WirtschaftsBlatt Kommentar vom 14.5.2005: Und jetzt muss Österreich in die Zukunft schauen - von Peter Muzik

Wien (OTS) - Der morgige Festakt im Schloss Belvedere und das anschliessende Open-Air-Spektakel für zigtausende Bürgerinnen und Bürger wird der absolute Höhepunkt der zahlreichen Festivitäten im heurigen Gedankenjahr sein. Der Staatsvertrag, der vor 50 Jahren im Marmorsaal unterzeichnet worden ist, hat das neue Österreich als unabhängige, demokratische, neutrale Republik entstehen lassen. Erst die Unterschriften der vier Aussenminister der Signatarstaaten des Staatsvertrags, der dort übrigens erstmals im Original zu besichtigen ist, und der klassisch gewordene Satz von Leopold Figl - "Österreich ist frei!" - haben die unglaubliche Erfolgsgeschichte möglich gemacht, die diese Republik im Rekordtempo von fünf Jahrzehnten von einem armseligen Trümmerhaufen zu einem der reichsten Länder der Welt gemacht hat.
Die zahlreichen Feiern, die dem historischen Grossereignis vom 15. Mai 1955 gewidmet sind, haben jedenfalls ihre Berechtigung: Die ebenso breite wie konzentrierte Befassung mit unserer jüngsten Geschichte - die einschlägigen Events reichen etwa von der Linzer Landesgalerie über das Kärntner Landesmuseum bis zur Fotoakademie Graz - bietet allen jenen, die das möchten, eine grosse Chance auf Besinnung. Die kollektive Rückschau in diesen Wochen soll, wie das Hannes Androsch so schön formuliert hat, den Österreicherinnen und Österreichern Verständnis für die Vergangenheit bringen und zugleich Selbstbewusstsein für die Zukunft geben.
Auch wenn die Feierlichkeiten nach dem 15. Mai weitergehen - noch im Mai werden österreichweit ungefähr 30 Ausstellungen eröffnet -, versteht es sich von selbst, dass es mit Symposien, Lesungen, Buchpräsentationen, Konzerten, Podiumsdiskussionen und noch so schönen Politiker-Reden allein nicht getan ist. Es wäre also allmählich an der Zeit, trotz nationaler Feierlaune den Blick wieder nach vorne zu richten - in die Zukunft. Schon ab Montag sollte es daher primär um die Kernfrage gehen, was Österreich alles zu unternehmen habe, um die derzeit grössten Probleme, etwa die zunehmende Arbeitslosigkeit, in den Griff zu bekommen. Zugleich müssten die brillantesten Köpfe dieses Landes Visionen entwickeln, wie die Republik in 20, 30 oder 50 Jahren dastehen werde. Die führende Rolle kommt dabei wieder einmal der Wirtschaft zu - also auch Ihnen. Und leider fallen die Politiker für diese nationale Kraftanstrengung praktisch aus: Sie denken ja bekanntlich bloss bis zum nächsten Wahltermin...

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