Gehrer: Österreich bei Umsetzung der Bologna-Ziele im Spitzenfeld

Bildungsminister aus 45 europäischen Ländern beraten in Bergen über den "Bologna-Prozess"

Wien (OTS) - "Ziel der Ministerkonferenz war es, 6 Jahre nach Unterzeichnung der Bologna-Erklärung den Stand der Umsetzung des Bologna-Prozesses in allen Ländern aufzuzeigen und weitere Schritte zur Umsetzung des Europäischen Hochschulraums festzulegen", erklärte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer heute nach Abschluss der europäischen Hochschulminister-Konferenz in Bergen. Sie betonte neuerlich die Bedeutung einer aktiven Teilnahme aller Hochschuleinrichtungen und der Studierenden am Prozess - sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene. "Die Hochschulen tragen die Hauptverantwortung für die konkrete Umsetzung der Ziele, die Regierungen schaffen die dafür notwendigen Rahmenbedingungen," sagte Gehrer.

Utl.: Doktoratsstudien werden aufgewertet
Bei der Konferenz wurden die neuen Doktoratsstudien besprochen. In Berlin wurde 2003 beschlossen, dass nach Einführung des zweistufigen Studiensystems auch das Doktorat als 3. Stufe europaweit strukturiert und aufgewertet wird. Österreich, Deutschland und die Vereinigung der europäischen Universitäten haben zu diesem Thema ein internationales Seminar in Salzburg veranstaltet. Die Ergebnisse von Salzburg bilden nun die Grundlage für die weitere Arbeit auf europäischer Ebene. Österreich konnte bei der Konferenz in Bergen erreichen, dass bis zur nächsten Konferenz 2007 gemeinsam mit der Vereinigung der europäischen Universitäten mit dem österreichischen Präsidenten, Rektor Georg Winckler, konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der neuen Doktoratsstudien erarbeitet werden. "Es freut mich, dass aufbauend auf den Ergebnissen von Salzburg weitergearbeitet wird. Ziel ist es, dass die Doktoratsstudien eine noch bessere Grundlage für wissenschaftliche Karrieren bilden und Dissertanten als "Jungforscher" gesehen werden. Das bedeutet, dass sie entweder ein Stipendium erhalten oder an der Universität angestellt werden sollen. Die Dauer der neuen Doktorratsstudien soll mindestens 3 Jahre betragen und den Dissertanten eine intensivere und teamorientiertere Betreuung bieten", sagte Bildungsministerin Gehrer. Österreich wird in diesem Bereich weiter eine treibende Kraft sein und gemeinsam mit Frankreich und der Vereinigung der europäischen Universitäten das nächste europäische Seminar zu den Doktoratsstudien durchführen.

Utl.: Universitätsautonomie zukunftsweisend - Österreich bei Bologna-Umsetzung im Spitzenfeld
Thema der Konferenz war auch die Autonomie der Universitäten. Die österreichischen Universitäten haben im europäischen Vergleich mit dem Universitätsgesetz 2002 ein Höchstmaß an Autonomie erhalten. Dies wurde von den Konferenzteilnehmern als zukunftsweisende Entwicklung eingestuft.
Ein weiterer Schwerpunkt der Konferenz war die Bestandsaufnahme (Stocktaking) über die Fortschritte der einzelnen Länder bei der Umsetzung der Bologna-Ziele. Bewertet werden die drei prioritären Bologna-Ziele: Qualitätssicherung, die zweigliedrige Studienstruktur und Anerkennungsfragen. Österreich liegt hierbei im Spitzenfeld -wurden doch mit dem Universitätsgesetz 2002 und der Novelle des Fachhochschulstudiengesetzes 2003 alle Rahmenbedingungen für die Umsetzung der Bologna-Ziele geschaffen. Die neuesten Zahlen zeigen, dass 30 % der Studienrichtungen an Universitäten bis zum Wintersemester 2004 in zweistufige Bakkalaureats-/Magisterstudien umgewandelt wurden, 2002 waren dies erst 11 %. Insgesamt gibt es derzeit 389 Bakkalaureats- bzw. Magisterstudien an den Universitäten (172 Bakkalaureatsstudien, 217 Magisterstudien). Im Bereich der Einführung von ECTS sowie Anerkennungs- und Akkreditierungsfragen liegt der Umsetzungsgrad in Österreich bereits bei 100%.

Vorgestellt wurden gemeinsame Standards und Richtlinien im Bereich der Qualitätssicherung. Die Erstellung eines europäischen Registers von anerkannten Qualitätssicherungsagenturen wurde vereinbart. Zu den Standards und Richtlinien zählen zum Beispiel die Formulierung und Veröffentlichung einer Qualitätssicherungsstrategie der Hochschulen, ein funktionierendes Informations- und Datensystem sowie die Einbindung von Studierenden in die Evaluierung. Die Umsetzung soll bis 2007 erfolgen.

Fünf neue Länder wurden in die "Bologna-Familie" aufgenommen.

Bei der Konferenz wurde die Aufnahme Armeniens, Aserbaidschans, Georgiens, Moldawiens und der Ukraine als neue Mitglieder beschlossen. "Die Aufnahme in den Bologna-Prozess bietet diesen Ländern eine wichtige europäische Perspektive", beurteilte Gehrer deren Aufnahme sehr positiv.

Bei der nächsten Konferenz in zwei Jahren in London wird neben einer umfassenden Bestandsaufnahme der Umsetzung der Ziele die Entwicklung des Europäischen Hochschulraums nach 2010 im Mittelpunkt stehen.

Unter www.bologna.at bietet die österreichische Bologna-Follow-up-Kontaktstelle im Bildungsministerium alle Informationen über die Entwicklungen des Bologna-Prozesses in Österreich und in Europa.

nnn
(Schluss)

Rückfragen & Kontakt:

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
Pressebüro
Tel.: (++43-1) 53 120-5002

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | BWK0002