Mangelnde Transparenz bei Tsunami-Wiederaufbauhilfe des Bundes

AGEZ fordert integriertes Konzept für Soforthilfe nach Katastrophen und langfristiger Entwicklungszusammenarbeit

Wien (OTS) - Fünf Monate nach der Tsunami-Flutkatastrophe in Südostasien ist noch immer unklar, aus welchen Quellen die vom Bund für den Zeitraum von drei Jahren zugesagten 34 Mio. Euro (von insgesamt 50 Mio. Euro zusammen mit Ländern, Städten und Gemeinden) an Soforthilfe und Wiederaufbaumaßnahmen in der vom Tsunami betroffenen Region stammen sollen. "Zwar werden auf der Homepage des Bundeskanzleramts geförderte Projekte veröffentlicht, doch daraus sind nur 8,1 Mio. Euro von den zugesagten 34 Mio. Euro Unterstützung seitens des Bundes ersichtlich", kritisiert AGEZ-Geschäftsführerin Elfriede Schachner.

Mangelnde Transparenz bei Herkunft der Bundesmittel

Die AGEZ, als Dachverband von 30 entwicklungspolitischen NGOs, hat die Zusage des Bundes, Mittel für Nothilfe zur Verfügung zu stellen, sehr begrüßt. Die NGOs hoffen jedoch, dass diese Mittel für die Flutopfer aus zusätzlichen Budgets finanziert werden und nicht aus dem ohnehin schon knapp dotierten Entwicklungszusammenarbeits-Budget. Um diesbezügliche Zweifel auszuräumen, fordern die NGOs im Sinne der Transparenz eine detaillierte Aufschlüsselung der Finanzierungsquellen der zugesagten Hilfsgelder. Mit Ausnahme der Million aus dem Innenministerium handelt es sich bei keinem der Budgetposten um zusätzliches Geld. Die AGEZ fürchtet daher, dass auch der im BMaA neu einzurichtende "Hilfsfonds für Katastrophenfälle im Ausland" aus regulären EZA-Mitteln gespeist werden könnte, was zu Lasten der ärmsten Länder der Welt gehen würde.

Integriertes Konzept für Soforthilfe und langfristige EZA

Während bis in die 80er Jahre hinein das Motto galt, dass die Entwicklungszusammenarbeit (EZA) erst dann ins Spiel kommt, wenn die Krisensituation als bewältigt gilt bzw. die Rehabilitationsarbeiten abgeschlossen sind, so sind sich heute ExpertInnen einig, dass die Verknüpfung von Katastrophenhilfe und Wiederaufbauarbeit mit der langfristig angelegten EZA wichtig ist. Doch, so Norman Spitzegger, stellvertretender AGEZ-Vorsitzender, "es fehlt an Plan und Maßnahmen". Die Einrichtung des Katastrophenhilfefonds sollte daher Anlass sein, ein integriertes Konzept unter Einbeziehung der Erfahrungen der Soforthilfe- sowie der EZA-Organisationen zu entwickeln.

Erkenntnisse der österreichischen EZA rund fünf Jahre nach den Naturkatastrophen in Nikaragua und Mosambik zeigen deutlich, dass das unmittelbare Ineinandergreifen von Nothilfe, Wiederaufbaumaßnahmen und EZA einerseits entscheidend für die erfolgreiche Bewältigung der Auswirkungen der Katastrophe sowie andererseits unabdingbar für die gute längerfristige und nachhaltige Entwicklung sind.

Die Anbindung der EZA an die Nothilfe und den Wiederaufbau ist notwendig und sinnvoll, weil die EZA-AkteurInnen in der Regel über ein profundes Wissen über soziokulturelle, ökonomische und politische Gegebenheiten vor Ort verfügen, Dynamiken und Potentiale kennen und in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen auf eine partizipative, frauenfördernde und angepasste Ausgestaltung der Kooperation achten.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Elfriede Schachner, AGEZ-Geschäftsführerin
Tel: 01/317 40 16 oder 0699 107 66 216;
www.agez.at; office@agez.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GEZ0001