AK-Kritik: "Gehrers Tagesschulmodell ist ein Marketing-Gag!"

Linz (OTS) - Der von Bildungsministerin Gehrer groß angekündigte Ausbau von Schulen mit Tagesbetreuung ist offenbar nur ein Marketing-Gag. Zwar soll es künftig überall, wo mindestens 15 Schüler Bedarf anmelden, ein Tagesschulangebot geben. "Die Umsetzung dieses Plans ist aber wegen zahlreicher Zugangshürden, einem völlig unzureichenden Finanzierungsrahmen und diversen Qualitätsabstrichen mehr als fraglich!", kritisiert der Präsident der AK Oberösterreich, Dr. Johann Kalliauer.

Künftig müssen Schulen eine ganztägige Betreuung anbieten, wenn es zumindest 15 Anmeldungen hiefür gibt. Der angekündigte Rechts-anspruch für Eltern gilt aber offenbar nicht für alle. "Was ist, wenn es für eine Schule nur 14 Anmeldungen gibt?", befürchtet AK-Präsident Kalliauer, dass viele wieder auf der Strecke bleiben. "Wer einen Tagesschulplatz für sein Kind braucht, muss ein entsprechendes Angebot bekommen. Das darf nicht von Gruppengrößen an einem Standort abhängig sein!"

Die Finanzrahmen für Ganztagsschulen bleibt unverändert niedrig:
Der Bund finanziert weiterhin nur fünf vollwertige (= voll be-zahlte) Lehrerstunden für gegenstandsbezogenes Lernen. Diese fünf Vollstunden können künftig in zehn halbwertige Betreuungsstunden umgewandelt werden, für die jeweils nur die Hälfte bezahlt wird.
Somit werden sich kaum Lehrkräfte finden, die bereit sind, am Nachmittag zum halben Stundentarif zu arbeiten. Offenbar sind dem Gesetzgeber Freizeitpädagogik oder individuelles Lernen nur 50 Prozent wert.

"Ein Arme-Leute-Modell, das auf billige Aufbewahrung und nicht auf bestmögliche Förderung setzt, vergrößert die soziale Un-gleichheit. Ohne pädagogisches Konzept, ohne Abbau der noch immer bestehenden Gesetzeshürden, ohne ausreichende Finanzierung und Ressourcen wird es keine qualitätsvolle schulische Tagesbetreuung geben", ärgert sich der AK-Präsident, der für gebührenfreie Tagesschulangebote eintritt.

Eine zusätzliche Hürde besteht darin, dass sich Lehrkräfte nach wie vor aussuchen können, ob sie sich an der Umsetzung einer Ganztagsschule beteiligen wollen oder nicht.

Die AK hält im Übrigen das von der Ministerin zugrunde gelegte Mengengerüst für völlig unzureichend: Eine ganze Reihe von Stu-dien errechnet allein für Oberösterreich einen höheren Bedarf, als ihn der Gesetzesentwurf für ganz Österreich vorsieht! Wie Gehrer davon auszugehen, dass keine Infrastrukturinvestitionen und keine baulichen Maßnahmen getroffen werden müssen, ist schlicht und einfach unverantwortlich. Ungeklärt ist außerdem die Verteilung der finanziellen Belastung auf Bund, Land und Schulerhalter (zumeist die Gemeinde). Es kann nicht sein, dass die Finanzstärke der einzelnen Gemeinden ausschlaggebend für das Zustandekommen eines Betreuungsangebots ist.

Die geplante Tagesschulreform soll übrigens frühestens im Schul-jahr 2006/2007 einsetzen - ein weiteres Indiz dafür, wie ernst es die Ministerin mit der Umsetzung meint. "Wenn man sich so viel Zeit lässt, warum nützt man sie dann nicht wenigstens, um ein ausgereiftes pädagogisches Konzept zu entwickeln?", fragt AK-Präsident Kalliauer.

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