"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ausverhandelt" (Von ANITA HEUBACHER)

Ausgabe vom 20. Mai 2005

Innsbruck (OTS) - Wenn aus einer tickenden Umweltbombe innerhalb
von drei Jahren eine fast schon harmlose Altlast wird, legt das den Verdacht nahe, dass da etwas faul ist.

Im Jahr 2002 stand fest, dass die Altlast Pill saniert werden muss. Sanieren heißt, den alten Müll ausgraben und auf eine andere Deponie verbringen. Das kostet. Die Schätzungen reichten von 90 bis 200 Millionen Euro. Experten unter anderem des Umweltbundesamtes und des Landes erklärten, dass das Grundwasser beeinträchtigt werde. Außerdem trete Methangas aus der Deponie aus. Ein Bauarbeiter wurde bewusstlos. Rauchen könnte tödlich sein. Ein Funke - große Wirkung. Sprich Lebensgefahr.

Drei Jahre später heißt es, dass die Umweltbombe gar nicht so laut tickt. Das bestätigt ein neues Gutachten, ebenfalls von Experten. Noch bevor dieses auf dem Tisch lag, war allerdings die Stoßrichtung klar: Es wird nicht viel ausgebuddelt, am besten gar nichts.

Sichern ist günstiger als sanieren. Statt 250 Millionen reden wir jetzt von 20 Millionen Euro. Diese müssen der Bund, das Land und der Deponiebetreiber Ernst Derfeser tragen. Heftiges Verhandeln zwischen den drei Beteiligten war vorausgegangen. Man wurde sich einig. Schön, wenn am Ende ein Gutachten da ist, das die Stoßrichtung untermauert. Und auch die Experten im Umweltbundesamt zu überzeugen scheint. Ein Schelm, wer Schlechtes denkt.

Was der Politik und dem neuen Gutachten entgegenspielen könnte, ist der Faktor Zeit. Über die Jahre könnte der alte Müll weiter verrottet und deshalb weniger belastend für das Grundwasser sein. Das Methangas könnte sich weiter verflüchtigt haben. Entsorgt worden wäre es bei der Altlast Pill in die Luft, während andere Deponien für eine teure Entgasung sorgen müssen.

Die Nebel werden sich wohl nie ganz lichten. Ein schaler Beigeschmack bleibt.

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