ÖGJ-Eder: Berufsreifeprüfung in Gefahr, echte Schulreformen bleiben aus

Hinter der fröhlichen Umbenennung des Faches "Leibesübungen" verstecken sich drastische Verschlechterungen im Bereich der Berufsreifeprüfung

Wien (ÖGJ/ÖGB) - =

"Anstatt dem Debakel bei der PISA-Studie mit
effektiven Reformen zu begegnen, die das österreichische Bildungssystem besser und gerechter machen, beschränkt sich die Bundesregierung auf Teilreförmchen wie die Umbenennung des Faches ‚Leibesübungen’ in ‚Bewegung und Sport’", kritisiert der Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Jürgen Eder, die heutigen Beschlüsse des Ministerrats. Überdeckt werden davon weitreichende Verschlechterungen im Bereich der Berufsreifeprüfung.++++

Der Ministerratsbeschluss zur Änderung des Bundesgesetztes zur Berufsreifeprüfung führt zu zahlreichen Verschlechterungen:

O AbsolventInnen vierjähriger Lehrberufe mit ausgezeichnetem Erfolg wurde bis jetzt die Fachbereichsprüfung (eine von insgesamt vier Prüfungen) angerechnet. In Zukunft ist von diesen auch darüber eine Prüfung abzulegen.

O Durch die Einführung von Schriftführern bei den schulischen Prüfungen werden die KandidatInnen durch die entstehenden zusätzlichen Prüfungstaxen noch stärker finanziell belastet. Die schon jetzt hohen Kosten für die TeilnehmerInnen von 2.000 bis 3.000 Euro erhöhen sich dadurch weiter!

O Durch Prüfungsvorsitzende, die in Zukunft vom Landesschulrat für die Vorbereitungskurse bei den Erwachsenenbildungseinrichtungen namhaft gemacht werden sollen, kommt es zu einem bürokratischen Mehraufwand und einer Verschlechterung bei der Festlegung der Prüfungstermine. Prüfungen direkt im Anschluss an den Lehrgang, an Tagen, die den hauptsächlich berufstätigen KandidatInnen entgegen kommen, werden fast unmöglich.

O Keine echte Qualitätssicherung, z. B. durch verpflichtende Eingabe der Prüfungsthemen vorab an die Schulbehörde, stichprobenartige Kontrolle der schriftlichen Prüfungsarbeiten durch die Schulbehörde oder durch Wahrnehmung der bereits jetzt bestehenden Möglichkeit durch die Schulbehörde an den Prüfungen teilzunehmen, sondern Aufbau von bürokratischen Hürden.

ÖGJ gegen frühe Trennung im Bildungssystem

Derzeit läuft einiges schief im österreichischen Schulsystem:
Kinder von schlechter verdienenden Eltern haben immer noch weit weniger Chancen, höhere Bildungsstufen zu erklimmen, als Kinder aus wohlhabenden Familien. Ein Problem: Die mit 10 Jahren sehr frühe Aufteilung der Kinder in die Hauptschule bzw. in allgemeinbildende höhere Schulen. Die Gewerkschaftsjugend fordert daher eine gemeinsame Schule aller 6- bis 15-Jährigen. "In einer Zeit, in der lebensbegleitendes Lernen zum Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit geworden ist, kann es sich niemand leisten, Schüler früh auf festgelegte Bildungsstrukturen festzulegen", begründet Jürgen Eder.

Die von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer bisher präsentierten Reformpakete bestehen zum Großteil aus alten Vorhaben der Ministerin, aus kosmetischen Maßnahmen und in dringenden Bereichen aus unausgegorenen Vorhaben. So ist zum Beispiel in der Ganztagesbetreuung wieder eine altbekannte Variante des Bildungsministeriums zu finden: ein paar Eckpunkte, aber mit den Problemen der Umsetzung werden Schulen und Länder alleingelassen.

Die gravierenden Probleme werden in weitere Kommissionen ausgelagert - wie die angekündigte Schulstrukturkommission. Während diese tagt, wird die PISA-Risikogruppe der SchülerInnen immer größer. "Ein Reförmchen hier, eine Kommission dort - doch nachhaltig ist noch wenig zu erkennen", so Eder.

Schulreform - das fordert die ÖGJ:

O eine gemeinsame Schule für alle 6- bis 15-Jährigen

O bestmögliche individuelle Lern- und Entwicklungsförderung, unabhängig von Ausgangsvoraussetzungen und sozialem Hintergrund

O Senkung der Klassenschülerhöchstzahl auf 15

O Ausbau der Berufs- und Bildungsberatung

O kein Schulgeld

O Recht auf kostenlose Nachmittagsbetreuung

O keine Privatisierung des Schulsystems

O verpflichtende Weiterbildung für Lehrkräfte

O mehr öffentliche Mittel für Schulmaterialien

O Verbot kommerzieller Werbung an Schulen

ÖGB, 7. Juni
2005
Nr. 372

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