Frauenkonferenz der Metallgewerkschaften aus aller Welt

Frauenrechte und Globalisierung

Wien (OTS) - Im Vorfeld des 31. Weltkongress des Internationalen Metallgewerkschaftsbundes (IMB) vom 22. bis 25. Mai 2005 fand am Samstag, 21. Mai 2005, die IMB Frauenkonferenz statt. Rund 130 Metall-Gewerkschafterinnen aus aller Welt diskutierten zu den Themen mehr Rechte für Frauen, gerechte Einkommen und Arbeitsbedingungen.

Millionen von Frauen auf aller Welt werden zu niedrigen Löhnen beschäftigt, werden entlassen, wenn sie heiraten oder Kinder bekommen, werden zu Schwangerschaftstests gezwungen, warden an ihren Arbeitsplätzen diskriminiert und sexuell belästigt. Das Muster von Frauenarbeit entspricht weniger einem ganzem Leben mit Vollzeitbeschäftigung, sondern einem mit sporadischen Beschäftigungen, befristeten Anstellungen, Teilzeitarbeit oder Werkverträgen. Die Ungleichheiten bei den Einkommen von Männern und Frauen steigen, ebenso wie sich die Teilung des Arbeitsmarktes nach Geschlechtern vergrößert. Frauen arbeiten länger und härter, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, gleichzeitig ist ihre Verantwortung für die Familienarbeit nicht zurückgegangen. Vor diesem Hintergrund berieten die Delegierten Strategien gegen die negativen Folgen der Globalisierung speziell für Frauen.

Die Berichte der Delegieten aus allen Ländern hatten eines gemeinsam: dass die Globalisierung überall auf der Welt negative Folgen auf Frauen hat, und dass es überall die klassische Arbeitsteilung gibt, von Brasilien bis in die Schweiz: Niedrig qualifizierte und schlecht bezahlte Jobs für Frauen, bessere Jobs mit mehr Geld für Männer. Gisela Notz von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn kritisierte, dass die speziellen Auswirkungen auf Frauen auch von vielen Experten heute noch vernachlässigt würden. Dabei seien die geschlechtsspezifischen Folgen der Globalisierung ebenso wichtig wie die wirtschaftlichen und politischen.
Sanjyot Vadhavkar, eine Delegierte aus Indien, berichtete, dass vor allem Frauen selten in Gewerkschaften organisiert seien, und deshalb seien sie auch nicht in den Strukturen der Gewerkschaften vertreten. "Sie wissen daher sehr oft nicht einmal über ihre Rechte bescheid. Sie werden in Sonderwirtschaftszonen ausgebeutet. Wir haben oft versucht mit den Frauen in den Sonderwirtschaftszonen zu arbeiten, aber das ist sehr schwierig, denn viele haben Angst um ihre Jobs, denn Gewerkschaften sind ja dort nicht erwünscht."
Ann Donnellan aus Australien sprach darüber, dass in auch Australien immer mehr Frauen als Folge der Globalisierung in prekären Arbeitsverhältnissen sind. "Die Frauen, die zum Beispiel befristete Arbeitsverträge haben, haben oft kein Recht auf Sozialleistungen, Urlaub oder Arbeitslosenunterstützung." Auch sie berichtete, dass viele Frauen nicht in Gewerkschaften organisiert sind. "Wir haben dafür mehrere Kampagnen zu den verschiedensten Themen gemacht und Projekte entwickelt, die ganz speziell die Frauen angesprochen haben, um sie für die Gewerkschaft zu gewinnen."
Emilia Valente aus Brasilien konnte einen positiven Aspekt der Globalisierung nennen: "Gut ist, dass die Gender-Diskussion nun auch in den Gewerkschaften stattfindet. Wir haben Daten und Grundlagen zur Verfügung, auf die wir zugreifen können, mit denen wir argumentieren und arbeiten können. Aber auch in Brasilien spiegelt sich das Bild wider: Frauen arbeiten in schlecht bezahlten und oft sozial nicht abgesicherten Jobs."
Fabienne Blanc-Kühn aus der Schweiz berichtete, dass 80 Prozent der berufstätigen Frauen in der Schweiz im Sozialbereich tätig sind. Rund 150.000 arbeiten in der Fertigungsindustrie, vor allem in der Uhrenerzeugung. "Die Frauen dort sind unentbehrlich", sagte Blanc-Kühn ironisch, "denn sie haben zwar sehr große Erfahrungen, aber keine diplomierte Ausbildung, und sie sind daher flexible und billige Arbeitskräfte. Viele Frauen akzeptieren solche Bedingungen, die Männer niemals hinnehmen würden."

Der IMB wird in den kommenden Jahren seine Aktivitäten für Frauen verstärken. Im Rahmen des Kongresses werden erstmals 8 Frauen in den Exekutivausschuss gewählt. Und der IMB wird verstärkt mit Frauen in Freien Produktionszonen in aller Welt arbeiten, sie über ihre Rechte informieren und bei der Gründung von Gewerkschaften und Betriebsräten unterstützen.

Weitere Informationen: www.imfmetal.org/congress2005, www.metaller.at

ÖGB, 22. Mai 2005 Nr. 327

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