Wien 2004: Positive Geburtenbilanz, die wenigsten Sterbefälle

Wien (OTS) - Nach den von Statistik Austria gemeldeten nunmehr endgültigen Ergebnissen der natürlichen Bevölkerungsbewegung für das Jahr 2004 verzeichnete Wien erstmals nach dem 2. Weltkrieg mehr Lebendgeborene als Sterbefälle. Gegenüber 2003 stand einem Anstieg der Zahl der Lebendgeborenen um 370 auf 16.856 (+2,2%) ein Rückgang der Sterbefälle um 997 auf 15.983 (-5,9%) gegenüber. In den bis 1871 zurückreichenden statistischen Aufzeichnungen ist das die niedrigste je verzeichnete Zahl an Sterbefällen. Der Saldo der natürlichen Bevölkerungsbewegung drehte somit von einem Gestorbenenüberschuss von 494 (2003) auf einen Geburtenüberschuss von 873 im abgelaufenen Jahr. Weitere erfreuliche Ergebnisse der natürlichen Bevölkerungsbewegung betreffen den abermaligen Anstieg der Zahl der Eheschließungen um 8,8% auf 10.703, womit der höchste Wert seit 1992 erreicht wurde, und den Rückgang der Säuglingssterberate (im 1. Lebensjahr Verstorbene auf 1.000 Lebendgeborene) von 6,3 (2003) auf 5,7 Promille.

Die Zahl der Lebendgeborenen hat in Wien nach einem kontinuierlichen Rückgang in den 90er Jahren und einer Talsohle zwischen 1997 und 2001 2004 zum 3. Mal hintereinander zugenommen. Der Grund dafür liegt im Trend zur späteren Mutterschaft, d.h. Frauen schieben die Realisierung ihres Kinderwunsches vermehrt auf einen Zeitpunkt nach der beruflichen Etablierung hinaus. Die in den Jahren davor aufgeschobenen Geburten werden nun nachgeholt, die Zahl der Geburten von Müttern im Alter von über 30 und besonders über 35 Jahren stieg in den letzten Jahren deutlich an. Der Anstieg des Anteiles unehelicher Geburten hat sich in den letzten beiden Jahren verlangsamt. Mit 29,3% haben knapp 3 von 10 Neugeborenen eine unverheiratete Mutter, Wien liegt damit deutlich unter dem österreichischen Durchschnitt von 35,9%. 19% der Wiener Neugeborenen hatten 2004 eine ausländische Staatsangehörigkeit, vor 10 Jahren lag der Anteil noch bei über einem Viertel.

Noch wesentlich größeren Anteil an der positiven Geburtenbilanz hat allerdings die Abnahme der Sterbefälle. Die Zahl der verstorbenen Wiener ist seit über 30 Jahren fast durchgehend rückläufig. Um 1970 verstarben noch jährlich über 28.000 Menschen. Der Grund für diesen Rückgang liegt zum Einen in der gestiegenen Lebenserwartung (diese nahm in den vergangenen 20 Jahren bei Männern um 6 Jahre, bei Frauen um 4,5 Jahre zu), zum Anderen in der Alterszusammensetzung der Bevölkerung. In den 60er und 70er Jahren verstarben überwiegend die sehr stark besetzten Jahrgänge der um die Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts Geborenen, während sich heute wesentliche schwächer besetzte Geburtenjahrgänge, bei denen sich der Geburtenausfall während des 1. Weltkrieges und bei den Männern die Dezimierung durch Kriegsgefallene im 2. Weltkrieg niederschlagen, im Hauptsterbealter befinden.

Die Geburtenbilanz, die selbst zu Zeiten des Babybooms der 60er Jahre mit ca. 20.000 Geburten einen Gestorbenenüberschuss von 6.000 bis 7.000 Personen jährlich aufwies, erreichte ihr größtes Defizit der Nachkriegszeit mit jährlich ca. 13.000 Personen in der 2. Hälfte der 70er Jahre, in denen pro Jahr nur etwas über 13.000 Kinder zur Welt kamen. In den 80er Jahren verringerte sich der Gestorbenenüberschuss von 11.000 auf 5.000 Personen, im folgenden Jahrzehnt reduzierte er sich weiter bis auf etwa 2.000 im Jahr 2000 und etwa 500 in den Jahren 2002 und 2003. Im abgelaufenen Jahr kam es nun durch die Fortsetzung der beschriebenen Trends zu einer Saldendrehung auf einen Geburtenüberschuss. Mehr Geburten als Sterbefälle wurden in Wien zuletzt 1941, also während des 2. Weltkrieges verzeichnet, und auch davor wiesen nach 1914 nur die Jahre 1921 und 1923 bis 1925 Geburtenüberschüsse in Wien auf.

Zu dem nunmehrigen Geburtenüberschuss trug auch die anhaltende Zuwanderung überwiegend junger Menschen aus dem In- und Ausland nach Wien bei, die auch die Alterung der Wiener Bevölkerung in ihrer Zusammensetzung im Vergleich mit den anderen österreichischen Bundesländern wesentlich verlangsamt. Diese Zuwanderung bewirkte auch, dass die davor über fast 20 Jahre sinkende Einwohnerzahl Wiens seit 1988 wieder ansteigt. Zu Ende des Jahres 2004 betrug die Einwohnerzahl Wiens rund 1.624.000. Auch in den nächsten Jahren ist mit einer Bevölkerungszunahme in Wien von 10.000 bis 15.000 Personen pro Jahr zu rechnen. (Schluss)

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