Güterbeförderungs-Obmann Glisic legt Forderungsprogramm vor

Sorgenkind digitales Kontrollgerät: Fachverband mit Nachdruck gegen "Europa der zwei Geschwindigkeiten" - Drastischer Anstieg von Lkw-Diebstählen erfordert rasche Maßnahmen

Wien (PWK368) - Das österreichische Güterbeförderungsgewerbe kommt durch die hohe Steuerbelastung im Inland sowie als Folge der EU-Erweiterung zunehmend unter Druck.

Im Interesse der rund 12.000 heimischen Transporteure, die mit 40.000 bis 50.000 Lkw Bevölkerung und Wirtschaft mit den täglich benötigten Gütern versorgen, hat der Fachverband Güterbeförderung ein aktualisiertes Forderungsprogramm erarbeitet. Dieses wurde heute, Montag, vom neuen Obmann des Fachverbandes, Ing. Nikolaus Glisic, Obmann-Stellvertreter Heinz Schierhuber und Fachverbandsgeschäftsführer Rudolf-Christian Bauer der Öffentlichkeit vorgestellt. Sorgen bereiten der Branche insbesondere die bevorstehende Einführung des digitalen Kontrollgerätes für Lkw - wo ein österreichischer Alleingang befürchtet wird - sowie die beunruhige Zunahme der Lkw-Diebstähle nicht nur im Ausland, sondern in jüngster Zeit auch in Österreich selbst.

Die Lage der Branche ist nach den Worten Glisics "bescheiden, aber nicht hoffnungslos". Das Güterbeförderungsgewerbe leidet sehr unter der durch Kraftfahrzeugsteuer und hohe Lohnnebenkosten bedingten Wettbewerbverzerrung. "Wir sind von EU-Erweiterungsländern umzingelt, deren Kostenniveau um bis zu fünfzig Prozent niedriger ist", skizziert Glisic die schwierige Ausgangslage. Die Folge sind immer mehr "Ausflaggungen" ins nahe Ausland - wodurch dem österreichischen Staat beträchtliche Steuereinnahmen verloren gehen - sowie letztlich auch mehr Insolvenzen. Nach 345 Fällen im gesamten Vorjahr liegt die Zahl im ersten Quartal d.J. bereits bei rund 150. "Heuer dürfte sicher ein Rekordwert von 600 bis 700 Fällen erreicht werden", befürchtet Glisic. Ohne Senkung der Lohnnebenkosten werde es nicht möglich sein, marktgerechte Wettbewerbsverhältnisse und damit eine Stabilisierung der Branche herzustellen.

Ein sozialpartnerschaftliches Anliegen ist die Einführung des digitalen Kontrollgeräts nur im europäischen Gleichklang. "Eine effiziente Kontrolle der Sozialvorschriften ist nur dann zu erwarten, wenn alle 25 EU-Mitgliedsstaaten die Geräte gleichzeitig und in harmonisierter Weise einführen", betonte der Vorsitzende des Nutzerbeirates, Obmann-Stv. Schierhuber, mit Nachdruck. Einen Alleingang Österreichs (oder einiger weniger Länder) und damit ein "Europa der zwei Geschwindigkeiten" lehnt der Fachverband entschieden ab. Der Fachverband fordert eine klare Positionierung der heimischen Politik in dieser drängenden Frage - als Einführungsdatum gilt der 5. August 2005 -, um Rechtsunsicherheit zu vermeiden.
Eine Verschiebung um ein Jahr würde den vielen säumigen EU-Ländern (darunter Portugal, Belgien, Ungarn, Tschechien, Slowakei und Polen) noch die Möglichkeit geben, die technisch und organisatorisch komplexen Geräte zu erproben und Fahrer- und Unternehmerkarten rechtzeitig auszugeben.

Zum Thema EU-Kabotage hält das Forderungsprogramm des Fachverbandes fest, dass die im EU-Erweiterungsvertrag vorgesehenen Übergangsfristen (fünf Jahre) für das Kabotageverbot maximal ausgeschöpft werden sollten. Mittelfristig (spätestens ab 2011) drohe, so Glisic, einem Viertel der heimischen Transportunternehmen das Aus.

Als "bedenkliches Phänomen, das nicht weiter eskalieren darf", bezeichnete Fachverbands-Geschäftsführer Rudolf-Christian Bauer den drastischen Anstieg von Lkw-Diebstählen: "Hier muss ganz dringend etwas geschehen". Abhilfe oder zumindest eine Verbesserung der Situation soll ein Sonderkonzept schaffen, das gemeinsam mit Exekutive, Fahrzeughandel und -industrie ausgearbeitet werden soll. Derzeit fehle es leider, so Bauer, noch an Problembewusstsein bei der Exekutive. Notwendig seien vermehrte Kontrollen, die sich nicht nur auf den technischen Fahrzeugzustand beziehen, sowie eine bessere Parkplatzinfrastruktur (nicht nur auf Autobahnen). Die Diebstähle hätten seit rund eineinhalb Jahren besonders stark zugenommen.

Wie Glisic abschließend mitteilte, startet mit heutigem Tag eine TV-Kampagne, um das Image der "Friends on the road" beim breiten Publikum (Botschaft: "Wir bringen, was Sie täglich brauchen") zu verbessern. Auftraggeberin ist die Arbeitsgemeinschaft LogCom. Die Kampagne läuft im Hauptabendprogramm ab 14 Uhr im Österreich-Werbefenster der Privatfernsehanstalten RTL, SAT 1, PRO7 und Kabel 1. Kampagnenzeitraum ist der 23.5 bis 10.7 und der 19.9. bis 30.11. 2005. (hp)

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Fachverband für das Güterbeförderungsgewerbe
Mag. Rudolf Bauer
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