten Rüstungsausgaben wieder das Niveau des Kalten Krieges, stellt das renommierte Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in seinem neuesten Bericht fest. Wie ein Radar tastet Sipri darin die globale Sicherheitslage ab. Übergroß erscheinen auf dem Schirm die Vereinigten Staaten, auf die fast schon die Hälfte der weltweiten Rüstungsausgaben entfallen. Freilich, gerade diese beispiellose militärische Übermacht machen die USA auch anfällig für asymmetrische Schläge, wie die Terroristen vom 11. September 2001 bewiesen haben.
Das Sipri-Radar zeigt weiters, dass neben dem Nahen Osten jetzt der Ferne Osten immer mehr Waffen in der Welt zusammenkauft. China ist bereits größter Rüstungsimporteur der Welt. Angesichts des spannungsgeladenen Klimas und des gigantischen Potenzials dieser Weltgegend ist durchaus denkbar, dass hier noch ein Rüstungswettlauf einsetzt, neben dem das Aufrüsten in Nahost wie ein müder Hindernislauf aussieht.

Das Sipri-Radar sieht also gefährliche Schlechtwetterfronten aufziehen. Das zu erkennen hat nichts mit Pessimismus, aber viel mit Realismus zu tun.

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