"trend": Hauptverband will Arbeitgeberbeiträge überdenken

Hauptverbandschef Erich Laminger fordert ein neues Beitrags- und Selbstbehaltsystem in der Krankenversicherung

Wien (OTS) - Erich Laminger, der neue Vorsitzende des
Hauptverbands der Sozialversicherungsträger, fordert eine komplette Neustrukturierung der Krankenversicherungsbeiträge. Das bisherige System - dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu gleichen Teilen in die Sozialversicherung einzahlen - will Laminger reformieren, erklärt dieser in einem Interview mit dem Wirtschaftsmagazin "trend": "Ich glaube, dass es Sinn macht., darüber nachzudenken, ob das Generieren der Abeitgeberbeiträge in der heutigen Form hundertprozentig richtig für alle Ewigkeit sein muss." Und weiter: "Ein Weg, über den man nachdenken kann und der heute mittlerweile auch für einige diskutierbar ist - quer über die Kurien hinweg - wäre, dass man die Beitragswahrheit herstellt und sagt, wieviel die Krankenversicherung wirklich ausmacht, also nicht 3,75 Prozent oder so, sondern 7,5 Prozent." In diesem Fall, so der Hauptverbandschef, müsse man "dann aber auch den großen Deal machen und gleichzeitig eine entsprechende Umschichtung bezüglich der Löhne und Gehälter schaffen." Konkret meint Laminger damit, dass die Arbeitnehmer - nach einer entsprechenden Lohnerhöhung - künftig nicht nur Arbeitnehmer-, sondern auch Arbeitgeberbeiträge selbst zahlen. Laminger: "Das wäre durchaus eine Möglichkeit."
Auf der Einnahmenseite will Laminger - ähnlich wie SPÖ, Gewerkschaft und zuletzt auch Jörg Haider - die Beitragsgrundlage um Miet-, Zins- und Kapitaleinkünfte erweitern: "Das Sozialversicherungssystem ist eigentlich darauf aufgebaut, dass jeder nach seinen Möglichkeiten dazu beiträgt, dass für alle eine entsprechende Gesundheitsvorsorge und im Krankheitsfall ein entsprechendes Leistungsangebot zur Verfügung stehen", so Laminger im "trend"-Interview, "und da muss ich schon sagen, dass dieses Solidaritätsprinzip auf Dauer nur funktionieren kann, wenn sich wirklich alle entsprechend diesem Grundprinzip - unter Wahrung der Höchstbeitragsgrenze - einklinken."
Beim Thema Selbstbehalte schwebt dem Hauptverbandschef eine komplette Neugestaltung des Systems inklusive bereits bestehender Selbstbehalte vor, wobei dieses System sozial gestaffelt sein müsse:
"Denkbar wäre ein so genannter Standardselbstbehalt und ein effektiv zu zahlender Selbstbehalt, dessen Höhe von der individuellen finanziellen Leistungsfähigkeit abhängt." Prinzipiell verneint Laminger, dass die Krankenversicherungen mit Hilfe dieser Reform, die in zwei Jahren abgeschlossen sein soll, auch die drohende Finanzlücke von 1,5 Milliarden Euro (=kumulierte Abgänge 2004 bis 2007) stopfen wollen. Allerdings sei es durchaus möglich, dass in einigen Bereichen neue Selbstbehalte dazukämen: "Auf diese Weise könnten wir gewisse Leistungsbereiche stabilisieren oder womöglich sogar neue dazu nehmen."
Eine interessante Variante wäre es für Laminger auch, verschiedene Leistungspakete zu schnüren, wobei die Versicherten dann zwischen billigeren und teureren Varianten wählen könnten. Diese Leistungspakete müssten jedoch ebenfalls sozial gestaffelt werden. Laminger: "Die große Herausforderung ist hier gerade im Bereich der Gebietskrankenkassen, dass wir das so schaffen, dass wir nicht in den Geruch der Zweiklassenmedizin kommen."

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