ÖGB: Erfolgsmodell Berufsreifeprüfung schwer in Gefahr

Geplante Gesetzesänderungen mindern die Attraktivität und machen die Prüfungen teurer

Wien (ÖGB) - Heute, Dienstag, endet die Begutachtungsfrist zu insgesamt elf Änderungen der Schulgesetze. Darunter befindet sich auch ein Entwurf zur Änderung des Bundesgesetzes über die Berufsreifeprüfung. Der Entwurf zielt darauf ab, die Attraktivität dieser Möglichkeit zur Höherqualifizierung zu schmälern.
"Der vorliegende Entwurf bringt das bildungspolitische Erfolgsmodell Berufsreifeprüfung schwer in Gefahr." ist Alexander Prischl, Leiter des Referates für Berufsbildung im ÖGB, besorgt. ++++

Die Berufsreifeprüfung wurde 1997 auf Initiative der Sozialpartner von Bildungsministerin Gehrer verwirklicht, wofür sie auch mit der höchsten Auszeichnung, die der ÖGB im Bereich der Berufsbildung zu vergeben hat, dem Anton-Benya-Preis, ausgezeichnet wurde.

Mit dem Instrument der Berufsreifeprüfung ist es gelungen, AbsolventInnen von Lehrberufen und anderen berufsbildenden mittleren Ausbildungen den Weg zur Hochschulreife zu ebnen. Bis heute ist diese Möglichkeit der Durchlässigkeit auch ein international anerkanntes und beachtetes Modell, indem sich derzeit rund 6.000 KandidatInnen höher qualifizieren.

Der vorliegende Gesetzesentwurf würde zu zahlreichen Verschlechterungen führen:

O AbsolventInnen vierjähriger Lehrberufe mit ausgezeichnetem Erfolg wurde bis jetzt die Fachbereichsprüfung (eine von insgesamt vier Prüfungen) angerechnet. In Zukunft ist von diesen auch darüber eine Prüfung abzulegen.

O Durch die Einführung von Schriftführern bei den schulischen Prüfungen werden die KandidatInnen durch die entstehenden zusätzlichen Prüfungstaxen noch stärker finanziell belastet. Die schon jetzt hohen Kosten für die TeilnehmerInnen von 2.000 bis 3.000 Euro erhöhen sich dadurch weiter!

O Durch Prüfungsvorsitzende, die in Zukunft vom Landesschulrat für die Vorbereitungskurse bei den Erwachsenenbildungseinrichtungen namhaft gemacht werden sollen, kommt es zu einem bürokratischen Mehraufwand und einer Verschlechterung bei der Festlegung der Prüfungstermine. Prüfungen direkt im Anschluss an den Lehrgang, an Tagen, die den hauptsächlich berufstätigen KandidatInnen entgegen kommen, werden fast unmöglich.

O Keine echte Qualitätssicherung, z. B. durch verpflichtende Eingabe der Prüfungsthemen vorab an die Schulbehörde, stichprobenartige Kontrolle der schriftlichen Prüfungsarbeiten durch die Schulbehörde oder durch Wahrnehmung der bereits jetzt bestehenden Möglichkeit durch die Schulbehörde an den Prüfungen teilzunehmen, sondern Aufbau von bürokratischen Hürden.

"Für 60 Prozent eines Altersjahrganges, die eine berufliche Ausbildung absolvieren, verschlechtern sich dadurch die Rahmenbedingungen für die Weiterqualifizierung", stellt Prischl fest. Wenn man die Maturantenquote der skandinavischen Länder (mehr als 70 Prozent) erreichen möchte, wird man mit solchen Maßnahmen von den derzeitigen 39 Prozent in Österreich nicht von der Stelle kommen.

Der ÖGB fordert die Bildungsministerin auf, den Entwurf zurück zu stellen und in einem Dialog rasch mit den Sozialpartnern und den Erwachsenenbildungseinrichtungen an einer positiven Weiterentwicklung der Berufsreifeprüfung zu arbeiten.

"In einer Zeit, wo auf europäischer Ebene lebensbegleitendes Lernen und die Anerkennung von beruflichen Qualifikationen bedeutende Themen sind, ist es bildungspolitisch unverantwortlich, ein bewährtes Modell so zu gefährden", so Alexander Prischl. "Ich lade die Frau Bildungsministerin ein, gemeinsam mit uns bis Herbst eine Reform zur Weiterentwicklung der Berufsreifeprüfung auszuarbeiten" sagt Prischl abschließend.

ÖGB, 31. Mai
2005
Nr. 349

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