AK: Chancen für Frauen am Arbeitsmarkt sind denkbar schlecht

Wien (OTS) - Der Befund des Weltwirtschaftsforums stellt
Österreich in Sachen Gleichberechtigung ein schlechtes Zeugnis aus. "Und das zu Recht. Die Chancen für Frauen am Arbeitsmarkt sind in Österreich denkbar schlecht. Das bestätigen auch die Daten auf EU-Ebene", kritisiert Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie in der AK Wien. Der Beschäftigungsbericht der EU 2004-2005 weist für Österreich besonders hohe Einkommensunterschiede und eine "extrem" ungleiche Verteilung von Teilzeitarbeit zwischen Frauen und Männern aus. Auch beim Angebot von Kinderbetreuungsplätzen hinkt Österreich nach, zitiert Moritz aus dem Bericht. "Insgesamt gesehen sind die Rahmenbedingungen für eine Chancengleichheit in Österreich denkbar schlecht. Das fängt bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie an und hört bei den Bedingungen am Arbeitsmarkt auf", sagt Moritz. Die AK fordert, dass Maßnahmen ergriffen werden, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die partnerschaftliche Teilung von Familienarbeit unterstützen. Dazu zählt: Rascher Ausbau der Kinderbetreuung mit Öffnungszeiten, die sich mit Erwerbstätigkeit gut vereinbaren lassen. Die Schaffung von Wahlmöglichkeiten beim Kinderbetreuungsgeld hinsichtlich der Dauer und des Zuverdienstes. Die Eltern sollen frei entscheiden können, ob sie das Kinderbetreuungsgeld 2,5 Jahre bzw 3 Jahre (wenn es auch der Vater mindestens 6 Monate bezieht) in Anspruch nehmen oder aber kürzer, dafür aber mit einem höheren monatlichen Betrag.

Ebenso sollen sich die Eltern beim Kinderbetreuungsgeld statt für die betragsmäßig festgesetzte Zuverdienstgrenze für Teilzeit - unabhängig vom damit erzielten Einkommen - entscheiden können. Beides kann mehr Väter dazu bringen, sich auf eine partnerschaftli-che Teilung der Kinderbetreuung einzulassen, weil damit Möglichkeiten geschaffen werden, den Einkommensverlust während der Phase der Kinderbetreuung geringer zu halten.

Beim Einkommen sind Frauen in ganz Europa benachteiligt. EU-weit verdienen sie brutto pro Stunde um 16 Prozent weniger als Männer, in Österreich liegen Frauen mit 20 Prozent noch um einiges schlechter, im privaten Sektor beträgt der Nachteil sogar 24 Prozent. Dazu kommt, dass in Österreich vor allem Frauen überdurchschnittlich oft in Teilzeit arbeiten. Während die Teilzeitquote der Männer in Österreich unter dem EU-25-Schnitt liegt - 3,4 Prozent gegenüber 4,2 Prozent in der EU - ist die Teilzeitquote bei den Frauen in Österreich mit 35 Prozent deutlich über dem EU-25-Schnitt von 26 Prozent. Hauptgrund dafür sind Rahmenbedingungen, die die Teilzeitarbeit häufig zur einzig möglichen Strategie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf machen. Die tatsächlichen Einkommen von Frauen bleiben, nicht zuletzt wegen der geringen Arbeitszeit, damit um 40 Prozent hinter denen der Männer zurück.

Bei Maßnahmen, die die Einkommensschere verringern könnten, wie der Ausbau der Kinderbetreuung, fällt Österreich weit zurück. So haben bei den Kleinkindern (0 bis unter 3 Jahre) nur 11 Prozent einen Betreuungsplatz. Andere europäische Länder wie Belgien, Finnland oder Niederlande stellen für knapp 30 Prozent der Kinder dieser Altersgruppe Betreuungsplätze zur Verfügung. In Dänemark gibt es für zwei Drittel und in Schweden für drei Viertel der Kinder unter 3 Jahren eine institutionelle Betreuung.

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