Andiel: Arzneimittelpaket wirkt nur kurzfristig

Fehlende Strukturreformen werden beschönigt und als Erfolg gefeiert

Wien (OTS) - "Dass das Resümee der Bundesministerin Rauch-Kallat über das im Herbst 2003 beschlossene Arzneimittelpaket positiv ausfällt, erstaunt uns", so Wolfgang Andiel, Obmann des Österreichischen Generikaverbandes (OEGV): "Das kann nur als Versuch gewertet werden, über fehlende strukturelle Veränderungen hinwegzutäuschen." Das Ziel der Bundesministerin, den Generika-Anteil auf mindestens 20 Prozent zu heben, wurde klar verfehlt: Der Verordnungsanteil liegt noch immer konstant bei 13,5 Prozent. Von den angekündigten Begleitmaßnahmen zur Generikaförderung wurde lediglich die massive Preissenkung von Generika in die Tat umgesetzt. Der wichtigste Punkt für die Beitragszahler, die reduzierte Rezeptgebühr, wurde zwar Anfang letzten Jahres mit Großanzeigen in den Medien den BürgerInnen in Aussicht gestellt und beworben, das Versprechen, die Kostenvorteile von Generika nutzen zu können, jedoch nicht erfüllt.

Folgende Punkte wurden unter anderem zur Förderung von Generika bei der Gesundheitskonferenz im November 2003 beschlossen: die Einführung einer günstigeren Rezeptgebühr, Preisbildung neu, Informationskampagne, Neugestaltung des Krankenhaus-Entlassungsbriefs sowie eine beschleunigte Generika-Zulassung. Neben einer halbherzigen Informationskampagne wurde - trotz des extrem niedrigen Markteintrittspreises - lediglich die Preissenkung von Generika umgesetzt. Das erste Generikum ist bei Markteintritt um 48 Prozent billiger als vergleichbare Erstpräparate. Bei weiteren Eintritten von Nachfolgeprodukten muss der Preis zusätzlich gesenkt werden.

Kurios sind die seit 1.1.2005 geltenden Markteintrittsbedingungen für Generika: Neu auf dem Markt kommende Generika müssen nun sogar zunächst in die Red Box und sind dort somit chefärztlich zu genehmigen! Das neue Aufnahmeverfahren in den Erstattungskodex verhindert außerdem, dass neue Generika unmittelbar nach Patentablauf zur Verfügung stehen können. "Diese Markteintrittsverzögerung von bis zu fünf Monaten muss korrigiert werden", fordert Andiel: "Der Kostenvorteil kann in dieser Zeit nicht genutzt werden und fällt zu Lasten der BeitragszahlerInnen." In Österreich liegt der Verordnungsanteil von Generika bei lediglich 13,5 Prozent, in der EU bei 27 Prozent und in Deutschland sogar bei 54 Prozent im Jahr 2004. Eine Hebung des Generika-Anteils auf EU-Niveau würde eine Kosteneinsparung von 85 Millionen Euro ermöglichen.

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