AK Veranstaltung zeigt Vorzüge der finnischen Schule

Leiter der Zukunftskommission für stärkere "innere Differenzierung" in Österreich

Wien (OTS) - "Das finnische Schulsystem schafft es am besten, auch die Schwächsten nach oben zu ziehen", berichtete am Donnerstag Nachmittag die finnische Sozialwissenschafterin Aila Leena Matthies bei der AK Wien-Veranstaltung "Ein zweiter Blick auf PISA -Lernkulturen im Vergleich". Eine gemeinsame Schule bis 16 - und Förderung statt Sitzenbleiben: Unter anderem damit schnitt Finnland beim internationalen Schulvergleich PISA am besten ab, so Matthies. "Ich bewundere das finnische System, weil es sich mit schwierigen Schülern auseinandersetzt und sie nicht loswerden kann", sprach sich auch Günter Haider, Leiter der Zukunftskommission der Bildungsministerin, für "stärkere Individualisierung und innere Differenzierung" statt der Bildung "homogener Gruppen" nach dem österreichischen Modell der Aufteilung der SchülerInnen auf verschiedene Schultypen aus. AK Präsident Herbert Tumpel verwies darauf, dass das österreichische Schulsystem laut PISA-Vergleich nicht nur viele schlechte Leistungen, sondern auch verhältnismäßig we-nige gute und sehr gute Leistungen hervorbringt. Es gehe auch um das "gesellschaftspolitische Problem, wie wir unsere Wettbewerbsfähigkeit in Zukunft sicherstellen". Das dürfe keine parteipolitische Frage sein.

Die Finnen hätten immer gedacht, ihr Schulsystem sei ganz normal, und sie wären beim PISA-Schulvergleich erstaunt gewesen, "dass andere noch schlechter sind", sagte Matthies. Tatsächlich aber hat das finnische Schulsystem eindeutig Vorzüge. Es gäbe politischen Konsens über das "Modell der Breitenbildung" in einer gemeinsamen Schule bis 16, "unabhängig von sozialer Herkunft und Wohnort", so Matthies. Dieses Modell habe auch wirtschaftlich "ganz maßgeblich zum Erfolg der letzten 30 Jahre beigetragen". In den finnischen Schulen sollen sich Lernende, aber auch Lehrende wohlfühlen, so Matthies. Es stünden zusätzlich zu den LehrerInnen auch SozialarbeiterInnen, SchulassistentInnen, Krankenschwestern oder PsychologInnen zur Verfügung. Gelernt werde in Zusammenhängen, Details seien im Unterricht nicht so wichtig. Und mit ihrem Fördersystem schaffen es die finnischen Schulen "am besten, auch die Schwächsten nach oben zu ziehen: Lernprobleme müssten sofort gelöst werden - nicht durch Sitzenbleiben.

Günter Haider verglich die unterschiedlichen "Lernkulturen":
Entweder Modelle mit "äußerer Differenzierung" mit mehreren Schultypen, Sitzenbleiben und letztendlich Schulwechsel, wenn SchülerInnen schlecht abschneiden - solche Modelle hätten beim PISA-Schulvergleich bis auf die Ausnahme Belgien eher schlecht abgeschnitten. Oder Modelle mit "innerer Differenzierung" und einer gemeinsamen Schule, wo es darum gehe, SchülerInnen zu fördern und nicht abzuschieben - die meisten der "Top-Länder" bei PISA hätten ein solches System. Haider: "Ich bewundere das finnische System, weil man den Schüler nicht los wird." Es gäbe folglich keine schwierigen SchülerInnen, die in eine andere Schule abgesschoben werden können, sondern nur SchülerInnen mit Schwierigkeiten, die gelöst werden müssen. Haider plädierte für ein Schulsystem mit "stärkerer Individualisierung und innerer Differenzierung". Ein "Schlüssel" für Reformen sei ein Wechsel in der Lehrerausbildung.

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