KULTURAUSSCHUSS: DISKUSSION ÜBER EVALUIERUNGSSTUDIE BUNDESMUSEEN SPÖ-Antrag auf Absetzung von KHM-Direktor Seipel vertagt

Wien (PK) - Nach der Behandlung des Kulturberichts 2003 stand eine Aussprache über die Evaluierungsstudie zum Thema Bundesmuseen auf der Tagesordnung der heutigen Sitzung des Kulturausschusses. Der Studienautor, Professor Bernhard Graf vom Institut für Museumskunde Staatliche Museen zu Berlin, präsentierte eine Zusammenfassung des Endberichts. Die Ergebnisse belegen, dass die Gesamtsituation sehr zufrieden stellend sei; er beglückwünsche die Österreicher zu ihren Bundesmuseen, erklärte Graf. Weiters gaben noch der von SPÖ entsandte Experte Otto Hochreiter sowie der von der Volkspartei nominierte Carl Aigner (Präsident von ICOM) Stellungnahmen zur Studie ab. Nach einer ausführlichen Diskussion mit den Abgeordneten befasste sich der Ausschuss noch mit Abkommen zwischen Österreich und Kroatien sowie einem SPÖ-Antrag, in dem die vorzeitige Abberufung des Geschäftsführers des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, gefordert wird. - Dieser Antrag wurde mit V-F-Mehrheit vertagt.

Professor Bernhard Graf wies darauf hin, dass mit der Evaluierung der Bundesmuseen vor zwei Jahren begonnen wurde und nun der Endbericht vorliege. Er informierte die Abgeordneten ausführlich über das zugrunde liegende Verfahren, das sowohl auf qualitativen als auch auf quantitativen Kriterien beruhe. Im Rahmen der Evaluierung wurden die Bundesmuseen hinsichtlich ihres Profils, ihrer Bedeutung und ihres Bekanntheitsgrades, hinsichtlich der Umsetzung ihres Bildungsauftrags, der Relevanz ihrer wissenschaftlichen Forschungsvorhaben und im Hinblick auf ihre speziellen inhaltlichen Positionierungen untersucht. Neben einer Selbstdokumentation der Museen wurden internationale Experten beigezogen; außerdem wurde eine Umfrage bei Besuchern und Nicht-Besuchern durchgeführt. In die Untersuchung wurden folgende vollrechtsfähige Anstalten aufgenommen:
Albertina, Kunsthistorisches Museum, MAK, MUMOK, Naturhistorisches Museum, Österreichische Galerie Belvedere, Technisches Museum Wien.

Die Gesamtsituation der Bundesmuseen stelle sich heute auf Grund der Ergebnisse der Evaluierung in weiten Bereichen als sehr zufrieden stellend dar, resümierte Graf. Insgesamt wird den Museen ein eigenständiges, zum Teil weit über Österreich hinausreichendes, unverwechselbares Profil zuerkannt. Auf Basis der Ergebnisse der Studie wurden dann eine Reihe von Empfehlungen erarbeitet, die auch an die Direktoren der Museen übermittelt wurden. Empfohlen wurden z.B. die Präzisierung museumsspezifischer Leitbilder sowohl im Hinblick auf Zielgruppenorientierung und Sammlung- und Ausstellungspolitik, die Intensivierung des Austausches zwischen den einzelnen Häusern sowie die Verbesserung der Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit. Er beglückwünsche die Österreicher zu ihren Bundesmuseen und zu ihren Möglichkeiten, ihre Aufgaben in einem geordneten, stabilen Unterstützungsrahmen wahrnehmen zu können. Positiv aufgefallen sei ihm vor allem die "Frischheit" und die "Lebendigkeit", die er bei all seinen Besuchen in den Museen empfunden habe, es könne keine Rede von einem "verstaubten Muff" sein.

Carl Aigner (Präsident von ICOM und Direktor des Niederösterreichischen Landesmuseums) ging zunächst auf die Arbeit von ICOM (International Counsil of Museums) ein und wies darauf hin, dass die Organisation bereits 120 Länder und 25.000 Mitglieder umfasse. Die Zielsetzung von ICOM sei es, internationale Spielregeln für die Museumsarbeit zu entwickeln. Im Jahr 2001 wurde zum Beispiel ein Gütesiegel für Museen erarbeitet, informierte Aigner. Aus diesem Grund freue es ihn sehr, dass in Österreich erstmals eine Evaluierung der Bundesmuseen durchgeführt wurde, bei der nicht nur quantitative Faktoren, sondern auch inhaltliche und programmatische Aspekte im Mittelpunkt standen. Er sehe diese Studie als erste Etappe an, die nun mit den Ergebnissen aus der betriebswirtschaftlichen Prüfung, die gerade laufe, zusammengeführt werden muss. Den Museen müsse auch die Chance gegeben werden, sich zu bewähren, da die Ausgliederung noch "etwas ganz Junges" sei. Ein wenig bedauerlich sei, dass bei der Endzusammenfassung keine gleichwertige Punktation verwendet wurde, worunter die Vergleichbarkeit leide.

Es sei ein großer Verdienst dieser Untersuchung, dass auch die "stillen" Museumsaufgaben, nämlich Sammeln, Bewahren und Forschen, beleuchtet werden, zumal die österreichische Museumsdebatte sehr auf den Ausstellungsteil konzentriert sei, meinte der von der SPÖ entsandte Experte Otto Hochreiter. Verwundert zeigte er sich darüber, dass die Albertina, die sehr viele Besucher aufweise und maßgebliche Ausstellungen organisiere, am schlechtesten abgeschnitten hat. Er glaube, dass dieses Ergebnis auch mit der gewählten Untersuchungsmethode zusammenhänge. Weiters bemängelte er, dass die Evaluierung nicht ganz allen erforderlichen Gütekriterien -Validität, Objektivität und Reliabilität - folge. Die Tatsache, dass nicht alle Gutachter alle Museen untersucht haben, lasse natürlich auch mehr Spielraum für subjektive Interpretationen, gab er zu bedenken. Offen blieb auch die Frage, wo sich die Evaluierung im Gesamtprozess befinde.

Abgeordnete Christine Muttonen (S) erkundigte sich danach, warum die Sicherheitsmaßnahmen in der Studie nicht berücksichtigt wurden. Ihr Fraktionskollege Gerhard Reheis bemängelte wiederum, dass der Ausgliederungsprozess nicht ausreichend beurteilt wurde. Eine Gegenüberstellung der Stärken und Schwächen sowie der Chancen und Risiken hätte sich die S-Abgeordnete Elisabeth Hlavac gewünscht. Außerdem habe sie den Eindruck, dass manche Häuser strenger beurteilt wurden. Könnte das daran liegen, dass nicht alle Gutachter alle Museen besucht haben, fragte sie.

Abgeordneter Wolfgang Zinggl (G) gab sich nicht zufrieden mit dem vorliegenden 44 Seiten starken Endbericht; es müsse doch einen detaillierteren Entwurf geben. Außerdem vermisse er eine Gesamtschau der Museumslandschaft im Sinne einer Konkurrenz der einzelnen Häuser zueinander.

Abgeordnete Andrea Wolfmayr (V) bezeichnete den Endbericht als sehr aufschlussreich und umfassend. Sie zeigte sich erfreut darüber, dass den Bundesmuseen ein gutes Zeugnis ausgestellt wurde.

Bundesministerin Elisabeth Gehrer wies darauf hin, dass mit Professor Bernhard Graf ein anerkannter Experte beauftragt und dass bei der Studie nach dem international üblichen Verfahren vorgegangen wurde. Die Ergebnisse wurden auch bereits an die Museen übermittelt, wobei darauf geachtet werde, dass die entsprechenden Konsequenzen gezogen und die Empfehlungen umgesetzt werden. Ihr Ressort werde sicherlich von den Kuratorien einen Bericht einfordern, um zu überprüfen, welche Maßnahmen eingeleitet wurden. Bei Angelegenheiten, die in ihrem eigenen Aufgabenbereich liegen, wie etwa die baulichen Tätigkeiten und die Sicherheitsmaßnahmen, würden entsprechende Schritte gesetzt, informierte Gehrer.

Professor Bernhard Graf ging sodann auf die aufgeworfenen Fragen ein. Ein Grund dafür, dass nicht alle Gutachter alle Museen untersucht haben, liege darin begründet, dass "nicht alle von allem etwas verstehen". Man könnte sich eventuell in Zukunft überlegen, ob man Gutachtergruppen bilden soll, damit die Ergebnisse noch objektiver werden. Er sei auch nicht richtig, dass die Albertina so schlecht abgeschnitten habe; dies wurde weder von den Gutachtern noch vom Bericht bestätigt. Was die Sicherheitsmaßnahmen anbelangt, so sei klar, dass damit wieder eigene Experten befasst sind. Außerdem könne es nicht im Interesse der Museen liegen, dass über mögliche Sicherheitslücken in der Öffentlichkeit berichtet wird.

SPÖ-ANTRAG AUF VORZEITIGE ABBERUFUNG VON DIREKTOR SEIPEL VERTAGT

Die vorzeitige Abberufung des Geschäftsführers des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, verlangen Abgeordnete der SPÖ in einem Entschließungsantrag. Sie begründen dies nicht nur mit "unprofessioneller Geschäftsführung". In seiner Amtszeit habe er den größten Kunstraub in der Zweiten Republik zu verantworten, wobei durch einen polizeilichen Ermittlungsbericht schwere Sicherheitsmängel bestätigt worden seien, zeigte Abgeordneter Josef Cap (S) auf. Darüber hinaus habe der Rechnungshof in einem Rohbericht die Geschäftsgebarung bezüglich Gehalt, Repräsentationskosten und Dienstwagen scharf kritisiert. Die SPÖ-Mandatare wiesen darauf hin, dass weder die Eröffnungsbilanz noch die Jahresabschlüsse den Grundsätzen einer ordnungsgemäßen Buchhaltung und Bilanzierung entsprächen, das Ansteigen des Personalstandes nicht nachvollziehbar sei, und Bilder verliehen worden sind, die nicht hätten verliehen werden dürfen. Seipel selbst habe von seinem Museum zwei altägyptische Grabbeigaben gekauft, obwohl diese bereits "unveräußerliches Gut" gewesen seien. Wenn ein kleiner Arbeitnehmer solch ein Sündenregister aufweisen würde, hätte er schlechte Karten, meinte Abgeordnete Elisabeth Grossmann (S). Warum werden bei einem gut dotierten Manager wie Seipel dann andere Maßstäbe angelegt, fragte sie.

Ihre Fraktion entziehe sich nicht der Diskussion; ein Kunstdiebstahl sei zwar eine Tragödie, aber kein persönliches Vergehen, hielt Abgeordnete Andrea Wolfmayr (V) dem Abgeordneten Cap entgegen. Außerdem waren die Sicherheitsstandards auf einem internationalen Niveau und wurden nun auch noch verbessert. Sie sehe nicht ein, warum ein guter Manager wegen dieses Kunstraubs abgesetzt werden soll. Außerdem liege der Rechnungshofbericht noch nicht vor. Aus diesem Grund stelle sie einen Vertagungsantrag.

Zunächst müsse man einmal warten, bis der Rechnungshofbericht vorliege, meinte auch Bundesministerin Elisabeth Gehrer. Was den von Cap angesprochenen Versicherungsvertrag angeht, so gab es eine Gesamtversicherung, informierte sie. Der Wert der Saliera lasse sich jedoch nur auf dem Gerichtsweg ermitteln. Ob dieser Weg beschritten wird, sei derzeit noch nicht entschieden, weil es dabei um sehr diffizile Fragestellungen gehe. Bevor die Dreijahresfrist abgelaufen ist, werde aber sicherlich eine Entscheidung getroffen. Die oberste Prämisse sei natürlich, die Saliera zurückzubekommen. Sie könne den Abgeordneten versichern, dass ihr Ressort sicher nicht untätig sei und alles unternommen werde, was möglich ist.

Der Vertagungsantrag wurde mit V-F-Mehrheit angenommen.

KULTUR- UND BILDUNGSABKOMMEN MIT KROATIEN EINSTIMMIG ANGENOMMEN

Schließlich wurde noch ein Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Republik Kroatien einstimmig angenommen, das die Zusammenarbeit von Institutionen beider Länder in den Bereichen Kunst, Forschung, Wissenschaft und Bildungswesen regeln soll. Abgeordnete TURKOVIC-WENDL (V) zeigte sich erfreut über den Abschluss des Abkommens mit Kroatien und erläuterte die Zielsetzungen des Vertrags. Im konkreten ist vorgesehen, dass eine gemischte Kommission Kulturprogramme zu diesen Themen festlegen soll. Bislang galt zwischen den beiden Ländern das alte Kulturabkommen mit der SFR Jugoslawien, das nun durch dieses neue Dokument ersetzt werden soll. (Schluss)

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