• 04.06.2005, 13:34:47
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11. Europaforum Wachau eröffnet

Pröll: Europäische Ziele nur mit regionaler Bodenhaftung zu erreichen

Göttweig (OTS) - In der Benediktinerabtei Göttweig findet an
diesem Wochenende unter dem Titel "Perspektiven für die Zukunft -
Europa ein Jahr nach der Erweiterung" das mittlerweile 11.
Europaforum Wachau statt. Die Europäische Tradition des
Meinungsaustausches am Göttweiger Berg diene dazu, in einer
Diskussionsplattform Europa kompakter, besser und stabiler zu
gestalten und den Kern des europäischen Geistes im Herzen zu spüren,
betonte dabei Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll.

Zur Bilanz nach einem Jahr EU-Erweiterung und 10 Jahren
österreichischer EU-Mitgliedschaft sagte der Landeshauptmann, dass
die EU-Erweiterung Niederösterreich, das sich intensiv positioniert
und penibel vorbereitet habe, viel Positives gebracht habe. Das Land
habe wieder Nachbarn bekommen, wirtschaftlich profitiert, Handel und
Tourismus seien intensiv befruchtet, neue Netzwerke im europäischen
Raum gestaltet worden. Die EU-Erweiterung sei aber nicht nur
ökonomisch gesehen ein absoluter Fortschritt, sondern auch für den
europäischen Grundgedanken unter einem gemeinsamen Dach zu wohnen. Es
gäbe keine zweite Region in Europa, wo das Zusammenwachsen so
unmittelbar spürbar und zu sehen sei wie in Niederösterreich.

Gleichzeitig erscheine, so Pröll weiter, Europa in der
Öffentlichkeit immer gegensätzlicher und widersprüchlicher: Die
Einigung gehe flott voran, das europäische Bewusstsein bleibe auf der
Strecke, der Wohlstand in Europa werde immer größer, gleichzeitig
aber auch Arbeitslosigkeit und soziale Spannungen, Europa werde von
immer mehr Verantwortungsträgern gemacht, immer mehr Menschen
könnten damit aber immer weniger anfangen. Um aus dieser europäischen
Depressionsphase herauszukommen, dürfe Europa nicht die Summe der
EU-Organe, sondern müsse ein Produkt menschlichen Zusammenlebens
sein. Die EU müsse eine Union der Bürger für Bürger und nicht der
Staaten, gemacht von Bürokraten sein.

Zudem müssten mit ehrlichem Verständnis für die Regionen des
Kontinents Vielfalt und Unterschiedlichkeit als Motor des
Zusammenwachsens akzeptiert werden, Einheit aus Vielfalt sei die
stärkste Klammer für Europa. Wenn Europa ohne Provinzialismus oder
Nationalismus als "Große Ausgabe der unmittelbaren Heimat" gestaltet
werde, wo sich die Menschen zu Hause, sicher und geborgen fühlen,
werde dies auch zu Identifikation mit bzw. Bekenntnis zu Europa
führen. Europäische Ziele seien nur mit regionaler Bodenhaftung zu
erreichen, so der Landeshauptmann abschließend.

Landesrätin Mag. Johanna Mikl-Leitner, Präsidentin des
Europaforum, erinnerte an den jahrhundertelangen Traum der
friedlichen Vereinigung Europas. Jetzt sei es wichtig, das "Haus
Europa" mit Feinschliff zu perfektionieren, nachdem es zuletzt zu
einem "Abbröckeln des Putzes" gekommen sei. Es sei notwendig, dass
Europa aus dieser Niederlage lerne und sich der Bürgernähe annehme.
Die EU müsse demokratischer, transparenter, effizienter werden und
eine gemeinsame Stimme finden.

Außenministerin Dr. Ursula Plassnik nannte das französische und
niederländische Nein einen Warnschuss, der Europa vor eine große
Bewährungsprobe stelle. Gefragt seien jetzt eine "neue europäische
Aufmerksamkeit nach innen" sowie eine nüchterne und unaufgeregte
Analyse. Der Platz dürfe jetzt nicht "Wunderheilern, Besserwissern
und Sündenbockjägern" überlassen werden. Mit technokratischen
Reparaturen werde der "europäische Zorn" nur größer, Aufrufe zu einem
sofortigen Ratifikationsstopp seien ebenso unzulässig wie eine
"Verfassung Light".

Der türkische Außenminister Abdullah Gül sagte, die Stärke der EU
sei der Mehrwert, den jedes Mitgliedsland einbringe. Der europäische
Einigungsprozess habe immer Rückschläge wie die letzten beiden
Referenden überwunden, die gemeinsame Zukunft liege in einem Europa,
das dank der "Kultur des Kompromisses" stark und einig sei. Ein
EU-Beitritt der Türkei wäre nicht nur eine weitere Erweiterung,
sondern ein wichtiger Beitrag zur Nachbarschaftspolitik der EU vom
Nahen Osten bis zum Kaukasus.

Vuk Draskovic, Außenminister von Serbien und Montenegro, sprach
von der historischen Chance und Verpflichtung, jene Barrieren
abzubauen, die bisher verhindert hätten, dass "alle Blumen Europas in
einem Strauß zusammengefasst" werden können. Nur in einem
demokratischen Europa interdependenter Regionen könne am Balkan das
schwere Erbe abgelegt und eine gemeinsame Zukunft begonnen werden.

Rückfragehinweis:
Niederösterreichische Landesregierung
Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit und Pressedienst
Tel.: 02742/9005
http://www.noe.gv.at/nlk

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