Niederwieser zu 2/3-Mehrheit: "Reformzug muss jetzt rasch Fahrt aufnehmen"

Wien(SK) "All diejenigen, die heute diesem Gesetz zustimmen, haben gewonnen", betonte SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser am Donnerstag im Nationalrat zur heutigen weitgehenden Abschaffung der 2/3-Mehrheit bei den Schulgesetzen. Es sei an der Zeit, Lehren aus PISA zu ziehen, so Niederwieser. Die SPÖ nehme das Angebot zur Zusammenarbeit von Bildungsministerin Gehrer an, aber: "Nicht zur Mitfahrt in einem gemächlichen Bummelzug, der Reformzug muss jetzt rasch Fahrt aufnehmen", unterstrich Niederwieser. Das nächste Ziel sei PISA, nicht jenes in der Toskana, sondern ein besseres Ergebnis bei der nächsten PISA-Prüfung 2006. ****

Dass nunmehr in einem Satz im Verfassungsrang festgehalten wird, dass Schulen unabhängig von Herkunft, sozialer Lage und finanziellem Hintergrund bestmögliche Bildung zur Verfügung stellen müssten, begrüßte Niederwieser ausdrücklich: "Eine der Erkenntnisse aus der PISA-Studie war, dass unsere Schule genau das nicht leisten". Niederwieser verwies in diesem Zusammenhang auf die ersten Klassen der Hauptschulen: 30 Prozent der Eltern besitzen Matura, während bei den ersten Klassen der Gymnasien 63 Prozent der Eltern die Matura haben. Für Niederwieser ein klares Indiz, dass die soziale Herkunft im österreichischen Schulsystem sehr wohl eine Rolle spielt.

"Unser Schulsystem differenziert in vielseitiger Weise", hielt Niederwieser fest. Niemand werde ernsthaft behaupten, dass diese vielfältige Differenzierung das ist, was heute für alle Zeiten festgeschrieben werden müsse, so der SPÖ-Bildungssprecher. "Es braucht immer die Veränderung", betonte Niederwieser, der festhielt, zu dem heute zu beschließenden Kompromiss zu stehen: "Ich halte gar nichts davon, durch weitere Streitereien den Kompromiss zu schmälern". Auch PISA-Koordinator Günter Haider habe den Kompromiss als "wichtiges Signal" bezeichnet, sagte Niederwieser.

"Gemeinsames Ziel muss es sein, die 20 Prozent der letzten PISA-Studie mit ungenügenden Kenntnissen auf zehn Prozent oder darunter zu reduzieren", unterstrich Niederwieser. Österreich sei damit "nahe an den besten PISA-Ländern dran". Der Weg beginne bei der Frühförderung und im Kindergarten: "Hier können Defizite am ehesten und am schnellsten beseitigt werden", zeigte sich Niederwieser überzeugt. Pädagogisch stehe die SPÖ zum Modell einer gemeinsamen und verschränkten Schule, so Niederwieser. Der Unterricht müsse außerdem auf das einzelne Kind eingehen, forderte der SPÖ-Bildungssprecher.

Bei der Einigung zur Abschaffung der 2/3-Mehrheit seien viele Namen zu erwähnen, so Niederwieser: "Am Beginn stand zweifellos das Angebot von SPÖ-Vorsitzendem Gusenbauer kurz nach Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse, dieses Reformhindernis Nummer eins zu beseitigen und die 2/3-Mehrheit für Schulgesetze abzuschaffen". Niederwieser hob auch die Kompromissbereitschaft Gehrers hervor und dankte auch der Abgeordneten Rossmann, die in der Frage des differenzierten Schulsystems "die Tür noch ein Stück deutlicher geöffnet habe". (Schluss) sk

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der SPÖ
Tel.: (++43-1) 53427-275
http://www.spoe.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0013