Verlustgeschäft private Altersvorsorge

Wien (AKNÖ) - Bei den Konsumentenschützern der Niederösterreichischen Arbeiterkammer steigen die Anfragen zum Thema Altersvorsorge kontinuierlich an. Der Grund: Die Konsumenten werden von Versicherungs-, Finanz- aber auch Bankberatern immer wieder zur Auflösung bestehender Altersvorsorgeverträge gedrängt. Gleichzeitig werden sie aufgefordert, wiederum neue, noch langfristigere Verträge abzuschließen. Berater bzw. Finanzdienstleistungsunternehmen schlagen daraus Kapital.

Ein Extrembeispiel: Eine Verbraucherin aus dem Bezirk Gänserndorf hatte zwei seit 3 bzw. 8 Jahren bestehende Lebensversicherungsverträge. Diese löste sie aufgrund eines kurzfristigen Finanzierungsbedarfes auf. Unmittelbar danach lässt sie sich von einem Berater eine Lebensversicherung und einen Fondssparvertrag aufschwatzen und löst den schon länger besparten Bausparvertrag auf. Der Clou an der Geschichte: Sie wird selbst als Beraterin für diese Firma tätig. Nach nur einem halben Jahr erkennt sie, mit welch unseriösen Methoden das Unternehmen arbeitet, stoppt alle Vermittlungstätigkeiten und kündigt die beiden Produkte unter hohen Verlusten. Weil sie aber befürchtet, mit der gesetzlichen Pension nicht über die Runden zu kommen, schließt sie erneut einen Lebensversicherungsvertrag und eine prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge ab. Für die 30-jährige Konsumentin bedeutet das einen enormen finanziellen Verlust. Sie verliert aufgrund der vorzeitigen Auflösung der langfristigen Verträge Teile des bzw. bei manchen Produkten sogar das ganze einbezahlte Kapital. Dazu muss noch die Verzinsung, der Anteilsgewinn, gerechnet werden, den sie bei Einhaltung eines der ursprünglichen Verträge lukriert hätte.

Warum profitiert die Finanzdienstleistungsbranche von der vorzeitigen Auflösung von Altersvorsorgeverträgen? Einerseits kassieren die Berater trotz frühzeitiger Auflösung zumindest einen Teil der Provision, andererseits werden die von den Finanzdienstleistungsanbietern zumeist auf längere Laufzeit kalkulierten und zu Vertragsbeginn abgezogenen Kosten den Konsumenten nicht mehr gutgeschrieben. Das macht bei der Masse an frühzeitig stornierten Verträgen ein saftiges Körberlgeld aus.

Uninformierte Konsumenten und fehlende Transparenz

Thomas Grünberger, AKNÖ-Vorsorgeexperte, sieht mehrere Gründe für Fehlabschlüsse: "Die Verbraucher sind einerseits durch das unüberschaubare Vorsorgeangebot überfordert, andererseits fehlt ihnen oft die notwendige Information, um die zahlreichen Angebote der privaten Pensionsvorsorge bedarfsgerecht zu bewerten. Den Verbrauchern bleibt vielfach nur die Möglichkeit, sich auf schönfärberische Hochglanzprospekte und Informationen der Berater zu verlassen - leider werden diese Vertrauensverhältnisse immer wieder ausgenutzt." Denn vielfach steht mehr das eigene Provisionsinteresse des Beraters als eine maßgeschneiderte, objektive Information im Vordergrund.

Rahmenbedingungen für die Eigenvorsorge

AKNÖ-Präsident Josef Staudinger kritisiert die Untätigkeit des Gesetzgebers in wichtigen Bereichen. Zwar gibt es selbst auf EU-Ebene (Beispiel: Vermittlerrichtlinie) immer wieder Ansätze, die Probleme über eine Regulierung des Vertriebes in den Griff zu bekommen. Diese Reglementierungen bringen aber nur geringe Verbesserungen, denn mit derartigen Richtlinien werden zwar die Symptome, aber nicht die Ursachen wie Unübersichtlichkeit der Produkte, die Kostenintransparenz und die Unvergleichbarkeit der verschiedenen Produktgruppen bekämpft. Daher lautet die Forderung von AKNÖ-Präsident Staudinger: "Nach unserer Ansicht sollen die Gesellschaften zu Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei allen Produkten der dritten Säule verpflichtet werden."

Die Menschen einfach auf private Vorsorge zu verweisen, deren Risiken jeder Einzelne für sich selbst tragen muss, wird nicht reichen. Der Staat darf nicht nur mit der Propagierung ständig neuer Produktideen Gratiswerbung für die Finanzdienstleistungsbranche betreiben, sondern er ist verpflichtet, durch entsprechende Rahmenbedingungen für die sogenannte 3. Säule (private Altersvorsorge) überhaupt erst einen funktionierenden Vorsorge-Markt zu schaffen. Das bedeutet zuallererst das Ungleichgewicht zwischen den Gesellschaften und den Verbrauchern zu beseitigen. AKNÖ-Präsident Staudinger: "Es ist Zeit, nicht nur an den einzelnen Beratern herumzukritisieren , sondern die Verursacher, also die Finanzgesellschaften, zur Verantwortung zu ziehen." Denn die Verzögerung einer entsprechenden Regulierung verschaffe unseriösen Gesellschaften zusätzliche Gewinne und entzieht den Verbrauchern bzw. den Vorsorgewilligen notwendiges Altersvorsorgekapital.

Tipps zur Altersvorsorge

Die Niederösterreichische Arbeiterkammer hat aufgrund der steigenden Anfragen ganz aktuell einen Informations-Folder herausgebracht, der den Konsumenten helfen soll, auf keinen Fall auch nur einen Cent zuviel an Kosten für schlechte Berater oder an ein falsches Produkt zu verschwenden. Unter der Servicenummer 05 7171-1212 kann er kostenlos angefordert werden.

Rückfragen & Kontakt:

AKNÖ-Konsumentenberatung
Thomas Grünberger: 05 7171-1334
mailto: konsumentenberatung@aknoe.at
http://noe.arbeiterkammer.at

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