Nach Frejus: Umfassender Tunnelbrandschutz gefordert!

Graz (OTS) - Einröhrige Tunnelanlagen als baulicher Sündenfall -Knackpunkt Flucht- und Rettungswege - Automatische Löschanlagen und Betriebfeuerwehren ein Gebot der Stunde - Transport gefährlicher Güter ein Problemfall für sich!

Der Brand im Frejus-Tunnel in der Nacht von Samstag auf Sonntag hat erneut die große Problematik von Tunnelbränden gezeigt. Vor allem einröhrige Tunnelanlagen im Straßenverkehr, aber auch im Eisenbahnbereich, stellen im Brandfall die Feuerwehr und alle anderen Hilfskräfte vor fast unlösbare Aufgaben.

"Derartige Tunnel sind auf Grund der fehlenden sicheren Flucht-und Rettungswege eine Art gespannte Riesenfalle, die dann zuschnappt, wenn bestimmte Parameter wirksam werden", sagte der bekannte Tunnelexperte Univ.-Lektor Dr. Otto Widetschek in einem Informationsgespräch des Grazer Brandschutzforums vor Fachleuten in der Steirischen Landeshauptstadt. Diese Bauwerke sind seit jeher der größte Sündenfall der Tunnelplaner gewesen und müssen, seiner Meinung, so rasch als möglich saniert werden. Als derzeit gefährlichsten Straßentunnel Österreichs bezeichnete Widetschek in diesem Zusammenhang den über 8 km langen, einröhrigen Gleinalmtunnel in der Steiermark.

"Der Tunnelbrandschutz muss endlich als umfassendes Konzept gesehen werden", sagte der Referent. Mit Rumpelstreifen, besserer Beleuchtung und verstärkten Lüftungsanlagen habe man zwar in den letzten Jahren einiges an Sicherheit erreicht, es werden sich jedoch alleine dadurch in Zukunft größere Tunnelkatastrophen nicht vermeiden lassen. Wichtig wäre es, die Flucht- und Rettungswege weiter zu verkleinern, automatische Löschanlagen zu installieren sowie eigene Betriebsfeuerwehren in bestimmten Autobahnmeistereien und Tunnelwarten einzurichten.

Ein besonderes Augenmerk muss auch dem Transport gefährlicher Güter zugemessen werden. Im Straßenverkehr steht aus der Sicht der Feuerwehren die Identifizierung der transportierten gefährlichen Substanzen mit automatischen Erkennungssystemen im Vordergrund. Denn nur mit der Forderung von Begleitfahrzeugen, die in manchen Fällen sogar kontraproduktiv gesehen werden muss, kann ein Chemieunfall nicht wirkungsvoll verhindert werden.

In langen, einröhrigen Eisenbahntunnelanlagen stellen Brände von Kesselwaggons mit brennbaren Flüssigkeiten, Gasen und toxischen Substanzen einen Albtraum dar, mit welchem man sich in Zukunft ebenfalls intensiver befassen wird müssen. Nicht nur Brände, sondern auch Chemieunfälle in Tunnelanlagen sind also heute als Unfall- und Katastrophenszenarium zu diskutieren! Auch daraus folgt: Die Tunnelsicherheit ist ein komplexes Problem, welche nur durch umfassende Konzepte realisiert werden kann!

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