Heiße Expertendiskussion an der FH Krems: Korruption im Gesundheitswesen aus internationaler Sicht

Wien (OTS) - Am 11. Mai veranstaltete der Studiengang Gesundheitsmanagement eine weitere Vortragsreihe unter dem Motto Headline Health zu dem brisanten Thema "Korruption im Gesundheitswesen aus internationaler Sicht".

Hochrangige Vertreter des Gesundheitssektors aus Österreich und Deutschland, wie Ulrich Golüke, MAS, Transparency International (Deutsches Chapter), Dr. Michaela Moritz, Geschäftsführung des österreichischen Institutes für Gesundheitswesen, Dr. Fabiola Fuchs, Niederösterreicher Gesundheits- und Sozialfond, Univ. Prof. Dr. Bernhard Schwarz, Österreichische Gesellschaft für Gesundheitsökonomie, stellten sich den Studierenden und Gästen in der Podiumsdiskussion zur Verfügung. Als Moderator fungierte Dr. Bernhard Rupp, Geschäftsführer des Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds und Vortragender für International Health Consulting.

Graubereich: 3% - 10% aller Gelder versickern - Wir wollen nicht anprangern sondern präventiv wirken

Dr. Rupp gab zu Beginn einen Überblick über die Situation in Europa und den USA. Laut einer ABC Analyse versickern jährlich rund 3-10% aller Gelder im Gesundheitswesen. Für Österreich bedeuten 10% rund 1,7 Milliarden Euro, das ist mehr als der jährliche Finanzbedarf der Spitäler in Niederösterreich. Wichtig sei es, so Rupp, dass die künftigen Manager darauf vorbereitet werden, dass das Gesundheitswesen von Betrug frei zu halten ist.

Fuchs: Welche Maßnahmen hat der NÖGUS eingeleitet

Dr. Fuchs berichtete dass seit 1987 das LKF System eingeführt wurde und eine jährliche Quote von 13% eingedämmt werden konnte, durch die Codierung von Leistungen. Spitäler versuchen möglichst viel Geld für die eigene Anstalt zu lukrieren, der NÖGUS sichtet jährlich rund 5.000 Arztbriefe zur Kontrolle und gibt so genannte Behandlungspfade vor.

Golüke: Wo kommt Korruption her?

Ulrich Golüke versuchte zu erläutern, warum sich das Gesundheitswesen so schwer tut. Das Grundproblem ist, dass im Gesundheitswesen der Zahler nicht der Empfänger der Leistung ist. Es sei himmelschreiend, führt Golüke weiter aus, dass man es geschafft habe, die 3 Pole (System, Arzt und Patient zu trennen. Korruption, der nicht entgegengetreten wird, führe zu Sittenverfall. Wichtig sei, dass außer dem Ökonomischen auch das Charakterliche angesprochen wird, sonst hätte man ein System indem der Ehrliche, der Dumme ist. Der Gesundheitsbereich macht in Deutschland 10% des BIP aus. Das Vertrauen fehle, so Golüke, weil man nicht mehr weiss, mit wem man es zu tun habe, es fehlen Regulatoren. Das ganze standesrechtliche System wird von Ärzten selbst kontrolliert, man kann sich aber nicht selbst kontrollieren. Transparency International wurde von Ärzten gegründet, die ehrenamtlich tätig sind und braucht noch mehr Leute auch in Österreich und der Schweiz. Transparency sieht sich nicht als Staatsanwalt oder will Leute an den Pranger stellen. Golüke wünscht sich, dass die EU Transparenzkriterien verlangt.

Rupp: Grundlagen und Motivation finden

Damit sich die Studierenden auf das Thema einlassen, muss Motivation vorhanden sein, so Rupp. Die Grenze zwischen Rechtschaffenheit und Unverschämtheit ist verschwommen. In Österreich gibt es keine Zahlen zu diesem Thema, Nichtwissen ist aber eine schlechte Basis, erörtert er.

Moritz: Wenn Begriffe wie Betrug und Korruption fallen gerät man ins Schussfeld

Das Gesundheitswesen sei ein schwer fassbarer Bereich und ist daher anfällig (metaphysisch), so Moritz. Sie will es auch nicht Betrug nennen, es sei systemimmanent. Es gibt Zusammenhänge zwischen Leistungserbringung und Pharmaindustrie. Teure Medikamente, die im Krankenhaus verschrieben werden, verändern die Verschreibungspraxis außerhalb des Spitals. "Am System empört mich, dass man sagt, der Beitragszahler und Steuerzahler bekommt etwas umsonst und nützt das System aus", erklärt sie.

Schwarz: Besonderheit in Österreich - Öffentlicher und privater Bereich ist vernetzt

Der Präsident der österreichischen Gesundheitsökonomie erklärte, dass man sich seit fast einem Jahr um relevante Daten bemühe, denn es bestehe ein hoher Anspruch an das Gesundheitswesen. Die Schattenwirtschaft müsse man aus ökonomischer Sicht bekämpfen, so Schwarz weiter. Hervorgehoben wurde die Besonderheit in Österreich aus der Vernetzung des privaten und öffentlichen Bereichs.

Abschließend wünschte sich Golüke, dass es auch bald eine "Schwestergesellschaft" von Transparency Deutschland in Österreich gibt.

Rückfragen & Kontakt:

IMC Fachhochschule Krems
Studiengang Gesundheitsmanagement
Dr. Christian Thoma
Tel. 02732-802-502
Email: gesundheit@imc-krems.ac.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF0012