Greenpeace: Kein Kredit für die Ausrottung von Walen

EBRD entscheidet über Shells Ölausbeutung in Sachalin

Belgrad (OTS) - "Kein Geld für das Töten von Walen"! Greenpeace protestiert heute bei der Jahrestagung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in Belgrad gegen eine Kreditvergabe für ein Ölförderprojekt von Shell. Unter einem ölverschmierten Shell-Logo steht "Shell: Keine neue Ölbohrinsel vor Sachalin". Greenpeace richtet sich damit an die EBRD, deren Entscheidung über den Kredit unmittelbar bevorsteht. "Ein von Shell geführtes Konsortium will vor der Küste der Insel Sachalin zwölf Milliarden Dollar in das weltweit teuerste Öl- und Gasförderprojekt investieren", erklärt Jurrien Westerhof, einer von 5 österreichischen Greenpeace-Aktivisten in Belgrad. "Das hätte verheerende Auswirkungen auf die letzten hundert westpazifischen Grauwale."

"Der Schutz der Grauwale ist wichtiger als die Ölinteressen von Shell", sagt Karsten Smid, Ölexperte von Greenpeace. "Die Banker müssen dem Projekt einen Riegel vorschieben, damit der Konzern seine Interessen nicht rücksichtslos durchsetzen kann. Sie dürfen den Kredit nicht vergeben."

Die EBRD kann sich dabei auf ihre eigenen Richtlinien berufen. Projekte, die bestimmten Umweltstandards nicht genügen und die schwere Auswirkungen auf Natur und Mensch haben, darf die Bank gar nicht finanzieren.

Die Vorkommen in Sachalin werden auf insgesamt 700 Millionen Tonnen Öl und 2.500 Milliarden Kubikmeter Gas geschätzt. Die von Shell geführte "Sakhalin Energy Investment Company" will nach Presseberichten Kredite in Höhe von fünf Milliarden Euro aufnehmen. Die Entscheidung der EBRD ist besonders wichtig, da sie als erste Bank die Kreditwürdigkeit des Projekts beurteilt und eine politische Richtungsentscheidung trifft.

Bereits jetzt schadet die Ausbeutung der Ölfelder vor Sachalin den westpazifischen Grauwalen. Die Meeressäuger finden durch den Lärm der Bohrungen und Sprengungen keine Ruhe mehr, sie magern ab. Zudem ist ihre Fortpflanzung bedroht. Unter den verbliebenen hundert Tieren sind nur noch 23 Weibchen. "Wenn durch die Ausweitung der Ölförderung auch nur ein Weibchen pro Jahr stirbt, wird der Walbestand unwiederbringlich ausgerottet", erklärt Smid. Das bestätigt eine im Februar veröffentlichte Studie der Weltnaturschutzunion IUCN, die das Ölkonsortium selbst in Auftrag gegeben hatte.

Kredite von Weltbank und EBRD für Ölprojekte stehen unter massiver Kritik. Ein Bericht der Weltbank über die eigene Arbeit kommt zu dem Schluss, dass ein Großteil dieser Projekte Armut und Umweltzerstörung eher fördert, statt sie zu bekämpfen. In dem Bericht wird empfohlen, in Zukunft Erneuerbare Energien zu finanzieren.

Rückfragen & Kontakt:

Axel Grunt, Pressesprecher Greenpeace, 0664-2407075
Karsten Smid, Ölexperte von Greenpeace, 0049-171-8780-821 (in Belgrad)
Jurrien Westerhof, 0664-6126701 (in Belgrad)

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