10 Jahre Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds

ArbeitnehmerInnenförderung in Wien - Erfolge, Herausforderungen, Perspektiven

Wien (OTS) - Anlässlich der Gründung des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds im Juni 1995 fand am Montag unter dem Titel "ArbeitnehmerInnenförderung in Wien - Erfolge, Herausforderungen Perspektiven" eine Veranstaltung im Techgate Vienna statt. Bürgermeister Dr. Michael Häupl, Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder sowie die Spitzen der Sozialpartner ÖGB - Präsident Fritz Verzetnitsch, AK - Präsident Mag. Herbert Tumpel, die Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien KommR. Brigitte Jank, der Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Wien Dr. Thomas Oliva und die Landesgeschäftsführerin des AMS - Wien Claudia Finster haben an dieser Veranstaltung teilgenommen. Gemeinsam mit den Sozialpartnern, den politischen VerantwortungsträgerInnen in der Stadt Wien und mit den Partnern des waff in der Stadtverwaltung, im Arbeitsmarktservice sowie in den Bezirken wurde über 10 Jahre waff Bilanz gezogen werden. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand jedoch die Diskussion über die Herausforderungen für ArbeitnehmerInnen vor dem Hintergrund der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung.****

Häupl: waff ist prophylaktisch aktiv - Hohe Diversität der waff - Programme

Bürgermeister Dr. Michael Häupl bewertete es als herausragenden Erfolg, dass es durch die Zusammenarbeit der Sozialpartner und der Stadt Wien im waff gelungen sei, eben nicht nur Arbeitsmarktreparaturen durchzuführen, sondern in der Prophylaxe den Zusammenhang zwischen Ausbildung, berufsbezogener Qualifikation und den Erfordernissen des Arbeitsmarktes herzustellen. Der Bürgermeister unterstrich dabei auch die hohe Diversität der waff - Programme. Der waff sei, so Häupl, jedenfalls ein Instrument, damit jenen Menschen, denen geholfen werden muss auch geholfen werden kann bzw. schon im Vorfeld alles unternommen werde, damit Schwierigkeiten erst gar nicht entstehen. Als Beispiel nannte Häupl die Arbeitstiftung für die ehemaligen Grundig MitarbeiterInnen, wo waff und AMS Schulter an Schulter alles unternommen haben, um die Betroffenen auf Grundlage von entsprechenden Umschulung und Qualifizierungen finanziell abgesichert so rasch als möglich wieder in den Job zu bringen. Zentrales Erfordernis für die künftige Arbeit des waff sei es, wirtschaftliche Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die ArbeitnehmerInnen zu sehen und hier mit vorbeugenden Programmen vorauszuarbeiten, damit die Strukturveränderung im Sinne positiver Effekte für ArbeitnhemerInnen und Unternehmen voll genutzt werden könne, sagte der Bürgermeister.

Rieder bezeichnet waff als Modell für Österreich

Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder betonte in seinem Einleitungsstatement, dass es angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation eine Einrichtung wie den waff auch in allen anderen Bundesländern brauche. Rieder unterstrich dabei, dass der waff kein politisches Gegeninstrument zu AMS sei, sondern der Erfolg des waff in der Zusammenarbeit mit und in Ergänzung zum AMS liege. Rieder verwies in diesem Zusammenhang auch auf die erfolgreiche Entwicklung des AMS Wien. Als herausragende Maßnahmen bezeichnete Rieder die waff - Programme zur Förderung von beschäftigten WienerInnen, u.a. das neue waff - Programm Pisa Plus, in dessen Rahmen Beschäftigte den außerordentlichen Lehrabschluss nachholen können, den Personalfinder- das regionale Vermittlungsservice des waff sowie die Programme für Frauen und hier insbesondere für WiedereinsteigerInnen. Nicht zuletzt aufgrund dieser Tatsache, sei die Frauenerwerbsquote in Wien so hoch und mehr Frauen unselbstständig beschäftigt als Männer, stellte der Vizebürgermeister fest.

Scheed: waff ist eine Agentur des Wandels, um Chancen der Modernisierung für Wiener ArbeitnehmerInnen optimal zu nutzen

Der waff - Vorstandsvorsitzende, Labg. Norbert Scheed beschrieb den waff als eine Agentur des Wandels. Der waff sei, so Scheed, ein gutes Spiegelbild der Veränderung der Wirtschaft in den letzten 10 Jahren, die vom Strukturwandel geprägt war und ist. Zur Veränderung gebe es keine Alternative, aber worauf es ankomme, sei die Qualität der Veränderung, meinte Scheed. Der waff habe daher die Aufgabe erstens darauf zu achten, dass die Chancen der Modernisierung und etwa auch die der Erweiterung der EU für die Wiener ArbeitnehmerInnen optimal genutzt werden können und es andererseits so wenig wie möglich Modernisierungsverlierer gibt. Scheed wies in diesem Kontext auch nochmals auf die Bedeutung der Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern hin, die den waff über die vergangenen 10 Jahre getragen und viele Projekte mitinitiiert haben, mit deren Hilfe weit über 100.000 Wiener ArbeitnehmerInnen und auch zahlreiche Unternehmen unterstützt werden konnten.

Waff - Geschäftsführer Mag. Fritz Meißl nahm Bezug auf die ersten Maßnahmen des waff, die bereits 1995 starteten und nach wie vor fixe Bestandteile im Maßnahmenpaket des waff sind: So eröffnen die Arbeitsstiftungen über solide Weiterbildungen oder Umschulungen den vom Strukturwandel Betroffenen neue Perspektiven und erleichtern den Wiedereinstieg in den Job. Um die berufliche Qualifizierung von beschäftigten wie auch arbeitslosen WienerInnen auf breitest möglicher Basis finanziell unterstützen zu können, wurde ebenfalls 1995 das Bildungskonto, mit aktuell rund 7000 Förderfällen pro Jahr eingeführt. Als wesentlich für die Zukunft des waff bewertete es Meißl, die Bodenhaftung nicht zu verlieren und sich zielgenau an den konkreten Bedürfnissen der ArbeitnehmerInnen und der Unternehmen zu orientieren.

Städte als Motor auf dem Weg zur Beschäftigungs- und Sozialunion - Vorreiterrolle Wiens

Zu Fragen der Auswirkung der europäischen Entwicklung auf den Wiener Arbeitsmarkt nahmen ÖGB Präsident Fritz Verzetnitsch, AK -Präsident Mag. Herbert Tumpel, WKW - Präsidentin KR Brigitte Jank, der Landesgeschäftführer der Industriellenvereinigung Wien Dr. Thomas Oliva sowie AMS - Landesgeschäftsführerin Claudia Finster Stellung. Präsident Verzetnitsch stellte dabei eingangs fest, mit den Beschlüssen von Lissabon, zu denen sich alle Staats- und Regierungschefs der europäischen Union bekennen, sei das Ziel zur Entwicklung der EU zu einer Beschäftigungs- und Sozialunion klar definiert worden. Obwohl es die Handlungsanleitung zur Erreichung dieses Zieles gäbe, fehle es jedoch an konkreten Handlungen. Als wesentliche Punkte nannte Verzetnitsch die Stärkung der Kaufkraft für eine positive Zukunftseinstellung, das Miteinander Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Forcierung von Ausbildung insbesondere auch vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung der europäischen Gesellschaft. Verzetnitsch attestierte Wien, dass es beschäftigungs- und wirtschaftpolitisch sehr konkret handle, nicht zuletzt über den waff. Es sei, so Verzetnitsch daher durchaus vorstellbar und sinnvoll, dass hier die Städte in Europa, allen voran Wien, ein Motor in Richtung Beschäftigungs- und Sozialunion sein könnten.

Dr. Oliva von der Industriellenvereinigung Wien bezeichnete die Centrope Region mit Wien und Bratislava als große Entwicklungschance, die es optimal zu nützen und in der es sich entsprechend zu positionieren gelte. Als wesentlichen Faktor nannte auch Dr. Oliva die Entwicklung der Ausbildung in Richtung Lebenslanges Lernen, um die Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten und zu verstärken. Im Hinblick auf die Rolle der Städte, wies Oliva daraufhin, dass Europa die Städte noch zu wenig entdeckt habe, obwohl 80% der europäischen Bevölkerung in städtischen Agglomerationen leben. Die Städte stellen außerdem im überwiegenden Ausmaß die Beschäftigung und auch die Infrastruktur.

AK-Präsident Mag. Herbert Tumpel meinte, dass Wien in Sachen Arbeitsmarkt und Wirtschaftspolitik gut unterwegs sei , aber eben auch eingebettet sei in die europäische Landschaft, deren Politik aktuell von den Menschen in Europa als nicht zielführend angesehen werde. Entsprechende Vorsorgemechanismen zu etablieren, also dass z.B. verloren gegangenen Arbeitsplätze durch neue ausgeglichen werden, werde daher auch in Zukunft ganz zentral sein. Tumpel wies in seinem statment auch nochmals eindringlich auf die Bedeutung der berufsbezogenen Qualifizierung hin. Es gäben zwar viele Ansätze in Betrieben zur MitarbeiterInnenqualifizierung, allerdings blieben dabei oft die älteren und geringer qualifizierten ArbeitnehmerInnen auf der Strecke. 10% der ArbeitnehmerInnen betrieben diese Weiterbildung in ihrer Freizeit. Bei vielen sei das aufgrund der finanziellen Gegebenheiten, aber oft auch aufgrund langer Anfahrtswege oder aufgrund der Kinderbetreuung überhaupt nicht möglich. Tumpel forderte hier eine größere Perspektive in den Betrieben selbst.

Die Präsidentin der WKW KR Brigitte Jank betonte , dass die Wiener Klein- und Mittelbetriebe das Rückgrat der Wiener Wirtschaft seien und damit auch die meisten Arbeitsplätze stellen. Vor allem müsse man auch Klein -und Kleinstbetriebe unterstützen. Jank nannte in diesem Zusammenhang die geplante Unterstützung des waff für Betriebsübernahmen als beispielgebend. Als wesentlich für die Zukunft, bezeichnete es Jank, die hohe Innovationsfähigkeit der Wiener Klein- und Mittelbetriebe weiter zu stärken und vor allem verstärkt zu transportieren.

AMS - Landesgeschäftführerein Claudia Finster erklärte, dass für sie die Kooperation zwischen AMS, waff und den Sozialpartnern eine zentrale Rolle spiele, um auf einer ganz konkreten Ebene, die beruflichen Chancen für die WienerInnen zu verbessern und auszubauen. Die Kooperation von waff und AMS sieht Finster in der Intensivierung der Beratung und Motivation arbeitsuchender Menschen sowie in der intensivierten Unterstützung bei der Arbeitsuche und in der Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.

In Partnerforen wurde außerdem die künftige Zusammenarbeit des waff mit dem AMS aber auch mit dem Wiener Wirtschaftsförderungsfonds sowie dem Fonds Soziales Wien diskutiert. Ein weiteres Forum widmete sich dem Thema der regionalen Kooperation - einerseits auf Bezirksebene, in dessen Rahmen u.a. die BezirksvorsteherInnen von Alsergrund Martina Malyar sowie von Liesing Ing. Manfred Wurm ihre Erfahrungen der Zusammenarbeit mit dem waff reflektierten. Anderseits wurde auf die überregionale Ebene insbesondere im Hinblick auf die gemeinsame Arbeitsmarktplattform zwischen Wien und Bratislava eingegangen. Moderiert hat die Veranstaltung Markus Pohanka vom ORF -Landestudio Wien.

rk-Fotoservice: http://www.wien.at/ma53/rkfoto/

(Schluss) gph

Rückfragen & Kontakt:

PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
WAFF
Gabriele Philipp
Tel.: 214 48/318
Handy: 0664/460 35 97
gabriele_philipp@waff.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK0002