26. KFG-NOVELLE: BEDEUTENDER SCHRITT FÜR MEHR VERKEHRSSICHERHEIT

Fahren mit Licht am Tag soll endlich auch in Österreich Pflicht werden - 1:1- statt 3:2-Zählregel bringt mehr Sicherheit für Kinder in Bussen

Wien (OTS) - Morgen behandelt der Ministerrat die 26. Novelle des Kraftfahrgesetzes. "Diese KFG-Novelle ist ein Meilenstein der Verkehrssicherheit: Mit ihr zieht Österreich sowohl bei Fahren mit Licht am Tag als auch bei der Zählregelung von Kindern im Bus mit dem Gros der anderen europäischen Staaten gleich", freut sich Dr. Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). Sollte die KFG-Novelle wie vorgelegt in Kraft treten, würden damit wesentliche Forderungen des KfV berücksichtigt werden.

Was lange währt, wird endlich gut: Verpflichtendes Fahren mit Licht am Tag

"Licht an!" soll es zukünftig für alle Kfz-Lenker auch tagsüber heißen - selbst wenn die Sicht nicht durch Regen, Schneefall oder Nebel behindert wird. In der 26. KFG-Novelle schlägt sich damit ein Trend nieder, der in anderen europäischen Ländern teils bereits seit den 1970er Jahren einen wertvollen Beitrag zur Senkung der Unfallzahlen leistet. "Fahren mit Licht am Tag ist eine vergleichsweise wenig aufwendige Verkehrssicherheitsmaßnahme. Trotzdem hat es fast 20 Jahre gedauert, sie in Österreich zu etablieren. Die nun anstehende gesetzliche Verankerung der verpflichtenden Verwendung von Licht am Tag ist ein lange fälliger Schritt zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, den das KfV aufs Ausdrücklichste begrüßt", betont Thann.

Obwohl zahlreiche Untersuchungen - darunter auch eine 2004 publizierte Studie der Europäischen Kommission - immer wieder das Potenzial und die Vorteile von Fahren mit Licht am Tag unterstrichen, war die Sicherheitsmaßnahme für manche anfangs schwer zu begreifen:
Mit genügend Aufmerksamkeit, könnte man meinen, sieht man doch die anderen Verkehrsteilnehmer im Tageslicht. Trotzdem wird nach Durchsicht von Polizeiberichten klar, dass bei zahlreichen Unfällen mit mehreren Beteiligten Gegenstände oder Situationen nicht oder zu spät wahrgenommen wurden. "Ich habe ihn einfach nicht gesehen!" oder "Der andere hat mich offenbar zu spät bemerkt!" liest man nicht selten. Kein Wunder: Etwa 95 Prozent der Informationen im Straßenverkehr werden durch die Augen wahrgenommen. Die schnelle Wahrnehmung von anderen Verkehrsteilnehmern und das damit verbundene rechtzeitige Erkennen von gefährlichen Situationen ist daher entscheidend für ein unfallfreies und sicheres Verhalten im komplexen System des Straßenverkehrs. Ein Verzicht auf die Maßnahme Fahren mit Licht am Tag wäre also fatal. "Fahren mit Licht am Tag rettet nicht nur rund 30 Menschen jährlich das Leben, sondern bietet auch volkswirtschaftlich das enorme Einsparungspotenzial von mindestens 24 Millionen Euro", unterstreicht Thann.

Dass wirklich alle Verkehrsteilnehmer von Fahren mit Licht am Tag profitieren, zeigt die folgende Übersicht der Vorteile:
- Speziell für Autofahrer: Vermeidung von Kreuzungsunfällen und Verringerung von Frontalunfällen bei Überholvorhängen. Reduktion der Unfallschwere.
- Speziell für Motorradfahrer: Schnellere Wahrnehmung von Fahrzeugen gerade auch im peripheren Sehbereich, bessere Distanzschätzung.
- Speziell für Fußgänger und Radfahrer: Mehr Sicherheit beim Überqueren der Fahrbahn durch schnellere Wahrnehmung beleuchteter Fahrzeuge.
- Speziell für Kinder: Bessere Wahrnehmung auffälliger Objekte, besonders in den Augenwinkeln.
- Speziell für Senioren: Teilweise Ausgleich der verminderten Sehkraft durch beleuchtete Fahrzeuge.
- Speziell für den Staatshaushalt: Einsparung von mindestens 24,2 Millionen Euro. Fahren mit Licht am Tag bringt konservativen Schätzungen zufolge bis zu zweimal mehr als es kostet.
- Für alle Familien: Rettung von 30 Menschenleben pro Jahr.

Mehr Kindersicherheit in Bussen mit 1:1 statt 3:2

Ebenfalls ein wichtiger Erfolg der 26. KFG-Novelle wäre das Fallen der paradoxen 3:2-Regelung im Gelegenheitsbusverkehr. Bisher galt in allen Bussen - egal ob Linien- oder Gelegenheitsverkehr: Drei Kinder zwischen sechs und 14 Jahre zählen wie zwei Erwachsene, Kinder bis sechs Jahren werden überhaupt nicht mitgezählt. Diese abstruse Regelung bedeutet für viele Kinder ein erhöhtes Verletzungsrisiko, beispielsweise bei einer Notbremsung, schließlich konnte man bisher ganz legal mindestens 50 Prozent mehr Kinder transportieren als die Gesamtzahl an Fahrgästen, für die der Bus eigentlich zugelassen ist! Besonders paradox: Seit 2001 müssen alle neu zugelassenen Busse mit mehr als neun Plätzen mit Gurten ausgestattet sein, die auch angelegt werden müssen - das ist jedoch nicht möglich, solange nicht jedes Kind über einen eigenen Sitzplatz im Bus verfügt. Damit würde die 26. KFG-Novelle zumindest im Gelegenheitsverkehr nun endlich Schluss machen: Jedes Kind muss dann einen eigenen Sitzplatz haben, 1:1 statt 3:2 heißt die Devise! Die Einführung der neuen Zählregel bringt mehr Sicherheit für Kinder in Bussen. Kinder können sich nun ordnungsgemäß sichern und sind somit im Falle eines Verkehrsunfalls geschützter. Außerdem können Verletzungen infolge von Stolper- und Sturzunfällen oder Drängeleien vermieden werden. "Entscheidend ist, dass es zu keiner weiteren Aufweichung dieser Regelung kommt. Einzige Ausnahme der 1:1-Zählung von Kindern in Bussen darf nur der Linienverkehr sein. Bei einer weiteren Einschränkung - etwa bei täglich stattfindenden privaten Schülertransporten - wäre kaum mehr eine Verbesserung der Kindersicherheit in Bussen gegeben", fordert Thann.

Die Schweiz, Slowenien, Finnland, Frankreich, Deutschland, die Niederlande, Spanien, Tschechien und Belgien haben bereits erkannt, dass eine 1:1-Regelung sinnvoll ist, um überfüllten Bussen Einhalt zu gebieten. Lediglich Irland, Portugal und Großbritannien verfolgen -trotz aller bekannter Risiken und Gefahren - noch immer eine 3:2-Regelung für Kindertransporte.

Wien, 08.06.2005

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