ÖGB-Publikation: Wie sozial kann unsere Welt sein?

Nachdenken über die Zukunft der Gesellschaft

Wien (ÖGB) - Der ÖGB ist 60 Jahre und auch ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch feiert seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass hat Herausgeber Anton Pelinka verschiedene Personen eingeladen, Beiträge für ein Buch mit dem Titel "Wie sozial kann unsere Welt sein?" zu verfassen. Vorgabe für die Autorinnen und Autoren war: "Nachdenken über Gegenwart und Zukunft; nachdenken über das, was die Welt 'sozial' macht - verträglich und zumutbar für alle."++++

Ergebnis ist ein umfangreicher Band, dessen einzelne Beiträge die verschiedensten Facetten gewerkschaftlicher Tätigkeit im Allgemeinen und von Fritz Verzetnitsch im Besonderen reflektieren. Das Buch will aber keine Festschrift sein und auch keine Programme erheben. Die Themen sollen auch nicht von einem einzigen bestimmten ideologischen, parteipolitischen oder sonst wie eindeutigen Blickwinkel behandelt werden. Gewünscht war ein kontroversieller Diskurs. Dies scheint mehr als gelungen, wenn man sich die Liste der Autorinnen und Autoren ansieht, wo neben Persönlichkeiten aus der Arbeitnehmerbewegung solche von Seiten der Unternehmer und der Industrie, aus Parteien und Verbänden oder aus dem Bereich der Wissenschaft oder der Kirche stehen.

Und es sind ganz sicher keine Lobhudeleien, wenn Bundespräsident Heinz Fischer in seinem Vorwort erklärt: "Der ÖGB hat es gerade unter Fritz Verzetnitsch sicher und souverän geschafft, sich selbst treu zu bleiben: Wie 1945 konzipiert, ist der ÖGB ein überparteilicher, gewerkschaftlicher Dachverband. Er ist nicht unpolitisch - er ist ja über bzw. durch seine Fraktionen mit den politischen Parteien in Verbindung. Aber es entspricht nach wie vor den Interessen aller österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, dass -unabhängig von den Präferenzen der einzelnen Mitglieder für bestimmt Parteien - die österreichischen Gewerkschaften mit einer Stimmen sprechen, eben mit der des ÖGB. Dass dies auch in den letzten zwei Jahrzehnten so geblieben ist, das ist auch und wesentlich das Verdienst Fritz Verzetnitschs!

Der Volkswirtschafter Ewald Nowotny beschäftigt sich mit der Frage "Wirtschaftsdemokratie, eine Illusion von gestern?" und kommt zu dem Schluss, dass diese wie auch die politische Demokratie keine Frage technischer Verfahren, sondern eine Frage gesellschaftlicher Wertvorstellungen und Zielsetzungen ist. Es gehe also nicht um "ökonomische Sachzwänge", sondern um eine umfassende Sicht der Würde des Menschen.

Der Industrielle Claus Raidl erklärt: "Wir alle wissen, dass es keinen gerechten Lohn, keinen gerechten Preis und keinen gerechten Zins und keinen gerechten Gewinn gibt. Was gerecht ist, ist bei der Lohnfindung eine Machtfrage zwischen Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen. In Zeiten von Arbeitskräftemangel werden Lohnerhöhungen tendenziell höher sein als in Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit. Preis und Zinsen werden durch den Marktprozess durch Angebot und Nachfrage bestimmt und (Gott sei Dank) nicht nach irgend welchen 'Gerechtigkeitsprinzipien'."

Noch-Bischof Maximilian Aichern erinnerte unter anderem an Forderungen der "Allianz für den freien Sonntag": "Die Sonntags- und Feiertagsruhe muss generell gesetzlich geschützt bleiben. Die bestehenden Ausnahme nach dem Arbeitsruhegesetz sind laufend auf ihre Notwendigkeit zu überprüfen. Für Ausnahmeregelungen zur Sonn- und Feiertagsarbeit muss es kollektivvertragliche Rahmenbedingung geben. Sonn- und Feiertagsarbeit muss Ausnahme bleiben und einen höheren Preis haben als Normalarbeitszeit. Für diejenigen, die solche Arbeit im Dienst der Mitmenschen leisten, muss es eine angemessene Entlohnung und Ersatzfreizeit geben."

Wie die angeführten Zitate beweisen, bringt dieses Buch keineswegs Jubel, sondern Kontroversen und Anstöße zu brennenden Fragen der Gegenwart. Wer sich anstoßen lassen will, für den ist der Preis des Buches auch wohlfeil und eine gute Investition. (sz)

Wie sozial kann unsere Welt sein?
Anton Pelinka (Hg.)
Wien, Verlag des ÖGB
Preis: Euro 29,-
2005, 344 Seiten
ISBN 3-7035-1061-7

ÖGB, 20. Mai
2005
Nr. 323

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