Industrie und Junge Wirtschaft drängen auf steuerliche Verbesserungen bei der Betriebsübergabe

Industrie fordert 75%igen Bewertungsabschlag für Betriebsvermögen - Junge Wirtschaft verlangt Beteiligungsfreibetrag

Wien (PWK384) - Auf eine rasche Umsetzung einer Reihe von Forderungen zur Betriebsübergabe drängen die Bundessparte Industrie der Wirtschaftskammer Österreich und die Junge Wirtschaft: Bereits seit geraumer Zeit sei bekannt, dass im Zeitraum 2004 bis 2010 an die 52.000 Unternehmen zu Übergabe anstehen. Wesentliche Punkte, um insbesondere im Steuerbereich Erleichterungen für Betriebsnachfolger zu erreichen, seien noch offen. "In der Industrie wissen wir, dass ein Großteil der Betriebe Familienunternehmen sind, deshalb bedarf es hier rasch Verbesserungen. Deutschland ist auf diesen Zug angesichts der aktuellen Erbschaftsteuerdiskussion bereits aufgesprungen", betont der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie, Wolfgang Damianisch.

Hauptforderung der Industrie ist die Einführung eines Bewertungsabschlags für Betriebsvermögen in der Höhe von 75 Prozent. "Ich glaube dass wir als flankierende Maßnahme für Basel II bzw. zur Gleichstellung der erbschaftssteuermäßigen Behandlung von Betriebsvermögen mit Grund und Boden (Einheitswert) bzw. dem Stiftungsrecht sehr rasch aktiv werden müssen", so Damianisch.

Sinnvoll ist dies nicht nur für die Unternehmenserhaltung, weil es zur Entrichtung der Erbschaftsteuer oft notwendig ist, Entnahmen aus dem Betrieb zu Lasten der betrieblichen Substanz vorzunehmen. Es dient auch der Erhaltung des Familieneigentums, weil eine überzogene Erbschaftsbesteuerung oftmals dazu führt, dass das Unternehmen an Dritte veräußert werden muss. "Und es bedeutet eine Stärkung des Risikokapitals, weil ansonst die Eigenkapitaldecke verkürzt und Fremdkapital unter Basel II-Konditionen verteuert wird", stellt der Industrie-Geschäftsführer fest.

Aus Sicht der Jungen Wirtschaft sind folgende drei Punkte prioritär: "Erstens wollen wir einen Entfall auf die Lohnnebenkosten für die Dauer von 12 Monaten. Zweitens geht es uns um eine Erhöhung des Freibetrages bei einer unentgeltlichen Übergabe von 365.000 Euro auf eine Million Euro. Und drittens fordert die Junge Wirtschaft ein Beteiligungsfreibetragsmodell", so Peter Lehner, Bundesvorsitzender der Jungen Wirtschaft.

Gültig sein soll die Lohnnebenkostenreduktion für jeden zusätzlichen Mitarbeiter, der in den ersten 3 Jahren aufgenommen wird, im Vergleich zur durchschnittlichen Mitarbeiteranzahl der letzten 3 Jahre. Betroffene Lohnnebenkosten sind Dienstgeberbeiträge und Zuschläge zum Dienstgeberbeitrag, Wohnbauförderungsbeiträge des/der ArbeitgeberIn, Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung.

Bei der Einführung eines Beteiligungsfreibetrages geht es der Jungen Wirtschaft um ein neues Finanzierungsmodell, das angesichts der immer komplexer werdenden Kreditsituation bei einem entsprechenden Kapitalbedarf wirksam ist. Bei Übergaben bietet sich die Chance bereits bestehende Mitarbeiter zu Mitunternehmern zu machen. In Summe soll es sich jährlich um 10.000 Euro handeln, die steuerlich begünstigt werden. Bei der Gewinnsteuer soll es zur selben Besteuerung wie am Sparbuch mit 25 Prozent kommen. Investitionen sollen nach dem Modell der Jungen Wirtschaft bis zu 100.000 Euro mit einer 80 % Garantie durch die AWS abgesichert sein. Das Risiko des Kapitalgebers liegt bei 20 % seiner Investition. "Ich denke, dass wir mit diesem Modell einen wichtigen Schritt in Richtung eines modernen Kapitalmarkts gehen können", gibt sich Lehner zuversichtlich. (us)

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